„Ich bin zwar selbstständig, aber ich habe mich nie als Unternehmerin gefühlt.“ Diese zurückhaltende Selbstwahrnehmung ist typisch für Frauen, hat Peter Kranzusch, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM), beobachtet. Zurückhaltend gibt sich das weibliche Geschlecht denn auch, wenn es um das Thema unternehmerische Selbstständigkeit geht. Nur knapp ein Drittel (28 Prozent) aller Neugründungen entfallen laut IfM auf Frauen.
DÜSSELDORF. Grund genug für die IfM–Mitarbeiter Rosemarie Kay, Peter Kranzusch und Arndt Werner in einer Studie der Frage nachzugehen, ob Frauen eine geringere „Gründungsneigung“ als Männer haben, weil sie sich nicht im gleichen Maße mit dem männlich geprägten Unternehmerbild identifizieren können. Denn typische Attribute wie Gewinnorientierung, Machtbewusstsein und hohe Risikobereitschaft gelten nicht gerade als typisch weiblich und haben in der Öffentlichkeit keinen guten Klang. Knapp 2 500 Besucher und Besucherinnen von Gründungsmessen befragten die IfM–Mitarbeiter zu diesem Thema und gelangten zu der interessanten Erkenntnis: Es ist nicht die Abneigung gegen die Ellbogengesellschaft in Führungsetagen, die Frauen davon abhält, Unternehmerin zu werden. Die Abneigung gegen dieses Image sei bei Frauen nicht stärker ausgeprägt als bei Männern.
Es sind vielmehr die gängigen gesellschaftlichen Zwänge und kulturellen Gepflogenheiten, die das Gründungsverhalten von Frauen beeinflussen. „Unternehmerinnen werden nicht in gleichem Maße von ihrem (Ehe-)Partner unterstützt bzw. entlastet wie die Unternehmer von ihren (Ehe-)Partnerinnen“, konstatiert Rosemarie Kay in der Dokumentation „Unternehmerinnen in Deutschland“, die das IfM für das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) im Vorjahr erstellt hatte. Kurz: Frauen müssen Unternehmen, Familie und Kindererziehung unter einen Hut bringen. Groß ist die „Gründungsneigung“ deshalb auch dann, wenn sie damit die Hoffnung verknüpfen, Familie und Beruf in Einklang bringen zu können.
Frauen sähen sich bei der Existenzgründung oft mit anderen Problemen konfrontiert als ihre männlichen Kollegen, fasst das BMWA allgemein zusammen. Besonders in der Startphase hätten sie es schwerer. Oft fehlten Frauen, so IfM–Mitarbeiter Kranzusch, die fachliche Voraussetzung für die Unternehmensgründung – beispielsweise Kenntnisse in Buchführung – sowie die nötige Berufserfahrung und das branchenspezifische Fachwissen.
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