Denn ein Problem haben Value-Fonds: Die Wertentwicklung in den letzten Jahren war bei vielen von ihnen unterdurchschnittlich. Schlecht erwischt hat es zum Beispiel den Templeton-Growth-Fund (WKN A0B9KE), der wohl der bekannteste und größte seiner Klasse ist; zurzeit gehören Siemens, Microsoft und General Electric zu seinen Favoriten. Sälzle meint, bei ihm sei "gnadenlos Land unter", er rät davon ab. Guseck äußert sich diplomatischer, er hält Murdo Murchison, der den Templeton Growth leitet, für einen "sehr guten Fondsmanger". Aber Sauren investiert dort im Moment auch nicht. Und beim Morning-Star-Rating bekommt er nur drei von fünf möglichen Sternen.
Wozu sich also mit Value-Fonds beschäftigen, wenn sie so schlecht laufen?. Für die schlechte Wertentwicklung gibt es mehrere Gründe. Bei Templeton ist die schiere Größe, die durch die Erfolge der Vergangenheit zustande kam, inzwischen ein Problem. Ein Fonds mit fast 40 Milliarden Volumen allein in der Dollar-Version (in der Euro-Tranche kommen noch fast sieben Milliarden hinzu) kann ohnehin nur noch bei großen Firmen einsteigen. Und wenn er das tut, bewegt er den Markt und verdirbt sich damit selbst den Preis - beim Ausstieg ist es ähnlich.
Ein zweiter Grund für die schlechte Wertentwicklung spricht eher für einen Einstieg zum heutigen Zeitpunkt als dagegen. In den letzten Jahren haben sich die Börsen mit zweistelligen Prozentraten erholt. Und Value-Fonds laufen im Börsenaufschwung meist schwächer als der Gesamtmarkt, das liegt im System begründet. Dafür laufen sie bei einer schwachen Börse in der Regel besser als der Durchschnitt. Insgesamt ergibt sich so eine Glättung, was ja einen Vorteil für den Anleger darstellt. Wer billig kauft und teuer verkauft, baut bei steigender Börse tendenziell Aktienbestände ab und nimmt so nicht den vollen Gewinn mit, ist aber, wenn es runter geht, auch nicht voll dabei. Wenn wir also davon ausgehen, dass der Höhenflug der Börse deutlich gebremst ist, müsste jetzt wieder die Stunde der Value-Fonds kommen.
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Guseck fordert freilich: "Über einen ganzen Zyklus hinweg sollte jeder Fonds den Index schlagen." Er empfiehlt daher auch, Fonds mit verschiedenen Anlagestilen im Depot zu mischen, also nicht allein auf Value zu setzen. Zu bedenken ist aber auch: Wer gerade jetzt, wo die Börse auf der Kippe steht, auf aggressive Fonds setzt - also das Gegenteil des Value-Ansatzes - legt sich damit möglicherweise auf die Nase. Dieser Wechsel der Börsenphasen, bei dem immer wieder andere Fonds Vorteile haben, erklärt wahrscheinlich auch die von Wissenschaftlern herausgefundene Erkenntnis, das häufig gerade in der Vergangenheit gute Fonds besonders schlecht verlaufen - und manchmal auch umgekehrt.
Fazit: Value-Fonds sind einen Blick wert. Weil die Börsensituation so unsicher ist, empfiehlt sich vielleicht aber die Anlage in mehreren Schritten oder sogar ein Sparvertrag. Wenn es 2008 doch noch richtig böse Überraschungen geben sollte, ist dann noch Geld übrig, die niedrigen Kurse zum weiteren Einstieg zu nutzen. Eine Alternative zur Fondsanlage wäre, gezielt ein paar typische Value-Aktien auszuwählen und direkt zu kaufen. Eine Orientierung könnten die Top-Picks der Value-Fonds geben. Freilich: Wer das Depot selbst strickt, verpasst womöglich hohe Kurse, die den Ausstieg rechtfertigen würden. Außerdem kann er dann auf keinen Fondsmanager schimpfen, wenn es nicht so läuft wie erhofft. Dafür spart er sich Gebühren.
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