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HANDELSBLATT, Mittwoch, 7. Mai 2008, 11:46 Uhr
Nachhaltiges Bauen

Investoren und Unternehmen auf grüner Welle

Von Susanne Bergius

Wer nicht nachhaltig baut, muss damit rechnen, dass seine Immobilie schnell an Wert verliert. Davon ist Louis Armstrong, Vorstandschef des Immobilienfachverbandes Royal Institution of Chartered Surveyors überzeugt. Unternehmen und Kapitalmarkt beschäftigen sich zunehmend mit Nachhaltigkeitskriterien.


BERLIN. Seit 2005 wirbt Armstrong unter den 140 000 Mitgliedern seiner Organisation in 120 Ländern dafür, dass für die Immobilienwirtschaft ökologische und soziale Standards unabdingbar sind. Hartnäckig wehrt er sich auch gegen die Vorstellung, dass sich Ökologie und Ökonomie widersprechen.Vielmehr ist er überzeugt, dass nich-nachhaltige Immobilieninvestments zu Verlusten bein Finanzperformance und Wertbeständigkeite führen werden. "Investoren und Vermögensverwalter, die das missachten, werden künftig dafür verantwortlich gemacht", betont Armstrong.

Noch fehlten leider Daten, um zu zeigen, dass der Wert steige je "grüner" ein Gebäude sei, sagt Armstrong. Die Royal Institution of Chartered Surveyors (Rics) will die Datenlage verbessern und sucht weltweit nach Ideen, um Nachahmer zu finden und die Aus- und Weiterbildung im Fach Nachhaltigkeit zu forcieren. In Großbritannien ist Nachhaltigkeit schon Standard aller Rics-Kurse. Seit Januar müssen auch alle an 20 deutschen Universitäten nach Rics-Standards durchgeführten Kurse das Thema abdecken."Wir wollen erreichen, dass Eigentümer und Nutzer, Investoren, Architekten und Konstrukteure sowie Projektentwickler nachhaltige Prinzipien beachten", sagt Armstrong. Sie entsprächen den Bedürfnissen der Nutzer nach gesunden, angenehmen Lebensbedingungen, sie senkten ökologische Auswirkungen und sie brächten akzeptable Renditen.

Die EU-Kommission erwägt unterdessen weitere Regeln für Gebäude. Zurzeit spielt die Energiepreisentwicklung der Nachhaltigkeits-Bewegung in die Karten. "Die Energiepreise werden schneller nachhaltiges Bauen bewirken als Reglementierungen", sagt Nils Noack vom Gutachterbüro Environmental Rescources Management. Ingo Beenen, Leiter Strategieberatung bei Jones Lang Lasalle (JLL), betont hingegen: "Wer nur über Energiekosten redet, wird der Brisanz des Themas nicht gerecht."

Eine Umfrage der britischen Analysehauses Economist Intelligence Unit im Februar hat ergeben, dass Unternehmen und Kapitalmarkt sich zunehmend mit Nachhaltigkeitskriterien beschäftigen. "Immer mehr Firmenkunden fragen nach nachhaltigen Kennzahlen und Zertifizierung", beobachtet JLL-Experte Beenen. Die Unternehmen suchen Kostenvorteile, erhoffen sich zufriedenere Mitarbeiter und erwarten ein besseres Image. Eines der jüngsten Beispiele für den Bewusstseinswandel: Die Citigroup investiere zehn Mrd. Dollar, um den gesamten "ökologischen Fußabdruck" im Gebäudeportfolio zu senken. Das neue Rechenzentrum in Frankfurt werde 30 Prozent weniger Energie benötigen, sagt Beenen.

Bernhard Hansen, Geschäftsführer der Vivico Real Estate in Frankfurt, stellt fest, dass neben den Betriebskosten auch andere Nachhaltigkeitsaspekte für die Gebäude-Vermarktung wichtig werden. Als er vor eineinhalb Jahren in München dem US-Konzerns Bristol Meyer Squibb seine Vorstellungen vom neuen deutschen Hauptsitz vorstellte, war er erstaunt über Anwesenheit und Einfluss des Nachhaltigkeitsexperten von Bristol Meyer Squibb. Dessen Kriterienliste für das Gebäude im Arnulfpark war lang.

"Da Unternehmen die deutschen Immobilienmärkte prägen, werden nachhaltigkeitszertifizierte Immobilien bereits kurzfristig ein geringeres Leerstandsrisiko aufweisen", erwartet Beenen. Das werde die Wertentwicklung beeinflussen und konventionelle Gebäude mittelfristig zu Problemimmobilien machen. Zudem bilde sich auf dem Kapitalmarkt eine entsprechende Nachfrage. "In Großbritannien gibt es Investoren, wie das Kuwait Investment Office, die nur noch Immobilien mit Höchstratings für Nachhaltigkeit erwerben."

In Deutschland überraschte jüngst die Versicherungskammer Bayern manche Partner mit strengsten Nachhaltigkeitskriterien. Sie entsprächen in etwa denen des Baus von Kindergärten, erläutert Portfoliomanager Anton Merk. So muss die Baywobau nach dem geschlossenen Kaufvertrag beim Bau eines Wohn- und Einzelhandelsquartiers in München unter anderem für weitgehend schadstofffreies Baumaterial sorgen. Die um nur 1,3 Prozent höheren Kosten kalkulierte die Kammer ein, denn, so Merk: "Von höherer Wohnqualität, stärkerer Dämmung und niedrigeren Betriebskosten versprechen wir uns bessere Vermietbarkeit, weniger Leerstand und höhere Mieten." Der neue Hauptsitz der Versicherungskammer im Lenné Karree wird auch nach diesen Kriterien saniert.

Ökologischer Fußabdruck

Die 160 Millionen Gebäude in der EU verschlingen 50 Prozent des Energieverbrauchs und verursachten 44 Prozent der Emission sowie 25 Prozent allen Mülls.

Kriterien für Nachhaltigkeit

Nutzung erneuerbarer Energien und höchste Energieeffizienz, ökologi-sche Baustoffe, Schadstofffreiheit, gesundes Raumklima, viel Tageslicht, modulare Grundrissgestaltung, Barrierefreiheit, Familienfreundlichkeit, gute Lage.

Höhere Mieten:

Gewerbliche Mieter sind bereit, für nachhaltige Büro-immobilien bei niedrigeren Betriebskosten höhere Mieten zu zahlen. Das ergab eine im Januar veröffentlichte Umfrage von Jones Lang Lasalle. Auch Immobilienverantwortliche von Großunternehmen seien dazu bereit. Dadurch sinke das Investor-Nutzer-Dilemma, was Immobilienberater beachten sollten.


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