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HANDELSBLATT, Dienstag, 16. Oktober 2007, 09:11 Uhr

Kampf mit dem Klimawandel

Von Susanne Bergius

Eine Initiative der Finanzwirtschaft will auf die zunehmenden Naturkatastrophen vorbereiten und durch die Vernetzung von Forschung, Entwicklung, Anwendung und Finanzierung einen effektiveren Klimaschutz erreichen.


Führende deutsche Finanzinstitute gründen heute auf dem Klima-Forschungsgipfel in Berlin das „Finanz-Forum: Klimawandel“, um einen effektiveren Klimaschutz durch Politik und Wirtschaft zu erreichen. „Wir wollen einen Beitrag leisten, um Klimaschutz und Klimaanpassung wirtschaftlich erfolgreich zu gestalten“, sagte Torsten Jeworrek, Vorstand der Münchener Rück, dem Handelsblatt. Mit-Initiatoren sind Allianz, ABL Unternehmensgruppe, Bankhaus Sal. Oppenheim, HypoVereinbank, Bayerische Landesbank, Commerzbank, Dresdner Bank und die Sparkassen-Finanzgruppe.

„Die zentrale Plattform soll ein Mittler zwischen Forschung, innovativen Anwendern und der Finanzwirtschaft sein“, erklärt Bundesforschungsministerin Annette Schavan. „Ich sehe darin einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen der ‚Hightech-Strategie zum Klimaschutz’.“

Um eine erfolgreiche, das heiße auch schnelle wirtschaftliche Nutzung von Innovationen zu erhalten, sollten möglichst früh auch Versicherer, Kreditgeber und Investoren einbezogen werden, erläutert Jeworrek.

Für die Entwicklung von Produkten und Diensten zum Klimaschutz oder zur Anpassung an den Klimawandel wie für entsprechende Investitionen sind teils neuartige Finanzierungen und Versicherungen erforderlich. Daran aber mangelt es. Die Finanzbranche stehe noch am Anfang, kritisiert Prof. Carlo Jäger vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. Manche Institute räumen das ein. Eine Ursache sei das unzureichende Informationsangebot.

Das „Finanzforum: Klimawandel“ will nun Kooperation, Vernetzung und Wissensaustausch zwischen wirtschaftlicher, technischer und naturwissenschaftlicher Forschung sowie Entwicklern, Innovatoren und Finanzwirtschaft fördern. „Als Bank und Investor müssen wir besser verstehen, wie sich Klimawandel und Klimapolitik auf unsere Investitionen oder die langfristigen Cash Flows von Unternehmen auswirken“, begründet Otto Steinmetz, Risikovorstand der Dresdner Bank.

Allianz
Chart: Allianz
Analystenmeinung

Ziel der Initiative ist, technische Potentiale schneller umzusetzen, die wirtschaftlichen Chancen für deutsche Firmen im In- und Ausland zu erhöhen sowie Risiken und Kosten zu minimieren. Überdies will sie eine wichtige Unterstützung für die vom Klimawandel besonders betroffenen Regionen in Schwellen- und Entwicklungsländern leisten.

Geplant sind Forschungs- und Bildungsinitiativen mit dem Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMFT). „Wir wollen Informationssysteme weiterentwickeln und helfen, herauszufinden, welche Technologien und Wertschöpfungsketten für die ‚High-Tech-Strategie’ besonders wichtig sind“, sagt Jeworrek. Es gehe um Klima- und Wetterdaten, besser regional aufgelöste Informationen von Effekten des Klimawandels, aber auch darum, welche Auswirkungen vom Klimawandels für spezielle Branchen zu erwarten sind.

Zudem sollen wirtschaftliche Analysen zu Regionen, Sektoren, Technologien und Regulierung realisiert und Bewertungsmethoden gefunden werden. „Dadurch ist feststellbar, wo CO2-Emissionen am effektivsten zusenken sind“, verdeutlicht der wissenschaftliche Koordinator Paschen von Flotow, Leiter des Sustainable Business Institut an der European Business School in Oestrich-Winkel.

Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht auch für „beste Praktiken“ in allen Handlungsfeldern. Experten halten hier Standards für erforderlich. Finanzinstitute und Kunden bedürfen gleichermaßen zum Beispiel satellitengestützter Hochwasserfrühwarnsystemen oder Siedlungsformen, die - wie „unflutbare“ holländische Häuser - vor Überschwemmungsschäden schützen. „Nur so können wir und unsere Kunden angesichts zunehmender Naturkatastrophen manövrierfähig bleiben“, erläutert Lutz Cleemann, Leiter Allianz Zentrum für Technik.

„Erste Ergebnisse sollen in einem Jahr vorgestellt werden“, sagt Jeworrek. Auf die Frage, ob die Initiative mit nur acht Mitgliedern überhaupt genug Kraft habe, die vielen Vorhaben zu bewältigen, antwortete Jeworrek: „Wir sind offen für neue Partner und freuen uns über ‚Zuwachs’ – glauben aber auch, das das Wissen der jetzigen Mitglieder ein hervorragendes Fundament darstellt.“

Strategie

Klimaschutzziele

Die Emissionen von Treibhausgasen sollen in Deutschland bis 2020 um 40 Prozent sinken. Gleichzeitig soll sich die Energieeffizienz um jährlich drei Prozent verbessern.

Hightech-Strategie

Die Bundesregierung will dafür mit Wissenschaft und Wirtschaft die Stärken deutscher Forschungs- und Entwicklungsleistung mobilisieren. Neben einem besseren Klimaverständnis will sie innovative Technologien vorantreiben in den Feldern Energie, Chemie und Industrieprozesse, Werkstoffe, Gebäude / Wohnen, Mobilität / Verkehr sowie Biosphäre / Land- und Forstwirtschaft.

Finanzforum

Klimawandel: Finanzinstitute wollen mit Forschung und Innovatoren zu effektiveren Klimaschutz- und Klimaanpassungsstrategien beitragen. Nötig seien weniger neue Finanzmittel, sondern die Vernetzung von Wissen und Kompetenz, heißt es. Transparenz und Kooperation sollen sowohl Finanzdienstleistern nutzen, als auch Unternehmen, Kreditnehmern, privaten Versicherten oder Anlegern. Bildungsprojekte sollen das Bewusstsein bei Marktakteuren schärfen.


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