Der Aufwärtstrend der Börse dürfte sich nun mit dem Investmentgrade fortsetzen: Erstmals können ausländische institutionelle Investoren wie Pensionsfonds in brasilianische Anleihen und Aktien investieren. "Der Kapitalzufluss nach Brasilien wird sich verstärken, und brasilianische Unternehmen erhalten künftig leichter Kredit im Ausland", sagt Zeina Latif, Chefvolkswirtin von ABN Amro Real in Sao Paulo. Zusammen mit der Heraufstufung verbesserte S&P auch die Ratings von zehn brasilianischen Unternehmen.
Unklar ist noch, wann die anderen Rating-Gesellschaften ebenfalls ihre Risikoeinschätzungen verbessern. Denn bei Fitch wie Moody?s stehen brasilianische Anleihen noch eine Stufe unter dem Investmentgrade - mit "stabilen" Aussichten. Das dürfte eigentlich Verbesserungen in der nächsten Zeit unwahrscheinlich machen. Derzeit sei eine Fitch-Delegation in Brasilien unterwegs, um eine Heraufstufung zu prüfen, heißt es in São Paulo.
Dennoch herrscht in Brasiliens Wirtschaft und Finanzmärkten nicht nur Sonnenschein. Stunden vor der Verkündung durch S&P hatte die Investmentbank JP Morgan eine Studie zu Brasilien veröffentlicht, wo sie auf die steigende Inflationsrate und das schnell zunehmende Leistungsbilanzdefizit hinwies. Im ersten Quartal hat Brasilien bereits ein Minus von rund zehn Mrd. Dollar in seiner Leistungsbilanz registriert, obwohl die Zentralbank bis zum Jahresende nur ein Defizit von zwölf Mrd. Dollar prognostiziert. Denn obwohl Brasiliens Exporte weiter gewachsen sind, explodieren die Importe. Auch befürchten viele Firmen, dass der Real durch den ausländischen Kapitalzufluss weiter aufwertet. Brasiliens Exportunternehmen klagen bereits über den starken Real, der sie gegenüber Wettbewerbern benachteiligt.
