In Deutschland sehen Experten die Lage entspannter. Einen irrationalen Preisanstieg habe es erst gar nicht gegeben, sagt Knobloch. Der maßgebliche Immobilienindex für deutsche Gewerbe- und Wohnimmobilien, der Bulwien-Index, zeigt, dass sich die Immobilienpreise in Deutschland seit zehn Jahren kaum verändert haben. Außerdem gebe es keinen Überhang bei Wohnimmobilien, sagt Knobloch. Für das Jahr 2007 weist der Bulwien-Index bei gewerblichen Immobilien sogar wieder einen Anstieg von knapp drei Prozent aus, während sich die Hauspreise mit plus 0,7 Prozent kaum bewegt haben.
"Der deutsche Markt kann sich natürlich nicht komplett von der globalen Stimmung abkoppeln", sagt Analyst Simon. Doch entwickele sich das Mietniveau bei Gewerbe- und Wohnimmobilien stabiler als in anderen Ländern. Außerdem sei der deutsche Markt diversifizierter als andere in Europa, sagt er.
Als Zeichen für die moderaten Niveaus am deutschen Immobilienmarkt wertet Sven Hintz, -Erik Immobilienanalyst bei der Berenberg Bank, dass internationale Investoren zunehmend nach Deutschland kämen und Schnäppchen suchten. Der Award-Gewinner rechnet damit, dass sich die deutschen Preise 2008 ähnlich wenig bewegen wie 2007.
So denkt auch Knobloch: Umsätze mit Immobilien gebe es in Deutschland derzeit in allen Sparten nur wenig. "Verkäufer versuchen, ihre Preise der vergangenen sechs bis neun Monate durchzusetzen", sagt er. Man dürfe keine Steigerungsraten erwarten, doch gute Immobilien ließen sich selbstverständlich verkaufen. "Was wenig läuft, sind Durchschnittsprodukte", sagt er. Für die Immobilienfinanzierer folge daraus, dass die Qualität der Objekte, die finanziert werden, gestiegen sei. Völlig zum Stillstand gekommen sei krisenbedingt die Refinanzierung von Immobilienkrediten. Seit einem knappen Dreivierteljahr habe es in Europa keine neuen mit Hypothekenkrediten unterlegten verbrieften Wertpapiere (CMBS) mehr gegeben.
Auch Immobilienaktien wie Gagfah sind eingebrochen. Die 55 Titel am deutschen Immobilienaktienmarkt verloren 2007 unter den Sorgen über schlechte Refinanzierungsbedingungen und Abwertungen der Immobilienbestände im Durchschnitt gut 30 Prozent an Wert. In diesem Jahr sind die Kurse bereits um ein weiteres Viertel gesackt.
Für die Dividendenwerte sprechen nach Ansicht von Simon, dass "Immobilienaktien relativ stabile Cash-Flows erzielen." Kurspotenzial sieht er für die Titel zwar aktuell nicht. Doch professionelle Investoren interessierten sich zunehmend für europäische Immobilienaktien. "2007 war auch für die Immobilienanalysten kein einfaches Jahr. Viele waren sicherlich zu euphorisch, haben zu stark auf kurzfristige Trends geschaut", sagt Knobloch. In dem Jahr dürften sich die wirklich guten Analysten besonders profiliert haben: "Wer in einer derart schwierigen Marktphase vor allem mit Aktienempfehlungen richtig lag, hat bewiesen, dass er diesen Markt versteht."
