Der Betriebsrat von Volkswagen
versucht nach juristischen Niederlagen nun politisch, seinen Einfluss auf den Autobauer zu sichern. Betriebsratschef Bernd Osterloh will bis Freitag eine Petition an den Deutschen Bundestag richten. Ziel ist es, die wichtigen Schutzfunktionen für Arbeitnehmer bei der Novellierung des VW
-Gesetzes
zu erhalten.
FRANKFURT. "Ziel dieser Petition ist es, die wichtigen Schutzfunktionen für Arbeitnehmer auch in einem novellierten, EU-rechtskonformen VW
-Gesetz
zu erhalten“, sagte Osterloh am gestrigen Dienstag vor rund 12 000 VW
-Mitarbeitern
auf einer Betriebsversammlung des Wolfsburger Stammwerkes. Die Belegschaft werde jede politische Partei daran messen, ob sie sich bei der Novellierung des VW
-Gesetzes
auf ihre Seite stelle oder ob sie dem Kapital das Wort rede. Sowohl Niedersachsens CDU -Ministerpräsident
Christian Wulff als auch sein SPD -Opponent
Wolfgang Jüttner unterstützen die Initiative. "Ich gehe fest davon aus, dass die Bundesregierung ein angepasstes VW
-Gesetz
vorlegen wird“, sagte Niedersachsens SPD -Chef
Jüttner dem Handelsblatt. Das habe er jüngst gegenüber der zuständigen SPD -Bundesjustizministerin
Brigitte Zypries bekräftigt.
Der Europäische Gerichtshof hatte Ende Oktober die Kernbestimmungen des VW
-Gesetzes
kassiert. Vor allem die Stimmrechtsbeschränkung auf 20 Prozent verstieß aus Sicht der Richter gegen EU-Recht. Der Fall der Sonderregelungen macht juristisch den Weg frei für eine komplette Übernahme von VW
durch Großaktionär Porsche.
Betriebsrat und Vorstand von Porsche
liegen seit Wochen im Clinch um die Mitbestimmungsregeln bei der neuen Porsche
Holding, die auch die Beteiligung an VW
steuert. Osterloh fordert eine der Größe der VW
-Belegschaft
angemessene Vertretung. Bislang sind für den Fall einer Porsche
-Mehrheit
bei VW
jeweils sechs Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Porsche
Holding vorgesehen – obwohl VW
rund 324 000 Mitarbeiter beschäftigt und Porsche
nur gut 12 000. Porsche
-Chef
Wendelin Wiedeking hatte in den vergangenen Tagen Änderungen an der Satzung der Holding ausgeschlossen.
Anleger und Analysten betrachten die Dauerauseinandersetzung mit zunehmender Sorge. "Der Streit zwischen dem VW
-Betriebsrat
und Porsche
könnte geschäftsrelevant werden, wenn er dazu führt, dass Volkswagen
seine Ziele aus den Augen verliert“, warnte Maria Bissinger, Autoanalystin von Standard&Poor’s.
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