Eine durchgreifende Besserung ist hier kaum zu erwarten. Trotz kurzfristiger Entspannung dürften sich die diesjährigen Stromengpässe am Kap noch lange negativ auf die Produktion der Goldförderer auswirken. Anglogold Ashanti rechnet etwa für 2008 mit einem Rückgang auf unter fünf Mill. Unzen. Auch Gold Fields, die Nummer zwei unter den Goldförderern, prognostiziert einen Einbruch in der Produktion um bis zu 20 Prozent.
Der Höhenflug der Börse spiegelt allerdings nicht die Probleme wider, die die Stromengpässe in Südafrika insgesamt ausgelöst haben. Entstanden sind die Engpässe zum einen aus der fehlenden Vorausplanung der Regierung, sie lagen aber auch beim staatlichen Energieversorger Eskom und hatten eine Währungskrise ausgelöst. Viele ausländische Investoren, sagt Finanzmarktexperte David Shapiro, hätten wegen der Vertrauenskrise genau das Geld abgezogen, das Südafrika nun zur Finanzierung seines hohen Leistungsbilanzdefizits von über acht Prozent dringend brauche. Zwei Jahre vor der Fußball WM stehe das Land vor der härtesten Bewährungsprobe seit Abschaffung der Apartheid vor 14 Jahren. Daran ändert auch nichts die leichte Erholung des Rands in den vergangenen drei Wochen. Experten rechnen damit, dass der Druck auf die Währung zumindest kurz- bis mittelfristig anhalten wird.
„Man hat den Eindruck, dass alle im letzten Moment auf den fahrenden Zug aufspringen wollen“, meint Azar Jammine vom Beratungsinstitut Econometrix. Gerade deshalb sei Vorsicht sei geboten. „Gegenwärtig kümmern sich die Anleger weder um die extremen Ausschläge der Börse noch um den enormen Facharbeitermangel am Kap oder die durch die Stromengpässe bedingten Produktionsprobleme der Gold- und Platinminen“ wundert sich Jammine. Südafrika wäre nicht das erste Land, dessen Börsenboom schneller als gedacht in Tränen endet.
