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HANDELSBLATT, Dienstag, 6. Mai 2008, 08:55 Uhr
Bulle & Bär

Investmentfonds: Eine besondere Einladung für Investoren

Von Ingo Narat

Nach vielen Monaten der Hiobsbotschaften ist an den Finanzmärkten erst einmal Ruhe eingekehrt – oberflächlich betrachtet. Fast scheint es, als hätte die Beinahepleite der Investmentbank Bear Stearns ein Signal für eine zaghafte Stimmungsbesserung gegeben. Die Anlagebranche hat die Ereignisse der vergangenen Monate jedenfalls zu einer besonderen Einladung an die Investoren genutzt.


FRANKFURT. Viele vor sechs oder sieben Jahren geschlossene Aktienfonds haben ihre Türen für Anleger wieder weit geöffnet. Es geht dabei nicht um deutsche Häuser, sondern um international aktive Gesellschaften, vor allem US-Adressen. In der Liste tauchen Namen wie Fidelity, Blackrock oder JP Morgan auf. Die Motive sind unterschiedlich. Manche Häuser wollen etwa die stetigen Mittelabflüsse stoppen. Interessant ist allerdings, dass auch eine Reihe von Value-Investoren mit guter Leistungsbilanz darunter sind.

Diese Fondsmanager hatten in den vergangenen Jahren kaum noch unterbewertete Titel gefunden und daher die Türen für neue Anleger geschlossen. Anderenfalls hätten sie neues Kapital parken oder – ihrer Meinung nach – zu teure Papiere kaufen müssen. Das wiederum wäre dem Anspruch der Fonds nicht gerecht geworden. Mit der Kreditkrise und den darauf folgenden Kursstürzen der vergangenen Monate hat sich die Lage geändert.

So hat etwa das kleine Value-Haus Tweedy Browne seine Fonds wieder geöffnet. Das Urteil der Manager: Die Krise ist nicht das Ende der Welt; eine Neuauflage der Depression wie in den 30er-Jahren wird es nicht geben. Aber viele vorher zu teure Aktien sind laut Einschätzung der langfristig agierenden Value-Spezialisten nach den Kursrückgängen wieder interessanter geworden. Tweedy hat beispielsweise in Japan Aktien von Canon und Honda gekauft, sich auf dem Heimatmarkt sogar mit Papieren von American Express eingedeckt.

Auch andere Analysten werden mutiger. Die Hoffnungsfrohen setzen auf den Moment, an dem die Anleger mit ihren immensen Cashbeständen, die sie in Termingeld oder Geldmarktfonds geparkt haben, die Aktienmärkte fluten. In dem Positivszenario wäre tatsächlich eine Börsenrally denkbar.

Die entscheidende Frage ist: Sind alle schlechten Nachrichten schon in den Kursen enthalten? Anders ausgedrückt: Haben die Notierungen einen Boden gefunden? An den Kern-Problemmärkten ist keine Entspannung in Sicht. Gemessen an den ungebremst fallenden US-Immobilienpreisen, der steigenden Zahl amerikanischer Häuserpleiten und der ebenso anschwellenden Inflation könnte die Antwort auf beide Fragen lauten: Nein. In diesem Fall dürfte das Schmerzgefühl bald wieder einsetzen. narat@handelsblatt.com


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Torsten Riecke

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