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02.03.2008  | Aktualisiert 24.06.2008, 17:53 Uhr 

"Ne, den Ring nehmen wir erst gar nicht. Versteigern Sie ihn lieber bei Ebay", rät mir der freundliche Herr in dem Ankauf-Geschäft "Gold Silber Antik" gegenüber dem Bahnhof. "Bei uns täten Sie sich keinen Gefallen. Wir zahlen Ihnen höchstens 100 Euro für den Goldwert, aber im Internet finden Sie die Cartier-Liebhaber, die bereit sind 400 oder 500 Euro für ein gut erhaltenes Original zu zahlen". Später, im Büro, sehe ich: Der Mann hat Recht. Angebot und Nachfrage jederzeit, Preise zwischen 300 und 539 Euro. Danke für den Tipp! Nach meiner schönen, aber namenlosen Kette habe ich ihn lieber erst gar nicht mehr gefragt...3:0 für den Ehemann.

Ein paar Ecken weiter quetschen sich zwei kleine Läden "Goldankauf hier!" zwischen Dönerbuden und 1-Euro-Shops. Die Goldjungs scheinen sich einig. Beide erklären: Für den Ring gibt’s vielleicht ’nen Hunderter, für die Kette aber 200 beziehungsweise 220 Euro. Meinem entgeisterten "Mehr nicht?"-Blick begegnen sie routiniert: Nur der Goldgehalt zähle, alles werde eingeschmolzen – was ich bei dem Ring zu bezweifeln wage. Ihre Preisliste: 333er-Gold – bis zu 5 Euro je Gramm, 585er – bis zu 10 Euro, 750er – 15 Euro, basta. Die Kette ist schwer, der Ring leicht: Nach den beiden Goldbuden steht es 3:2, mein Vater holt auf.

Gleich gegenüber liegt ein licht und freundlich anmutendes Pfandhaus. Jetzt kann mich nichts mehr erschüttern, denke ich. Bis ich höre: "215 die Kette, 85 der Cartier-Ring". Nur über meine Leiche! 3:3 also, unentschieden. Finden sich Interessenten, reißt es der Name Cartier raus, ansonsten geht es nur ums pure Gold. Ich frage bei einer Schmuck-Historikerin nach, Ursula Butschal in München, ob es sich bei den ganz edlen Geschmeiden anders verhält: "Mit teurem Schmuck ist es nicht anders als mit Autos: Die Händlerspanne und die Mehrwertsteuer zahlt ihnen kein späterer Käufer je wieder zurück, wenn er nicht verliebt in das Objekt ist." Was ist denn gerade gefragt? "Das ist für einen Laien kaum erkennbar, dieser Markt ist gespalten wie bei Autos", sagt die Fachfrau. Immerhin: Winzige Golduhren aus den Fünfzigerjahren sind wieder im Kommen. Ich lerne: "Grundsätzlich gilt: Je madamiger der Schmuck, desto schwerer verkäuflich." Oh, hoffentlich gilt meiner später mal nicht als "madamig"...

Butschals Tipp an Weltenbummler: "Wir haben noch nie gefälschten arabischen Goldschmuck für Wertgutachten angeboten bekommen, aber jede Woche zweimal Fakes aus der Türkei." Der Verkauf über eine Schmuckauktion, rettet denn der den Wert einer Kostbarkeit? "Auch nicht automatisch", desillusioniert mich Markus Eisenbeis, Chef des renommierten Auktionshauses van Ham in Köln: "Ich muss oft trösten, denn zwischen dem Wert laut Gutachten und dem Verkaufspreis können gut 50 Prozent Unterschied liegen. Selbst bei teuren Stücken geht es oft nur um den Materialwert. Teilweise wird sogar weniger als der Goldpreis gezahlt, denn die Profis ziehen noch ihren Aufwand für Schmelze oder Umarbeitung ab." Ohnehin zahlt der Einlieferer etwa 15 Prozent des späteren Verkaufpreises an das Auktionshaus.

Während ich ins Grübeln komme, fällt mein Blick auf mein rechtes Handgelenk. Das schmückt seit zwei Wochen ein meerblaues Baumwollbändchen, verflochten mit bunten Perlen und winzigen Muscheln, auf Fuerteventura für 2,50 Euro gekauft. Meine kleine Tochter begehrt es sehnsüchtig und ich bin mir sicher: 3 Euro würde sie dafür aus ihrer Spardose fischen, mindestens. Schönheit und individueller Wert liegen eben im Auge der Betrachterin.

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