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HANDELSBLATT, Freitag, 9. Mai 2008, 07:03 Uhr
Bulle & Bär

Börsengänge: Warten auf bessere Zeiten

Von Christian Schnell

Irgendetwas scheint schief zu laufen am deutschen IPO-Markt. Die Börsenkandidaten bisher hören auf in der Finanzszene völlig unbekannte Namen wie Ropal, Shigo Asia oder Devil. Sie entwickeln Verfahren zum Verchromen von Autoteilen, stellen Tagesdecken her oder handeln mit Computerteilen.


FRANKFURT. Das Emissionsvolumen bewegt sich dabei in Dimensionen, dass Investoren von durchschnittlicher Größe nicht einmal die Tür öffnen. Und dass sich Privatanleger nicht angesprochen fühlen, beruht auf Gegenseitigkeit. Schließlich sollen die gar nicht angesprochen werden.

Dagegen geht jenseits der Grenze in Tschechien gerade der größte Börsengang des Landes über die Bühne. New World Resources (NWR), der größte Anbieter von Kokskohle im Land, hat bei seiner Erstnotiz an den Börsenplätzen Prag, London und Warschau dieser Tage umgerechnet rund 1,4 Mrd. Euro eingesammelt. Das alles unter großem Interesse der privaten und institutionellen Anlegerschaft, so dass die Aktien am oberen Ende der Preisspanne verkauft werden konnten.

Zum Vergleich: Etwas weniger, nämlich 1,16 Mrd. Euro, hat der letzte große deutsche Börsengang im November eingespielt. Der Hamburger Hafenbetreiber galt dem heimischen IPO-Markt damals zugleich als Hoffnungsträger und Türöffner für bessere Zeiten. Beim EDV-Händler Devil, dem bisher ersten Kandidaten, der sich überhaupt ins Premiumsegment Prime Standard wagt, gehen die Diskussionen indes darum, ob alles zusammen 15 oder 50 Mill. Euro wert sein soll.

Die Aussage ist eindeutig: Emissionen wie diese bringen den deutschen IPO-Markt nicht weiter. Das liegt nicht an den Kleinunternehmen, denen ihr Interesse an der Börse wahrhaft nicht zum Vorwurf gemacht werden kann. Das Manko sind viel mehr die vielen weitaus größeren Börsenkandidaten, die es nach Aussagen von Investmentbankern gibt und die eigentlich nur ihre fertigen Pläne an den Start bringen müssten. Infrastrukturthemen wie beim Hamburger Hafen sollten dabei eigentlich im Trend sein. Die beiden großen Hoffnungsträger für dieses Jahr, der Mischkonzern Evonik und die Deutsche Bahn, haben ihre Börsenpläne jedoch entweder verschoben oder verkleinert. Andere bekannte Namen wie Talanx, die HSH Nordbank oder der Gabelstapler-Hersteller Kion haben das Unternehmen Börsengang entweder ebenfalls weit weg geschoben oder halten sich mit Aussagen bedeckt.

Der Grund ist jedesmal der Gleiche: Weil die Auswirkungen der Finanzkrise vielen immer noch als unwägbares Risiko bei Preisbildung und Anlegerinteresse gilt, warten sie auf bessere Zeiten. Zudem sind die meisten Börsenaspiranten durch die hohen Preise, die ihre Vorgänger in der ersten Jahreshälfte 2007 erzielt haben, verwöhnt und wollen sich nur schwer an die neuen (preislichen) Realitäten gewöhnen. Dabei wäre aktuell wohl gar keine so schlechte Zeit, um an die Börse zu gehen. Hier ist inzwischen sogar Tschechien Vorbild.


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