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HANDELSBLATT, Donnerstag, 29. November 2007, 19:43 Uhr
Ruhestand solide finanziert

Finanzen strategisch planen

Von Martin Gerth, Wirtschaftswoche

Der Generation 50+ bleibt bis zum Ruhestand nur wenig Zeit fürs Sparen. Wie sich das vorhandene Vermögen optimal fürs Alter einsetzen lässt.



Die finanzielle Absicherung des Ruhestands muss gut geplant werden. Foto: Archiv
Die finanzielle Absicherung des Ruhestands muss gut geplant werden. Foto: Archiv

Mit 50 Jahren sind Fernsehzuschauer tot – zumindest für die Werbeindustrie. Allein der Marktanteil in der werberelevanten Altersgruppe zwischen 20 und 49 Jahren entscheidet. Da können noch so viele Grauhaarige vor dem TV hocken, wenn es an jungen Zuschauern mangelt, wird die Sendung eingestellt. Obwohl die 55- bis 65-Jährigen mit durchschnittlich 58 600 Euro über 3,2-mal mehr Geldvermögen verfügen als die 25- bis 35-Jährigen in Deutschland, spielen sie für die Einschaltquoten keine Rolle.

Wenn sie schon nicht das Fernsehprogramm bestimmen dürfen, so können die so genannten Best Ager zumindest über ihr Erspartes fürs Alter entscheiden. Aufgewachsen in den Wirtschaftswunderjahren Deutschlands, haben die 55- bis 65-Jährigen pro Kopf ein beträchtliches Vermögen angehäuft. Ein Großteil davon steckt in Immobilien (153 000 Euro), Lebensversicherungen (22 200 Euro) sowie Wertpapierdepots, Sparguthaben und Girokonten (34 000 Euro).


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Wo Geld ist, ist auch die Verlockung groß, es auch auszugeben – ohne lange nachzudenken. Schließlich hat man mehr als 30 Jahre für seinen Wohlstand geschuftet. Nur: Wie lange wird es reichen, wenn man noch 20, 25 oder mehr Jahre vor sich hat? Ohne Vorsorgeplanung hält nur die gesetzliche Rente lebenslang – und die ist schon längst kein sanftes Ruhekissen mehr.

Rentner, die in fünf Jahren in den Ruhestand gehen, können laut Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung nur noch mit 48,6 Prozent ihres Bruttoeinkommens rechnen. Weitere fünf Jahre später, also 2017, werden es nur noch 47,0 Prozent sein. Die Quoten gelten aber nur für den so genannten Standardrentner mit Durchschnittseinkommen und 45 Beitragsjahren. Mit den realen Erwerbsbiografien hat das wenig zu tun. Schon von 2012 an steigt das Rentenalter sukzessive bis 2029 auf 67 Jahre. Wer früher gehen will, büßt bis zu 14,4 Prozent seiner Rente ein.

Wer glaubt, er könne diesen Aderlass verkraften, weil im Alter weniger Geld notwendig sei, der irrt. Allein wegen der steigenden Gesundheitskosten wird der Finanzbedarf gegenüber dem Berufsleben kaum abnehmen. Das gilt vor allem für gut verdienende Arbeitnehmer und Selbstständige, die privat krankenversichert sind. So zahlt ein 65-Jähriger nicht selten eine doppelt so hohe Prämie wie ein 35-Jähriger. Zudem wachsen die Kosten für Pflege. So kassiert die gesetzliche Pflegeversicherung von 2008 an von Rentnern einen um 0,25 Prozentpunkte höheren Beitrag. Auch die Prämien der privaten Pflegeversicherungen sind in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen.

Da wäre es fahrlässig, den Finanzbedarf im Alter zu unterschätzen. Experten wie die Düsseldorfer Finanzberaterin Bärbel Amels raten, die Alterseinkünfte, gemessen am letzten Nettoeinkommen, nicht niedriger als 100 Prozent anzusetzen. "Es ließe sich auch mit weniger planen, aber wer will schon, wenn er gesundheitlich fit ist und ausreichend Zeit hat, seinen Lebensabend nur vor dem Fernseher verbringen."

Da Deutschlands Best Ager meist schon über Vermögen verfügen, werden sie ihre Freizeit als Rentner nicht vor der Glotze fristen müssen – wenn sie ihre Vorsorge intelligent managen.



Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie die Planung aussehen kann


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