Für Europas größten Autobauer Volkswagen dürfte dieser 3. März als besonders denkwürdig in die Geschichte des Unternehmens eingehen. VW übernimmt die Macht bei Scania. Und Porsche leitet die Übernahme der Mehrheit bei VW ein. Zufall oder Absicht, dass die beiden neuen Weichenstellungen bei Volkswagen so kurz nacheinander verkündet wurden?
VW übernimmt Mehrheit an Scania, Porsche will Beteiligung an Volkswagen auf mehr als 50 Prozent ausbauen. Foto: dpa
HB WOLFSBURG/STOCKHOLM. Die Scania
-Nachricht war noch ganz frisch - als aus Stuttgart die nächste Neuigkeit hereinplatzte: Der Porsche
-Aufsichtsrat hat grünes Licht gegeben für eine Mehrheitsübernahme von Volkswagen.
Der Aufsichtsrat des Stuttgarter Sportwagenherstellers habe dessen Vorstand ermächtigt, die Beteiligung an VW
von derzeit 31 Prozent auf über 50 Prozent aufzustocken, teilte Porsche
mit. Der Zukauf von weiteren 20 Prozent an VW
würde bei dem derzeitigen Aktienkurs von etwa 150 Euro rund zehn Milliarden Euro kosten.
Porsche
Ob es aber Zufall oder Absicht war, dass die beiden neuen Weichenstellungen bei VW
so kurz nacheinander verkündet wurden - die Frage ist offen. Volkswagen
jedenfalls ließ durch seinen Sprecher verkünden: "Wir begrüßen die geplante Aufstockung von Porsche
genauso, wie wir die Beteiligung begrüßt haben." Arbeitnehmervertreter kommentierten dagegen die Porsche
-Pläne bisher nicht.
Bildergalerie: Wie Porsche
die VW
-Übernahme gedeichselt hat
Mit der anderen VW
-Nachricht des Tages ist Volkswagens
Firmenpatriarch und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch indes seinem Traum von einem LKW-Giganten einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Der Wolfsburger Autokonzern übernham für rund 2,9 Mrd. Euro die Mehrheit am schwedischen LKW-Produzenten Scania.
Die Deutschen erhöhten ihre Stimmrechte an Scania
von 38 auf 68,6 Prozent.
Mit der Übernahme der Mehrheit der fast 70 Prozent an Scania
ist jetzt der Weg frei für die von VW
schon so lange angestrebte Lkw-Ehe mit Scania
und MAN.
Beobachter sehen in der Scania
-Übernahme eine weitere Etappe auf dem Weg zu einem internationalen LKW-Riesen aus Volkswagens
brasilianischer Nutzfahrzeugsparte, Scania
und MAN.
Denn die bisherigen Mehrheitseigner von Scania
- Investor und die Familie Wallenberg
- galten als die wichtigsten Blockierer der Allianz. An ihrem Veto scheiterte der Übernahmeversuch von MAN
Ende 2006. Der größte Scania
-Aktionär VW
hatte sich damals ebenfalls gegen die Übernahme gestellt - die Wolfsburger wollten bei dem Bündnis von Anfang an selbst im Führerhaus sitzen und kauften sich deshalb bei MAN
ein. Denn der Lkw-Markt gilt als sehr lukrativ.
Die ganze Geschichte wirbelte viel Staub auf - aber zuletzt war es still geworden um das Thema. "Es gibt nichts Neues" und "Wir haben keinen Zeitdruck", waren die einzigen Kommentare bei Nachfragen. Dass im Hintergrund die mächtigen Patriarchen von VW
und Scania
die Strippen zogen und den Weg bereiteten, gilt in der Branche als offenes Geheimnis. Die Familien Wallenberg
und die von VW
-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch kennen sich schon lange. Und so dürfte der jüngste Coup auch auf ihr Konto gehen. Piëch bringt er einen Schritt näher an seinen großen Autotraum heran: Die "graue Eminenz" bei VW
strebt einen breit aufgestellten Konzern an, der vom Klein- über den Sport- bis zum Lastwagen alles im Angebot hat.
Allerdings hat das Sagen bei VW
künftig der Sportwagenbauer Porsche.
"Unser Ziel ist die Schaffung einer der innovativsten und leistungsstärksten Automobil-Allianzen der Welt, die dem verschärften internationalen Wettbewerb gerecht wird", sagte Wiedeking. Piëch gehört zu den Eigentümern bei Porsche,
aber die Machtverhältnisse sind undurchsichtig.
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