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04.02.2008 
Jim Rogers

Rohstoff-Guru liest Bankern die Leviten

von Ingo Narat und Udo Rettberg

„Die wissen nicht, was sie tun.“ Der Rohstoff-Investor James B. Rogers interpretiert die hastigen Zinssenkungen von Ben Bernanke als Akt der Hilflosigkeit und liest Investmenthäusern und Notenbankern die Leviten. Von Aktien und Anleihen hält er wenig – der Investmentprofi bleibt seiner seit Jahren vollzogenen Langfristidee treu.

Star-Investor James B. Rogers glaubt, dass die Rohstoff-Hausse anhält. Foto: Archiv

Star-Investor James B. Rogers glaubt, dass die Rohstoff-Hausse anhält. Foto: Archiv

FRANKFURT. Er ist müde, als er abends in den flauschigen Sessel des Frankfurter Hofs sinkt. Aber er ist sofort hellwach, wenn er über sein Thema spricht: Geld anlegen. James B. Rogers, der sich Jim rufen lässt, hat sich als glänzender Rohstoff-Investor einen Namen gemacht. Nun ist er in Deutschland – und verkündete auf einer Rohstoffkonferenz am Wochenende in Frankfurt, dass die Hausse anhält – die Rohstoff-Hausse wohlgemerkt. Und auf die asiatischen Börsen ist Rogers noch gut zu sprechen. Schließlich hat er sein Haus in New York für 15 Millionen Dollar verkauft und ist nach Singapur gezogen. Seine vierjährige Tochter kann dank der chinesischen Kinderfrau schon fast perfekt Mandarin. So stellt sich ein Investmentstar auf die aufstrebende Macht des 21. Jahrhunderts ein.

Wenn Rogers allerdings über den Rest der Welt und den Rest der Anlagewelt erzählt, kann es einem angst und bange werden: Rezession, Kreditkrise, Börsenbaisse, versagende Banker, unfähige Notenbanker.

Hören wir Jim Rogers also zu – der erst im November wieder den richtigen Riecher bewiesen hatte, als er massiv auf fallende Kurse der US-Investmentbanken setzte: „Gerade beginnt die vielleicht größte Kreditblase aller Zeiten zu platzen; das Saubermachen wird lange dauern“, sagt der 65-Jährige, der da so amerikanisch lässig in Jeans und rosa Pullover sitzt. Seiner Ansicht nach stecken die USA bereits in einer Rezession. Die Notenbank (Fed) bekämpft den Abschwung mit rasanten Zinssenkungen. Das regt Rogers auf: „Ben Bernanke sollte die Inflation bekämpfen, das ist seine Aufgabe. Die Fed hat kein Mandat, der Finanzbranche, den Brokern und Bankern zu helfen.“ Von der Notenbank und deren Chef hält er wenig. „Die wissen nicht, was sie tun. Bernanke ist ein Akademiker.“

Die hastigen Zinssenkungen interpretiert er als Akt der Hilflosigkeit: „Die Fed ist in Panik. Irgendwann könnte sie sogar die Kontrolle verlieren.“ Im Rogers-Szenario drücken die steil fallenden Zinsen auch den Dollar weiter. Das dürfte an einem kritischen Punkt die Auslandsinvestoren zur Flucht aus Dollaranlagen veranlassen. Die langfristigen Zinsen würden dann eine steile Klettertour nach oben beginnen – eine äußerst unangenehme und gefährliche Lage. Die fast täglichen Hiobsbotschaften über neue Abschreibungen der Großbanken verfolgt er aufmerksam. „Die Bilanzen der Investmentbanken sind ein Desaster, praktisch sind die pleite“, findet Rogers.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Investmentprofi hält Langfriststrategie die Stange.

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