Behutsam öffnet die alte Dame ihre kleine Schatulle. "Was geben Sie mir für meine Münzen?" Ganß von Pro Aurum prüft die gut 33 Gramm schweren Krügerrand, rechnet zusammen: "Genau 6 550,50 Euro." Die Kundin ist zufrieden: "Ich verkaufe." Der Goldpreis jagt von Rekord zu Rekord – und trotzdem steigt sie aus? "Gerade deshalb. Wer weiß, ob ich so viel noch mal dafür bekomme", sagt die 73-Jährige, setzt ihr Hütchen auf und verlässt erhobenen Hauptes den Kassenraum.
"Auf einen Käufer kommen bei uns derzeit drei Verkäufer", sagt Ganß. Viele sehen nach fast drei Jahrzehnten ihre Einstandspreise wieder – zumindest nominal und in Dollar gerechnet. Wenn aber Kaufkraftverluste mit einkalkuliert werden, dann fehlen bis zum alten Goldpreis-Hoch von 1980 noch gut 1 000 Dollar. Doch solche Feinheiten interessieren nicht, jetzt wird verkauft – weg damit. Wie vor der Jahrtausendwende bei Technologiewerten sprangen auch in den Siebzigerjahren beim Gold viele Privatanleger zu spät auf den Zug. Erst heute kommen sie aus der Verlustzone – und steigen aus.
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Vor allem die Kreditexzesse der vergangenen Jahre haben den Goldpreis nach oben gebracht: Dank der lockeren Geldpolitik der Notenbanken stieg der Anteil der Kredite am Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA von 150 Prozent im Jahr 1969 auf aktuell 340 Prozent. Das Risikobewusstsein der Investoren schwand dahin. Sie konnten sich ja problemlos weiter verschulden und Zinsen auf bestehende Kredite durch neue Schulden bezahlen. Ernst wird es erst, wenn der monetäre Treibstoff knapp wird und Schuldner nicht mehr in der Lage sind, ihre Schulden zu bedienen. Aus dem Desaster der US-Immobilien drohte eine deflationäre Abwärtsspirale zu wachsen, die auf andere Anlagemärkte und die Realwirtschaft übergreift.
2002, als Ben Bernanke noch freier sagen konnte, was er dachte, hielt der heutige US-Notenbankchef vor dem National Economics Club in Washington eine Rede, die sich im Nachhinein liest wie eine Empfehlung zur Goldanlage: "Wie Gold haben US-Dollar nur in dem Maße einen Wert, wie sie in ihrem Angebot strikt limitiert sind. Aber die US-Regierung hat eine Technik, nämlich die Druckerpresse, was es ihr ermöglicht, so viele US-Dollar zu produzieren, wie sie wünscht, und dies praktisch zu Nullkosten." In einem Papiergeldsystem ohne Edelmetalldeckung könne die Regierung jederzeit die Ausgaben erhöhen und somit eine positive Inflation schaffen.
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