VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh ist sauer: Er sieht die Interessen der VW-Belegschaft bei der geplanten Übernahme von VW durch Porsche nicht angemessen berücksichtigt. Seine Kritik richtet sich dabei ebenso gegen den Stuttgarter Sportwagenhersteller wie VW-Patriarch Piëch. Und auch bei BMW und Daimler kann man sich so manchen Seitenhieb nicht verkneifen.
GENF. Volkswagens
Betriebsratschef Bernd Osterloh ist verärgert über Porsches
Vorgehen bei der zu Wochenbeginn angekündigten Übernahme von VW.
"Wenn ich ein Unternehmen übernehmen will, dann fange ich das nicht so an wie Porsche", sagte Osterloh dem Handelsblatt am Rande des Genfer Autosalons. "Schlechter kann man es nicht machen." Er habe sich nicht nur eine angemessene Beteiligung der Volkswagen
-Belegschaft
gewünscht, er habe sie erwartet.
Porsche
Volkswagens
Dieter Zetsche, als Chef des weltgrößten LKW-Herstellers direkter Konkurrent von Scania,
meinte, er habe "zumindest noch keine industrielle Logik mit dem Kauf von Scania
mitgeliefert bekommen". Wenn MAN
und Scania
künftig enger zusammenarbeiteten, hätte die zunächst einmal nicht viel mit VW
zu tun und sei nur ein ähnlicher Weg, wie ihn Daimler
bereits vor 20 Jahren mit seiner LKW-Sparte gegangen sei, stichelt der Daimler
-Vorstandschef.
"Das sorgt erst einmal für große Beschäftigung miteinander" und nach einem längerem Zeitabstand dann bestenfalls zu Kostenvorteilen für beide Unternehmen. "Wenn es dazu kommt, Glückwunsch!"
Das unterschiedliche Vorgehen des Managements von VW
und Porsche
ist für Betriebsratschef Osterloh, der sich erstmals dazu äußerte, "ein Kontrastprogramm". Dem VW
-Chef Martin Winterkorn attestiert der Betriebsratschef ein faires Vorgehen. Porsche
-Chef Wiedeking, mit dem Osterloh seit Monaten im Clinch um die Mitbestimmungsregeln in der neuen Porsche
Holding (SE) liegt, wirft er Blockadepolitik vor. "Was von der Gegenseite derzeit kommt, zeigt mir, dass man keine angemessene Beteiligung der VW
-Belegschaft will", sagte Osterloh. Im Konflikt mit Großaktionär Porsche
macht Osterloh inzwischen auch Piëch Vorwürfe. Er rede mit Piëch am Rande von Aufsichtsratssitzungen über das Thema. "Allerdings hätte ich mir mehr Rückendeckung von ihm erwartet", sagte Osterloh dem Handelsblatt.
Im Gegensatz zu seinem Betriebsrats-Pendant bei Porsche,
Uwe Hück, will der VW
-Mann keine Einigung erkennen können. Hück hatte vergangene Woche davon gesprochen, beide Parteien seien eigentlich schon auf dem Standesamt. "Wenn ich vorm Standesamt stehe, brauche ich doch einen Ehevertrag, den ich unterschreiben kann. Vielleicht ist das bei Uwe Hück und mir der Fall. Aber für den Vorstand der Porsche
SE gilt das nicht", sagte Osterloh. IG Metall-Chef Huber versucht seit Wochen, den Streit zwischen den beiden prominenten Gewerkschaftern beizulegen.
Der Fall Scania
ist aus Sicht des VW
-Betriebsrates ein Beispiel für eine gelungene Übernahme. "Wir werden jetzt darüber diskutieren, wie wir die Kollegen formal richtig in den Europäischen Konzernbetriebsrat einbinden. Darüber hinaus wollen wir das Thema Mitbestimmung noch in anderen Gremien absichern. Das ist bei uns so verabredet. Egal, wer noch dazukommt, in den Konzernverbund Volkswagen", sagte Osterloh. Das sei der Grund, weshalb es nicht eine negative Meldung der Arbeitnehmervertreter von Scania
zur Übernahme durch Volkswagen
gegeben habe.
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