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30.01.2008 
Vermögensverwaltung

Aufstand der Millionäre

von Dirk Heilmann und Michael Maisch

Francis Claessens hat in der Vergangenheit einige schlechte Erfahrungen mit Banken und Vermögensverwaltern gemacht. Darum hat der 56-jährige Holländer in London eine nun Art Selbsthilfegruppe für Vermögende ins Leben gerufen. Und die Resonanz zeigt: Die Zeit für seine Idee scheint reif.

Immer mehr Reiche wollen sich nicht mehr blind auf den Rat von Banken verlassen. Bild: apLupe

Immer mehr Reiche wollen sich nicht mehr blind auf den Rat von Banken verlassen. Bild: ap

LONDON. „Das Leben als Multimillionär ist längst nicht so aufregend, wie man sich das vorstellt“, sagt Francis Claessens. Er muss es wissen, denn er ist einer, seit er 1989 sein Unternehmen verkauft hat. Der 56-jährige Holländer bräuchte sich nicht mehr groß um sein Vermögen zu kümmern – aber er tut es. „Das ist ein Flohmarkt hinter Marmorsäulen“, urteilt er heute, wenn er an Banken und Vermögensverwalter denkt.

Es sei an der Zeit, dass sich die Reichen wehrten, findet Claessens. Darum hat er in London eine Art Selbsthilfegruppe für Vermögende ins Leben gerufen. „Peers – The London Wealth Peer Group“ heißt sie. So wie Aktionärsaktivisten den Unternehmen Beine machen, so wollen es die Mitglieder im Club der Reichen mit Banken und Fondsverwaltern tun.

Schon beim ersten Treffen im Hotel Millennium im feinen Stadtteil Mayfair kamen vor zwei Wochen 20 Gründungsmitglieder mit einem gemeinsamen Vermögen von deutlich mehr als einer Milliarde Euro zusammen. Natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sie nippten Champagner, hörten einige Vorträge und diskutierten beim Dinner über Anlageideen.

„Ich war positiv überrascht, wie schnell die Gruppe zusammenfand“, sagt eine deutsche Teilnehmerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Als Verwalterin eines Familienvermögens hat auch sie so ihre Erfahrungen mit Banken gemacht. Vor kurzem sprach sie mit Beratern von zwölf Instituten in mehreren europäischen Städten, um Service und Konditionen zu vergleichen. Dabei stellte sie fest, dass ihre Bank doppelt so viel verlangte wie der günstigste Anbieter. Mit den Ergebnissen der Umfrage konfrontiert, bot die Bank an, den Preis zu halbieren. „Jetzt weiß ich nicht: Soll ich mich freuen, dass ich verglichen habe, oder soll ich mich ärgern, dass ich jahrelang zu viel bezahlt habe?“, fragt sich die Frau.

Erfahrungen wie die deutsche Investorin haben viele Reiche gemacht: Der Markt für Vermögensberatung ist für die Kunden so intransparent wie er für die Banken lukrativ ist. Das Geschäft mit den Reichen und Superreichen dieser Welt bringt den Geldhäusern enorme Zuwächse – und es ist längst nicht so riskant wie manches andere Geschäft, das ihnen gerade solche Probleme bereitet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was der Gründer mit der Gruppe bezweckt

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