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HANDELSBLATT, Montag, 12. November 2007, 12:00 Uhr
Ethische Grundsätze

Großinvestoren nutzen ihre Macht

Von Susanne Bergius

Investoren setzen beim Thema Nachhaltigkeit auf unterschiedliche Konzepte – ein weit verbreitetes ist das Best-in-Class-Prinzip. Hierbei werden von den weltweit größten Konzernen diejenigen für Fonds oder Portfolios ausgewählt, die die besten ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Leistungen ihrer Branche erbringen.


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HB BERLIN. Meist sind alle Wirtschaftszweige vertreten. Kritiker sagen, dass man dadurch nur Großkonzerne erhält, die ohnehin in normalen Indizes vertreten sind. Strengere Kriterien wünschen Kirchen und Stiftungen. Für sie entwickeln Finanzinstitute und Researchhäuser Spezialfonds und Zertifikate mit differenzierten Best-in-Class-Konzepten, die mit individuellen Vorstellungen der Kunden, weiteren ethischen Ausschlussfaktoren oder anderen Gewichtungen ergänzt werden.

Bei der Unterscheidung nach Positivkriterien werden mittels strengen ökologischen und sozialen Gesichtspunkten Vorreiter nachhaltigen Wirtschaftens sondiert. Ihre Produkte und Dienstleistungen nutzen dem Umweltschutz und der sozialen Gerechtigkeit. Umgekehrt funktioniert das Screening auf Negativkriterien: Aktienportfolios oder Fonds werden durchleuchtet, wobei zum Beispiel nur Waffen- und Tabakherstellung oder Menschenrechtsverstöße ausgeschlossen sind oder nach umfangreicheren nachhaltigen Negativkriterien entschieden wird. Screening führt zu Ausschluss, Über- oder Untergewichtung von Titeln.



Im Ausland existieren solche Screening-Konzepte schon seit Jahren. In den USA machen sie bereits zehn Prozent des Marktes aus, wie das Social Investment Forum ermittelte. Der norwegische Pensionsfonds stieß schon 20 Beteiligungen von Unternehmen ab, die die Umwelt schädigen oder Menschen- und Arbeitsrechte missachten – öffentlich detailliert begründet. Skandinavische Großanleger folgen seinen Beschlüssen, wie der Oslo Pension Fund, die Versicherung KLP und der schwedische Pensionsfonds AP 2.

Zunehmend nutzen Großanleger alleine oder mit Verbündeten unter den Bezeichnungen „Engagement“ oder „Active Ownership“ ihre Macht als Aktionäre, insbesondere in den USA. Ohne das Portfolio zu ändern setzen sie Themen bei Hauptversammlungen und fordern von Unternehmen im direkten Dialog nachhaltigeres Wirtschaften. In Deutschland bietet einen solchen Service die Londoner F&C Asset Management – unerheblich, ob sie die Aktien verwaltet oder nicht. Sie überprüft die Aktienbestände ihrer Kunden zu Unternehmensführung, Umwelt, Soziales und Ethik, bündelt die Interessen vieler Investoren bei den Stimmrechten und führt mit Unternehmen konstruktive Gespräche. In vielen Fällen realisieren die Firmen die Vorschläge der Vermögensverwalter.

Weil traditionelle Aktienanalysen Risiken und Chancen aus ökologischen, sozialen und ethischen Aspekten nicht erkennen, fordern Asset-Manager, Pensionsfonds und Stiftungen in der „Enhanced Analytics Initiative“ die Integration von Nachhaltigkeitskriterien. Die Investoren, darunter die Allianz, vergeben mehr Aufträge an Broker, die umfassende Analysen machen. Das betrifft auch die 180 institutionellen Anleger, die sich seit 2006 verpflichteten, die UN-Prinzipien für verantwortliches Investieren zu beachten, darunter die Münchener Rück.




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Oft sind es die kleinen Meldungen, die den größten Ärger machen. Diese Erfahrung könnte Ihnen, lieber Marcel Rohner, bald in den USA blühen. Vergangene Woche sorgte zunächst die Nachricht für Aufregung, einer Ihrer leitenden Angestellten, der UBS-Banker Martin Liechti, sei von amerikanischen Steuerfahndern festgesetzt und vernommen worden. Eine E-Mail an marcel.rohner@ubs.com.

Torsten Riecke

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