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HANDELSBLATT, Freitag, 19. Oktober 2007, 07:07 Uhr
BULLE & BÄR

Der Kampf um den Dollar

Von Ingo Narat

Die US-Streitkräfte am Persischen Golf tragen auch zur Sicherung der eigenen Währung bei. Ohne den erwünschten Schutz der USA hätte manch ein Golfland seine Dollarbestände bereits stärker abgebaut. Auf lange Sicht ist eine breitere Währungsstreuung der globalen Devisenreserven aber unvermeidlich.


FRANKFURT.Die amerikanischen Kriegsschiffe am Persischen Golf verteidigen den Dollar – so lautet eine gewagte These. Und doch ist sie vielleicht nicht weit von der Wirklichkeit entfernt. Obwohl Skeptiker spontan den Misserfolg der GIs belächeln mögen: Gerade hat der Dollar gegenüber den restlichen Währungen die historische Unterstützungslinie nach unten durchstoßen. Charttechnikern zufolge, die auf Kursbilder schauen, gibt es jetzt kein Halten mehr auf dem Weg gen Süden. Durch die Euro-Brille sieht man den gleichen Verlauf, denn spiegelbildlich zum schwachen Dollar klettert die Gemeinschaftswährung munter über 1,43 Dollar.

Die Wahrheit aber ist: Ohne amerikanische Flugzeugträger in der Krisenregion würde es wahrscheinlich noch schlimmer aussehen. Dann hätten die reichen Ölstaaten längst größere Teile ihrer Dollar-Devisenreserven durch andere Währungen ersetzt. Das wollen sie. Aber sie schätzen auch den Schutz von Uncle Sam. Also ist Stillhalten und Rücksichtnahme angesagt. Ganz nebenbei regt eine so massive Militärpräsenz auch nicht zur Aufmüpfigkeit gegen US-Interessen an.

Doch unter der Oberfläche brodelt es. Katar ist das mutigste Golfland: Es hat die Dollarbestände in seinem 50 Milliarden Dollar schweren Staatsfonds mehr als halbiert. Saudi-Arabien geht mehr und mehr auf Distanz. Der Wüstenstaat irritierte die Finanzmärkte, als er der jüngsten Zinssenkung der amerikanischen Notenbank nicht folgte – was angesichts der Bindung der heimischen Währung an den Dollar normal gewesen wäre. Die Kuwaiter haben diese Bindung schon abgestreift.

Auf lange Sicht ist eine breitere Währungsstreuung der globalen Devisenreserven unvermeidlich. Am Golf und in Asien geht es um satte dreieinhalb Billionen Dollar. Der weitaus größte Teil der Mittel steckt in Greenback-Anlagen. Ein Drittel des Billionenkuchens beanspruchen die Chinesen. Sie haben eine breitere Verteilung des Geldes bereits annonciert. Kleinere Länder steuern den gleichen Kurs. Katar schuf Tatsachen, Vietnam will seine Bestände an Dollar-Bonds ebenfalls zurückfahren.

Leider können die GIs nicht überall sein, mögen verbliebene Dollar-Fans denken. Vor allem können die Soldaten ihre Heimatwährung nicht vor den Küsten Chinas schützen. Das wäre den Einheimischen kaum recht.

Gute Stimmung verbreiten allerdings auch die US-Freunde in Japan nicht. Gestern verpasste der frühere japanische Vize-Finanzminister Eisuke Sakakibara dem Partner einen Denkzettel. Der als „Mr. Yen“ bekannte Politiker sprach wegen trüber Konjunkturaussichten in der Neuen Welt von einem denkbaren massiven Dollarverfall im nächsten Jahr.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten deuten tatsächlich auf eine schwächere Konjunktur hin. Notenbankchef Ben Bernanke wird in diesem Fall die Zinsen weiter senken. Das müsste den Dollar belasten. Auf heimischem Boden können auch GIs nicht helfen, die werden anderswo gebraucht.


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