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04.05.2008 
Sechs Fragen zu europäischen Kapitalanlagen an: Gerd Bennewirtz

„Flaggschiffe gehen nicht unter“

von Anke Rezmer

Gerd Bennewirtz rät Anlegern trotz der Finanzkrise bereits wieder in Aktienwerte zu investieren. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt der Geschäftsführer des Fondsvertriebs SJB Fondsskyline außerdem, warum Investoren ihr Kapital in Aktien aus Europa, Großbritannien, Japan und den USA anlegen sollten und was die Vorteile des Fidelity European Growth Fund sind.

Was spricht für eine Geldanlage in europäische Aktien?

Europa ist für einen Anleger neben den USA, UK und Japan einer der wichtigsten Kernmärkte. Unserer Ansicht nach sollte ein Investor jeweils ein Viertel des Aktienportfolios in diesen Märkten anlegen. Aktuell sind Aktien dieser Regionen günstig zu bekommen.

Sollten Investoren mit Blick auf die Finanzkrise denn schon wieder einsteigen?

Für einen Investor, der gegen den Trend - also antizyklisch - handelt, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um sukzessive wieder Positionen in den Aktienmärkten aufzubauen. Europäische Aktien sehen nach gängigen Bewertungskennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) mit durchschnittlich elf preiswert aus.

Sind die Belastungen der Finanzkrise zu vernachlässigen?

Die Gewinnerwartungen europäischer Firmen mit Ausnahme der Finanztitel sind relativ stabil. In Schlüsselbranchen wie Maschinenbau, Chemie oder Gesundheit kalkulieren die Unternehmen nach wie vor mit zweistellig wachsenden Gewinnen. Allerdings sollte man die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Finanzkrise im Blick behalten. Es macht - auch wegen der geplanten Abgeltungsteuer - mehr denn je Sinn, sich längerfristige Anlageziele zu setzen.

Was spricht für den Fidelity European Growth Fund ?

Fondsmanager Alexander Scurlock investiert gegen den Trend, um Marktverzerrungen auszunutzen. Er ist ein echter Stockpicker, sucht also konsequent nach aussichtsreichen Aktien. Uns gefällt aktuell, dass er etwa den gefallenen britischen Markt mit rund einem Viertel des Fondsvermögens recht stark gewichtet. Auch das starke Gewicht deutscher Aktien halten wir für spannend.

Was bietet ein Flaggschiff-Fonds wie der bekannte Europa-Aktienfonds?

Flaggschiffe gehen so gut wie nie unter. Das Prestige der Fondsanbieter hängt davon ab. Selbst wenn einer dieser Riesen ins Schlingern gerät, setzen die Fondshäuser alles daran, um ihn wieder auf Kurs zu trimmen. An das Steuer solcher Vorzeigeprodukte lassen die Gesellschaften nur erfahrene Fondsmanager. Das zeigt auch das Beispiel Fidelity European Growth Fund: Nach einer Schwächephase im Jahr 2006 übernahm Scurlock das Ruder, der sich in seinen damals 13 Jahren bei Fidelity bereits einen Namen gemacht hatte.

Macht das Volumen des Fonds Probleme?

Der Fonds ist mit seinen 14 Milliarden Euro der zweitgrößte Aktienfonds, der in Deutschland verkauft wird. Im Anlageuniversum seines Vergleichsindex gibt es aber genügend Titel, um das Fondsportfolio aufzupeppen. Scurlock ist ja auch jemand, der den Blick nach Osteuropa nicht scheut. Er achtet bei seinem großen Fonds schon darauf, dass die Aktien liquide genug sind. Das ist, da die Firmen eine durchschnittliche Marktkapitalisierung von 36 Milliarden Euro haben, in jedem Fall gegeben. Mit Blick auf die Größe hat dem Fonds seine jüngste Schlankheitskur übrigens nicht geschadet.

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