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HANDELSBLATT, Mittwoch, 23. April 2008, 11:44 Uhr
Großen deutschen Unternehmen droht böses Erwachen

Finanzkrise erreicht deutsche Konzerne


Die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen müssen im ersten Quartal mit Einbußen beim Nettogewinn von durchschnittlich knapp 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr rechnen. Das zeichnet sich nach Prognosen der Unternehmen und Berechnungen des Handelsblatts in Zusammenarbeit mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ab. Hingegen wachsen die Firmen in der zweiten Reihe weiter.



DÜSSELDORF. Mit dem Chiphersteller » Infineon und dem Pharmaspezialisten » Merck haben am Mittwoch die ersten Konzerne, die im Deutschen Aktienindex (Dax) gelistet sind, ihre Quartalszahlen bekanntgegeben. Infineon gab zum Wochenauftakt einen bösen Vorgeschmack mit der Ankündigung, eine Milliarde Euro auf die angeschlagene Speicherchiptochter Qimonda abzuschreiben. Rund die Hälfte der Dax-Konzerne wird über Gewinnrückgänge berichten.

"Es ist verfrüht, in Panik zu verfallen. Doch die Zeiten mit starken Zuwächsen sind vorbei", sagt LBBW-Experte Michael Köhler mit Blick auf das Gesamtjahr. Seit Januar revidieren Analysten der großen Investmenthäuser die Gewinnschätzungen für die Dax-Konzerne dramatisch nach unten. Gingen die Experten anfangs von einem Jahresplus von 13 Prozent aus, so ergibt sich nach Angaben des Finanzdatenspezialisten Ibes nun eine rote Null. Erstmals seit 2001 könnten die Firmengewinne sinken.

Hauptverantwortlich für die Misere im abgelaufenen Quartal sind die Finanzinstitute. Doch selbst wenn man die gebeutelten Banken und Versicherer ausklammert, bleibt ein erwartetes Minus von 28 Prozent. "Vier große Belastungen nehmen die Unternehmen in die Zange", sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Dazu gehört die nachlassende Weltwirtschaft, steigende Refinanzierungskosten an den Kapitalmärkten, höhere Ausgaben für Rohstoffe und Löhne und schließlich der rasant steigende Euro. Er verschlechtert die Wettbewerbsbedingungen.

Anders als in der Vergangenheit können viele Unternehmen deshalb Schwächen, wie etwa im Hauptabsatzland USA, nicht mehr ausreichend kompensieren. Zudem vergleichen sich die Konzerne mit dem starken Vorjahresquartal. Schließlich belasten diesmal viele Sondereffekte die Ergebnisse. Der Pharmakonzern Bayer erlöste im Vorjahr 2,15 Mrd. Euro aus dem Verkauf seiner Diagnostiksparte. Beim Touristikkonzern Tui schlägt die Erstkonsolidierung von First Choice negativ zu Buche. Siemens hatte angekündigt, Großprojekte neu zu bewerten, wodurch Belastungen von 900 Mill. Euro entstünden. Daimler verbuchte im Vorjahr Erlöse aus dem Verkauf der EADS-Anteile.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Bei welchen Unternehmen Analysten mit den größten Zuwächsen rechnen


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