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23.01.2008 
Börsenturbulenzen

Asiaten und Araber werden nervös

von Pierre Heuman, Andreas Hoffbauer und Oliver Müller

Angesichts der Börsenturbulenzen bekommen selbst die erfolgsverwöhnten Aktienmärkte der Schwellenländer einen Dämpfer. So hat sich das Kursdesaster am Dienstag in Asien und dem Nahen Osten noch verschärft. Mit Blick auf die Zuwächse in den vergangenen Jahren sehen Analysten die jüngsten Verluste weniger dramatisch – Unternehmen warnen vor Schwarzmalerei.

TEL AVIV/PEKING/NEU DELHI. Wilde Jojo-Bewegungen ließen Indiens Börsen im gestrigen Tagesverlauf um bis zu 13 Prozent absacken. Am Ende schloss der Leitindex Sensex fünf Prozent im Minus bei 16 730 Punkten. Staatliche Versicherer stützten im späten Handel die Kurse. Ausländische Fonds ziehen indes seit Tagen Gelder aus einem Markt ab. Inzwischen notieren indische Aktien 21 Prozent unter ihrem Hoch vom 10. Januar.

„Der Markt findet nun bald seinen Tiefpunkt", glaubt Ravi Sherma von Anand Rathi Securities. Er macht einen Liquiditätsengpass für den dramatischen Absturz verantwortlich: Mit Reliance Power erlebt Indien gerade einen drei Mrd. Dollar schweren Börsengang, der mehr als 60-fach überzeichnet ist. Damit liegen 190 Mrd. Dollar Anlegergelder bis zur Zuteilung fest. In der Gier nach schnellen Gewinnen hat jeder zweite Kleinanleger bei der Super-Emission mitgeboten. Viele konnte daher gestern Nachschussforderungen ihrer Broker für mit Krediten finanzierte Portfolios nicht bedienen. „Die Arroganz von Anlegern, die Indiens Börse als einfachen Weg zu Reichtum sahen, wird nun vielen zum Verhängnis“, meint Samir Arora von Helios Capital.

Längerfristig ist ihm um den Markt nicht bange: Weil Indien auf Jahre viel schneller wachsen werde als der Westen, rät Arora zum Kauf von Index-Schwergewichten. Der Petrochemieriese Reliance Industries etwa hat in den letzten sechs Tagen 27 Prozent an Wert verloren. Dasselbe gilt für den Immobilienentwickler DLF.

Auch in China bekamen die Börsianer gestern kalte Füße. An der Festlandbörse Schanghai sowie in Hongkong kam es zu Massenverkäufen. Der Shanghai-Index verlor mehr als sieben Prozent. In Hongkong sank der Hang-Seng-Index um 8,6 Prozent auf unter 27 757,6 Punkte - den niedrigsten Stand seit acht Jahren.

Die Börse in Hongkong hat damit seit Ende Oktober rund ein Drittel an Wert verloren. Der Finanzplatz hatte wie Schanghai bereits am Montag gut fünf Prozent nachgegeben. Viele Analysten erwarten, dass die Talfahrt in den kommenden Wochen noch weitergehen dürfte. „Das ist noch lange nicht die ganze Korrektur“, sagt Jacky Choi von Value Partners.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kursabschläge treffen vor allem Kleinanleger.

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