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29.01.2008 
Spezialisierte Studiengänge

Von der Uni in die Immobilienbranche

von Sandra Middendorf

Noch vor wenigen Jahren führte der Weg in die Immobilienbranche über ein BWL-Studium und einen sich anschließenden Masterabschluss. Heute bieten immer mehr Fachhochschulen eigenständige Studiengänge an, die den Absolventen den direkten Einstieg in diese Berufssparte ermöglichen soll.

BERLIN. „Die Immobilienbranche hat sich in den vergangenen 15 Jahren stark professionalisiert“, sagt Monika Dobberstein, Prokuristin bei der Makler- und Beratungsfirma Jones Lang Lasalle und bei der Gesellschaft für Immobilienforschung (Gif) verantwortlich für die Hochschulkontakte. Was im angloamerikanischen Raum bereits auf eine lange Tradition baut, hat in Deutschland erst Anfang der 1990er-Jahre begonnen, als die Universitäten nach und nach anfingen, spezielle, auf die Immobilienbranche zugeschnittene Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen. Zunächst vor allem mit Spezialisierungsmöglichkeiten innerhalb wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge und einem wachsenden Weiterbildungsangebot.

Heute bieten zahlreiche Fachhochschulen, Berufsakademien oder Universitäten die Möglichkeiten, sich gleich nach dem Abitur für die Branche zu entscheiden. Der Studienführer „Studiengänge mit immobilienökonomischen Inhalten“ der Gif listet allein 20 Bachelorstudiengänge auf, Anspruch auf Vollständigkeit erhebt er dabei nicht. „Der Markt ist gesättigt“, sagt Heribert Pauk, Professor für Immobilienbetriebslehre an der Hochschule Anhalt, zumindest wenn man die Angebote an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien zusammenrechnet.

Die Hochschule Anhalt hat 1995 den Studiengang Immobilienwirtschaft – Real Estate eingeführt. „Zuvor gab es nur eine Spezialisierungsmöglichkeit innerhalb unseres BWL-Studiums“, sagt Pauk. Aufgrund der hohen Nachfrage aber habe man sich entschlossen, ein eigenes Studium zu konzipieren. In sechs Semestern vermittelt der Studiengang zu rund 60 Prozent wirtschaftliches Wissen, der Rest setzt sich aus technischen und juristischen Inhalten zusammen.

Der hohe Anteil wirtschaftswissenschaftlichen Lehrstoffs erklärt sich durch die Geschichte des Studiengangs und aus der Tatsache, dass er immer noch am Fachbereich Wirtschaft angesiedelt ist. Zwischenzeitlich hatte die Uni den BWL–Anteil auf ein Drittel reduziert, das aber rasch wieder eingestellt. „Wir haben gemerkt, dass die Studenten dann zwar von allem ein bisschen gelernt haben, aber nichts richtig“, sagt Pauk. Viele der Studenten arbeiteten später im Bereich Verwaltung oder Vermarktung von Immobilien, und da sei ökonomisches Know-how gefragt.

„85 Prozent der Fakultäten, die immobilienwirtschaftliche Studiengänge anbieten, kommen aus der wirtschaftlichen Richtung“, sagt Thomas Reichart, Dekan des Fachbereichs Bauwesen der Hochschule Zittau/Görlitz. Nicht so der Studiengang Wohnungs- und Immobilienwirtschaft an seiner Fakultät. Der Schwerpunkt liegt mit rund 45 Prozent auf technischem Wissen. Nur ein Viertel der Inhalte sind juristischer und etwa 30 Prozent wirtschaftlicher Natur. „Unsere Absolventen sind zum Beispiel für mittelgroße Maklerbüros sehr interessant“, sagt Reichart, „aber sie eignen sich auch, um zwischen Architekten und Bauingenieuren zu dolmetschen.“ Dafür brauchten sie das technische Wissen. Als zweite Möglichkeit der Vorbereitung bieten sowohl Zittau/Görlitz als auch die Hochschule Anhalt den Studiengang Facility Management an.

Die meisten grundständigen Studiengänge mit sofortiger Spezialisierung auf die Immobilienbranche werden von Fachhochschulen angeboten. „Die FHs sind seit jeher praxisorientierter“, sagt Dobberstein. Wolle man eine stärker wissenschaftliche Ausbildung, sei es nach wie vor sinnvoll, zunächst an einer Universität einen Bachelor in Architektur oder BWL zu machen und erst anschließend einen immobilienwirtschaftlichen Mastertitel zu erwerben.

Für welche Möglichkeit man sich auch entscheidet, Dobberstein rät grundsätzlich zur Vorsicht bei der Auswahl des Studiengangs. In den vergangenen Jahren seien eine Menge Studiengänge entstanden, sagt sie, aber nicht alle seien qualitativ gleich gut. Interessierte sollten darauf achten, ob die Universität oder Hochschule in der Nähe eines für die Immobilienbranche wichtigen Standortes liege und wie die Ressourcen des Fachbereiches seien. „Es ist wichtig, dass es genug und gute Lehrkräfte an der Universität gibt und diese nicht ausschließlich von außen eingekauft werden“, sagt Dobberstein. Unter den neuen Wettbewerbsbedingungen werden die Qualitätsunterschiede zwischen den Universitäten immer größer. Für die Berufschancen der Absolventen werde es daher immer wichtiger, an der „richtigen“ Universität studiert zu haben.


Serie

Studienfach:
Immobilienwirtschaft. Die Immobilienbranche boomt. Die Nachfrage nach qualifiziertem Nachwuchs ist größer als das Angebot. Das Handelsblatt stellt die wichtigsten Studiengänge und Fortbildungseinrichtungen in Deutschland vor.

18.1. Uni Leipzig
Wirtschaft, Technik und Recht für die Immobilienbranche

25.1. Spezialist nach der Schule
Erstudiengänge in Deutschland.

1.2. Akademie der Immobilienwirtschaft Stuttgart:
Qualität mit Tradition

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