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HANDELSBLATT, Samstag, 30. April 2005, 16:32 Uhr
Glossar

Die wichtigsten Begriffe der Fonds- und Börsenwelt erklärt

Dieses Glossar entstammt dem Buch:

BuchcoverInvestmentfonds
Ein Leitfaden für ein besseres Verständnis der Fondswelt, April 2005




Abgeld (Disagio)

Bei der Emission von festverzinslichen Wertpapieren drückt das Abgeld aus, um welchen Prozentsatz des Nennwerts (Nominal) der Ausgabepreis den Nennwert unterschreitet. Bei Optionsscheinen kann es zu einem Abgeld kommen, wenn der Kauf des Basiswerts über den Schein billiger wäre als der direkte Erwerb des Basiswerts an der Börse.

Agio (Aufgeld)

Bei Anleihen die Differenz zwischen dem niedrigeren Nennwert und dem höheren Ausgabepreis beziehungsweise dem Kurswert. Bei Optionsscheinen drückt das Agio die Differenz zwischen dem inneren Wert und dem Kurswert aus, wenn der Kurswert über dem inneren Wert liegt. Im entgegengesetzten Fall spricht man von Disagio (Abgeld): Bei Aktien ist z. B. eine Ausgabe mit deutlichem Agio üblich – z. B. bei Kapitalerhöhungen. Eine Aktienausgabe mit einem Disagio, also zu einem Preis unter dem Nennwert, ist hingegen nach deutschem Recht verboten.

Aktie

Anteilpapier, das wirtschaftliches Miteigentum an einer Aktiengesellschaft (AG) verbrieft. Die Höhe des Anteils am Grundkapital und somit am bilanziellen Gesamtvermögen der AG wird durch den Nennwert festgelegt. Der Marktpreis der Aktie entspricht hingegen dem börsentäglich ermittelten Kurswert, falls die betreffende Aktie börsennotiert ist. Eine Aktie bietet dem Inhaber zwei mögliche Gewinnquellen: Zum einen die Dividende als dem Aktionär zustehende Beteiligung am Gewinn der AG, zum anderen die Möglichkeit auf einen Vermögenszuwachs durch einen steigenden Kurswert, wenn das Unternehmen profitabel arbeitet und die Aktie somit für einen breiten Anlegerkreis an Attraktivität gewinnt.

Anlagestrategie

Gezielte, längerfristig ausgerichtete Vorgehensweise zur Erzielung eines möglichst gewinnbringenden Anlageerfolgs an den Wertpapiermärkten. Die Strategie richtet sich neben objektiven Kriterien, die die fundamentale und die technische Wertpapieranalyse liefern, auch nach finanzieller Situation und persönlichen Präferenzen des Anlegers.

Anteilwert

Bei Investmentfonds bezeichnet der Begriff den Wert eines Anteilscheins, der durch Division des gesamten Fondsvermögens durch die Anzahl der umlaufenden Anteile ermittelt wird. Der Anteilwert wird börsentäglich ermittelt und veröffentlicht und entspricht in der Regel dem Rücknahmepreis, zu dem Anleger ihre Anteile zurückgeben können.

Asset Allocation

Vermögensstrukturierung. Forschungsansätze zur Asset Allocation beschäftigen sich mit der Fragestellung, mit welchen prozentualen Anteilen unterschiedliche Anlageobjekte (Assets) in einem optimal strukturierten Vermögen beziehungsweise Depot vertreten sein sollen. Entscheidungskriterien sind dabei neben Eigenschaften der Assets (Chance-/Risiko-Relation, Rendite, Volatilität) auch die Präferenzen beziehungsweise die finanzielle Situation des Investors. Während sich Risiko und Rendite verschiedener Anlageobjekte mithilfe mathematischer Modelle objektiv ermitteln lassen, spielen subjektive Präferenzen des Anlegers (Risikobereitschaft, Höhe des Gesamtvermögens) ebenfalls eine wichtige Rolle.

Ausgabeaufschlag

Bei der Ausgabe von Investmentfonds-Anteilen berechnete Kosten, die der Erwerber zusätzlich zum Preis des Anteils zu bezahlen hat. Die maximale Höhe des Ausgabeaufschlags ist in den Vertragsbedingungen des Investmentfonds geregelt.

Ausgabekurs, Emissionskurs

Derjenige Kurs, den Investoren bei der Ausgabe (Emission) von Wertpapieren zu zahlen haben. Bei Anleihen kann der Ausgabekurs dem Nennwert entsprechen, darüber oder darunter liegen. Aktien dürfen in Deutschland nur zum Nennwert oder zu einem darüber liegenden Kurs an die Ersterwerber ausgegeben werden (Verbot der Unter-pari-Emission).

Ausschüttung

Auszahlung von Dividenden, Boni, Liquidationserlösen und dergleichen an die Anteileigner.

Ausschüttungsfonds

Investmentfonds, der regelmäßig Erträge aus Dividenden, Bezugsrechten, Boni, Zinsen und realisierten Kursgewinnen an die Inhaber der Fondsanteile auszahlt. Gegensatz: Thesaurierungsfonds.

Bardividende

Der Teil der Dividende, der tatsächlich z. B. an einen Aktionär ausgezahlt wird. Die Bardividende ist von der Höhe der Bruttodividende und der Körperschaftsteuergutschrift abhängig.

Bilanz

Aufstellung der Aktiva und Passiva eines Unternehmens zur Darstellung seiner Vermögens-, Kapital- und Finanzstruktur. Die Erstellung der Bilanz unterliegt umfangreichen gesetzlichen Vorschriften, die die Anordnung der einzelnen Bilanzpositionen, die Bewertung von Vermögensgegenständen u. a. betreffen. Die so genannten Bilanzkennzahlen gehören zu den meistbeachteten Kriterien der Fundamentalanalyse.

Blue Chip

Aus dem angelsächsischen Sprachgebrauch übernommene Bezeichnung für Standardaktien mit hohem internationalem Ansehen. Häufig zahlen Blue-Chip-Unternehmen auch attraktive Dividenden.

Börsenmakler

Professionelle Vermittler von Wertpapiergeschäften. Sie sind Makler im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) und Handelsmakler im Sinne des Handelsgesetzbuchs (HGB), deren gesetzlichen Vorschriften ihre Tätigkeit unterliegt. Die mit der Führung eines Orderbuches betrauten Börsenmakler wurden mit der Umsetzung des 4. Finanzmarktförderungsgesetzes im Jahre 2002 Skontroführer genannt. Skontroführer können auch Banken sein.

Bonus

Sonderausschüttung eines Unternehmens an die Gesellschafter oder Mitarbeiter. Boni werden in der Regel als einmalige Sondervergütung in Jubiläumsjahren des Unternehmens, bei außerordentlichen Erträgen oder in Jahren mit außergewöhnlich hohen Gewinnen gezahlt.

Branchenfonds

Investmentfonds, der vorwiegend oder ausschließlich in Aktien von Unternehmen einer oder mehrerer miteinander in enger Beziehung stehender Branchen investiert. Die Risikominimierung durch Branchenstreuung wird dabei vernachlässigt, innerhalb der Branche findet allerdings in der Regel eine breite Streuung auf verschiedene Aktien statt.

Branchenindex 36

Index, der die Aktien einzelner Branchen umfasst. Die bekanntesten sind neben den internationalen MSCI-Indizes die Branchenindizes des C-Dax (Composite-Dax), der Dow Jones Utilities Index und der Dow Jones Transportation Index.

Courtage

Maklergebühr. Der in Prozent vom Kurswert festgelegte Betrag, den der Makler dem Kunden für die Vermittlung von Börsengeschäften in Rechnung stellt. Das Handelssegment der Börse Stuttgart gewährt bei Wertpapieraufträgen z. B. einen so genannten „Courtage-Cap“. Das bedeutet, dass maximal ein vorher festgelegter Gebührenbetrag berechnet wird.

Dax (Deutscher Aktien-Index)

Eigentlich: Dax 30. Fortlaufend berechneter Index, in dem 30 bedeutende, nach Marktkapitalisierung und Umsatz gewichtete deutsche Aktien repräsentiert sind.

Depotaufteilung / Depotstrukturierung

Zusammenstellung eines Wertpapierdepots nach bestimmten Kriterien, abhängig von den persönlichen Anlagezielen des Depotinhabers. Renditeorientierte Anleger gewichten häufig festverzinsliche Wertpapiere und Blue-Chip-Aktien mit hoher Dividendenrendite über. Spekulative, nach hohen Kursgewinnen strebende Anleger richten ihr Augenmerk dagegen tendenziell auf die Aktien von Wachstumsunternehmen.

Depotauszug

Von der depotführenden Bank erstelltes Verzeichnis aller im Depot eines Kunden geführten Wertpapiere mit Stückzahl, Kurswert und Gesamtwert.

Depotgebühren

Gebühren, die die Bank ihren Depotkunden für die Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren in Rechnung stellt. Maßgebend sind dabei die Anzahl der Einzelposten, Nennwert oder Kurswert der Wertpapiere. Da die Gepflogenheiten der einzelnen Banken unterschiedlich sind, sollte der Anleger die Gebühren mehrerer Häuser vergleichen, bevor er sich zur Einrichtung eines Wertpapierdepots bei einer bestimmten Bank entschließt.

Dividende

Auf eine Aktie entfallender Anteil an der Gewinnausschüttung einer AG. Die Verwendung des Bilanzgewinns und damit die Höhe der Dividende wird von der Hauptversammlung nach einem vom Aufsichtsrat geprüften Vorschlag des Vorstands beschlossen. Die Dividende ist von der allgemeinen Geschäftslage der AG abhängig und daher Schwankungen unterworfen.

Effizientes Portfolio

Nach den Grundsätzen des ökonomischen Prinzips zusammengestelltes Wertpapierportfolio. Ziel ist es, eine gegebene Rendite mit minimalem Risiko oder bei gegebenem Risiko die dabei maximale Rendite zu erwirtschaften.

Emerging Markets / Wachstumsmärkte

Sammelbezeichnung für die Märkte aufstrebender Volkswirtschaften in Schwellenländern, z. B. Osteuropa, Lateinamerika, Asien und manche Länder Afrikas, die sich durch starkes Wirtschaftswachstum auszeichnen.

Emission

Ausgabe neuer Wertpapiere (z. B. Aktien, Anleihen, Genussscheine). Sie dient dem Emittenten zur Beschaffung von Kapital und erfolgt meist durch öffentliche Ausschreibung. Auch die Gesamtheit der zu einer Emission gehörenden Wertpapiere (Emissionsvolumen) wird oft kurz als Emission bezeichnet.

Emittent

Person, die neue Wertpapiere ausgibt.

Euribor (European Interbank Offered Rate)

Im Bereich der Europäischen Währungsunion geltender Geldmarktsatz für eine Woche sowie für Ein- bis Zwölfmonatsgelder. Der Euribor gilt als Referenzzinssatz bei vielen variabel verzinslichen Anleihen (Floatern).

Exchange Traded Funds (ETF)

Fondsanteile, die ebenso wie Aktien oder Anleihen zum aktuellen Kurs an der Börse gehandelt werden. Anders als beim Erwerb über eine Bank fällt beim Kauf an der Börse kein Ausgabeaufschlag an. Der Preis von Exchange Traded Funds entspricht in der Regel einem vom Emittenten festgelegten Bruchteil des Fondsvermögens, das sich wiederum entsprechend der Wertentwicklung derjenigen Wertpapiere verändert, die der Fonds hält. Aufgrund des entfallenden Ausgabeaufschlags, der mehrere Prozentpunkte des Anteilwertes ausmachen kann, haben sich Exchange Traded Funds besonders bei institutionellen Investoren schnell am Kapitalmarkt durchgesetzt.

Festverzinsliche Wertpapiere

Bezeichnung für mit einem festgelegten Zinssatz (Kupon) ausgestattete Wertpapiere.

Fonds

Von einer Investmentgesellschaft verwaltetes Vermögen. Fonds unterscheiden sich hinsichtlich der verfolgten Strategie (z. B. Growth- bzw. Value-Strategie), der Ausschüttungspolitik (Ausschüttung versus Thesaurierung), der Konstruktionsart (offener versus geschlossener Fonds) und der Vermögensgegenstände, in die investiert wird (z. B. Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien). Auch Mischformen sind für Anleger erhältlich.

Geldmarkt

Im Gegensatz zum Kapitalmarkt der Markt für kurzfristige Guthaben und Kredite. Die Zinssätze am Geldmarkt (Geldmarktsätze) richten sich nach Angebot, Nachfrage und Laufzeit (Tagesgeld, Monatsgeld usw.). Ausleihungen und Kredite am Geldmarkt dienen den Banken zur Liquiditätsbeschaffung und beeinflussen die Geldversorgung der Wirtschaft.

Geldmarktfonds

Investmentfonds, die die Gelder ihrer Anteilinhaber in möglichst hoch verzinsten Geldmarktpapieren anlegen. Üblichweise dienen sie als kurz- und mittelfristiger „Parkplatz“ für Kapital. Geldmarktfonds haben in der Regel nur geringe Managementgebühren.

Genussschein

Wertpapier, das im Unterschied zur Aktie keine Mitgliedschaftsrechte, sondern Rechte am Reingewinn oder am Liquidationserlös eines Unternehmens verbrieft. Die Ausgestaltung der verbrieften Genussrechte kann sehr unterschiedlich sein. Vor dem Kauf ist es daher für den Anleger unerlässlich, sich über die Genussrechte des betreffenden Scheins zu informieren.

Gewinn pro Aktie (Earnings per Share)

Der Gewinn pro Aktie errechnet sich aus dem innerhalb eines bestimmten Zeitraums (Quartal, Geschäftsjahr) erzielten Unternehmensgewinn, der durch die Anzahl der von dem Unternehmen ausgegebenen Aktien dividiert wird. Die Kennziffer ist eine der wichtigsten Kennzahlen der fundamentalen Aktienanalyse. Der Gewinn je Aktie dient vor allem zum Vergleich verschiedener Unternehmen derselben Branche und zur Untersuchung der Ertragssituation eines einzelnen Unternehmens über die Zeit.

Gex

German Entrepreneurial Index. Im Januar 2005 von der Deutschen Börse konzipierter Index für Aktien von „Familienunternehmen“. Die Anzahl der Aktien ist nicht begrenzt, in seiner ersten Fassung enthielt der Index 117 Titel. Voraussetzungen für die Aufnahme: Mindestens 25 Prozent des Aktienkapitals müssen in der Hand einer Familie liegen und die Aktie darf maximal seit zehn Jahren börsennotiert sein. Die im Gex enthaltenen Aktien können auch in anderen Indizes der Deutschen Börse wie dem Dax-30, dem MDax oder dem SDax vertreten sein.

Growth-Strategie

Anlagestrategie, bei der vor allem Aktien von Unternehmen gekauft werden, die in der Vergangenheit ein überdurchschnittlich hohes Gewinn- und Umsatzwachstum aufwiesen, beziehungsweise solche Aktien, bei denen für die nähere Zukunft berechtigte Hoffnung auf überdurchschnittliches Wachstum besteht.

Index / Aktienindex

Kennzahl, die die Entwicklung bestimmter Größen – hier: die Entwicklung der Kurswerte von Wertpapieren – über die Zeit zum Ausdruck bringt. Sie gibt die Grundtendenz an einem Kapitalmarkt an. An der Börse stehen vor allem die wichtigen Aktienindizes im Vordergrund des Interesses. Neben Branchenindizes werden vor allem die allgemeinen Indizes beachtet, in denen die Aktien der wichtigsten Unternehmen eines Landes repräsentiert sind. Zusammenstellung und Genauigkeit einzelner Aktienindizes weisen große Unterschiede auf. In den meisten Indizes sind die Einzelaktien nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet – so z. B. im Dax und im S&P 500.

Industrieanleihe / Unternehmensanleihe

Von einem Industrieunternehmen emittierte festverzinsliche Schuldverschreibung. Sie dient dem emittierenden Unternehmen zur Beschaffung von langfristigem Fremdkapital für Investitionen. Industrieanleihen sind auch unter dem Begriff Corporate Bonds bekannt.

Inflation

Geldentwertung (Sinken des Geldwertes), die sich durch ständiges Steigen des Preisniveaus für Endprodukte (Konsumgüter, Investitionsgüter) ausdrückt. Nach klassischer Theorie entsteht eine Inflation durch anhaltende überhöhte Güternachfrage über das gesamtwirtschaftliche Güterangebot hinaus. Erfahrungsgemäß geht sie mit einer Erhöhung der umlaufenden Geldmenge und / oder der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes einher.

Institutionelle Anleger

Bezeichnung für Teilnehmer am Kapitalmarkt, die hohen Anlagebedarf haben und umfangreiche Portfolios verwalten, z. B. Investmentfonds, Pensionskassen, Bausparkassen, Versicherungsunternehmen usw.

ISIN

Zwölfstelliger Code zur eindeutigen Kennzeichnung von Wertpapieren, der deren internationalen Handel erleichtern soll, indem er nationale Kennungssysteme, wie z. B. die deutsche Wertpapierkennnummer oder die schweizerische Valorennummer, ablöst. Der ISIN-Code beginnt mit zwei Buchstaben, die als Länderbezeichnung dienen, z. B. DE für Deutschland, US für die USA, LU für Luxemburg oder GB für Großbritannien. Die folgenden neun Ziffern dienen der eindeutigen Bezeichnung des Wertpapiers, die zwölfte Ziffer ist eine Prüfziffer, anhand deren das Codesystem eventuelle Fehler erkennt. Bei deutschen Wertpapieren entsprechen die sechste bis elfte Stelle in der Regel der deutschen Wertpapierkennnummer. So lautet z. B. die Wertpapierkennnummer der Aktie der Deutschen Bank 514000. Der ISIN-Code lautet: DE0005140008.

Kapitalmarkt

Markt für Beteiligungskapital und langfristige Kredite. Der organisierte Kapitalmarkt der Banken und Börsen umfasst sowohl den Aktien- als auch den Rentenmarkt. Die Aufgabe der Börsen ist nicht die Kapitalbildung, sondern die Gewährleistung eines funktionierenden Handels.

Konservative Anlagestrategie

Im Gegensatz zur spekulativen Anlagestrategie stehen bei der konservativen Geldanlage Sicherheit und eine stetig erwirtschaftete Rendite im Vordergrund. Weniger der Erwerb als das Bewahren eines Vermögens ist das Anlageziel. Der konservative Investor meidet daher Anlagen mit hohen Verlustrisiken. Neben Immobilien setzt er häufig auf festverzinsliche Wertpapiere mit erstklassiger Bonität und in einem geringeren Maße auf Aktienengagements. Bei der Geldanlage in Aktien geht es einem konservativen Anleger meist nicht um die Realisierung schneller Kursgewinne, sondern um einen Vermögenszuwachs durch langfristige Wertsteigerung der Aktien. Gegenüber der spekulativen Anlagestrategie zeichnen sich konservative Formen der Geldanlage nicht zuletzt durch den wesentlich längeren Zeithorizont der einzelnen Investitionen aus. Die Begrenzung von Verlustrisiken ist zwar auch für den konservativen Anleger wichtig, doch sichert er sich schon durch sorgfältige Auswahl möglichst risikoarmer Anlageobjekte gegen allzu schwerwiegende Einbußen ab.

Kupon

Wertpapier, das den Zins- oder Gewinnanspruch des Inhabers eines Wertpapiers, z. B. einer Anleihe oder Aktie, verbrieft.

Kursindex

Aktienindex, in dessen Berechnung lediglich die Kursentwicklung der darin enthaltenen Aktien eingeht, nicht aber Dividenden und andere Ausschüttungen. Gegensatz: Performance-Index. Der weltweit bekannteste Kursindex ist der Dow Jones Industrial Average.

Länderfonds

Vertragsbedingungen von Länderfonds sehen die ausschließliche oder überwiegende Investition des Fondsvermögens in Wertpapieren bestimmter Länder vor. Sie bieten den Vorteil, dass der Anleger sich via Fondskauf auf Wertpapiermärkten engagieren kann, auf denen der direkte Kauf von Einzelaktien nicht oder schwer möglich oder zumindest mit sehr hohen Gebühren verbunden ist.

Länderrisiko

Meist die Bezeichnung für das Risiko eines Anleihegläubigers, dass ein ausländischer Schuldner trotz Zahlungsfähigkeit die fälligen Zins- und Tilgungszahlungen überhaupt nicht oder zumindest nicht fristgerecht leisten kann, weil es in dem betreffenden Land an Transferfähigkeit oder -bereitschaft fehlt. Grund dafür können mangelnde Währungsreserven sein (wirtschaftliches Länderrisiko), aber auch die politisch bedingte Unwilligkeit oder Unfähigkeit zu Transferleistungen, etwa bedingt durch Umsturz oder sonstige schwerwiegende Veränderungen der Herrschaftsverhältnisse (politisches Länderrisiko). Der Begriff kann aber auch auf Länderfonds angewendet werden, die ausschließlich in ein einzelnes Land investieren.

Managementgebühr

Von Investmentfonds und von manchen Zertifikate-Emittenten erhobene Verwaltungsgebühr. Bei Investmentfonds wird sie in Prozent pro Jahr auf den Anteilwert berechnet.

Marktkapitalisierung

Gibt den aktuellen Börsenwert eines Unternehmens an. Die Marktkapitalisierung wird durch Multiplikation des Börsenkurses mit der Zahl der ausgegebenen Aktien der betreffenden AG errechnet. Je kleiner die Marktkapitalisierung, desto dünner sind für gewöhnlich auch die täglichen Börsenumsätze der Aktie, was bei der Limitierung von Kauf- und Verkaufsaufträgen berücksichtigt werden sollte.

MSCI-Welt-Aktien-Index

Vom US-Investmenthaus Morgan Stanley entwickelter Index, der die globale Entwicklung der Aktienmärkte misst. Neben dem MSCI-Welt-Index gibt es auch die MSCI-Erdteil-, Länder- und Branchenindizes, die jeweils nach Marktkapitalisierung gewichtet sind.

Nebenwerte

Gängige Bezeichnung für die Aktien junger beziehungsweise kleinerer Unternehmen, die international wenig bekannt sind oder wenig Beachtung finden. Gegensatz: Standardwerte, Blue Chips.

Neuer Markt

Am 10. März 1997 gegründetes Handelssegment für wachstumsstarke deutsche Aktien. Im Neuen Markt durften nur Stammaktien emittiert werden, mindestens 50 Prozent des Emissionsvolumens mussten aus einer Kapitalerhöhung stammen und quartalsmäßige Berichterstattung der Unternehmen war Pflicht. Nach extremen Kursverlusten der meist aus Technologiebranchen stammenden dort gehandelten Aktien wurde das Handelssegment 2003 wieder abgeschafft.

Nominalzins

Vertraglich vereinbarter Zinssatz festverzinslicher Wertpapiere. Wird in Prozent vom Nennwert (Nominal) angegeben.

Parketthandel

Bezeichnung für den Wertpapierhandel an der Präsenzbörse im Gegensatz zum Computerhandel.

Performance

Bezeichnung für die Wertentwicklung eines Anlageobjekts über einen bestimmten Zeitraum. Die Performance kann in absoluten Zahlen (z. B. eine Gesamtrendite von x Prozent innerhalb eines Jahres) oder relativ zu einem Vergleichswert (Benchmark) ermittelt werden.

Performance-Index

Aktienindex, in dessen Berechnung neben der Kursentwicklung der darin enthaltenen Aktien auch die von diesen ausgeschütteten Dividenden und Boni eingehen. Im Vergleich zu Kursindizes erlauben Performance-Indizes daher eine genauere Abbildung der Gesamtrendite, für die z. B. Dividenden eine wesentliche Rolle spielen. Die meisten Aktienindizes – z. B. auch die Dax-Indizes der Deutsche Börse AG – sind Performance-Indizes.

Portfolio

Im Zusammenhang mit Geldanlagen oft als Synonym für Depot gebraucht (Wertpapierportfolio). Bei Investmentfonds bezeichnet der Begriff z. B. den Wertpapierbestand oder bei Immobilienfonds den Bestand an Anlageobjekten.

Prozyklisches Vorgehen

Die prozyklische Strategie folgt dem Markttrend: Gekauft wird erst, wenn charttechnische Signale eine anhaltende Aufwärtstendenz anzeigen; mit dem Verkauf wartet der Prozykliker, bis der Trend sich klar nach unten gewendet hat. Ziel ist es, ausgeprägte Trends zu nutzen, möglichst am Anfang einer Aufwärtsbewegung zu kaufen und an deren Ende zu verkaufen.

Rating

Beurteilung der Kreditwürdigkeit eines Schuldners (Bonität) durch so genannte Rating-Agenturen anhand bestimmter Kriterien wie Verschuldungssituation, Länderrisiko usw. Die Rating-Skalen der international angesehensten Agenturen Moody’s und Standard & Poor’s reichen von AAA bzw. Aaa (höchste Bonitätsstufe, faktisch mündelsicher) bis D (Schuldner in Zahlungsschwierigkeiten, Rückzahlung bereits notleidend).

REIT

Real Estate Investment Trust. In den USA und Kanada weit verbreitete Form von börsennotierten Immobilienkapitalgesellschaften, die meist in Bürogebäude, Wohnanlagen und andere Großimmobilien investieren. Reits genießen einen steuerlichen Sonderstatus, sofern sie eine hohe Mindestausschüttung an ihre Aktionäre garantieren. Die Besteuerung findet nicht auf der Unternehmens-, sondern auf der Aktionärsebene statt. Wegen ihrer meist extrem hohen Dividendenrenditen sind Reits bei konservativen Anlegern sehr beliebt.

Rex

Deutscher Rentenindex, der aus den Kursen der Bundesanleihen, Bundesobligationen und Bundesschatzanweisungen berechnet wird.

SDax

Auswahlindex der deutschen Börse, der die 50 liquidesten und nach Marktkapitalisierung größten Aktien unterhalb des MDax enthält. Dabei kann es sich um deutsche oder ausländische Unternehmen handeln. Voraussetzung für die Indexaufnahme ist die Notierung im Prime Standard.

Small Caps (Nebenwerte)

International gebräuchlicher Ausdruck für Unternehmen mit relativ geringer Marktkapitalisierung (englisch: small capitalization) beziehungsweise deren Aktien. Es gibt verschiedene Definitionen, doch kann eine Marktkapitalisierungs-Obergrenze von 250 Millionen US-Dollar als allgemein akzeptiert gelten.

Spekulative Anlagestrategien

Im Gegensatz zu konservativen und eher sicherheitsorientierten Formen der Geldanlage geht bei spekulativen Strategien die Erzielung hoher Kursgewinne in der Regel mit höheren Risiken einher. Die Zeitperspektive des Investments ist häufig kurzfristig, kann sich aber auch, z. B. im Rahmen einer Turnaround-Spekulation, über mehrere Jahre erstrecken.

Standard & Poor’s 500

Auch kurz als S&P 500 bezeichneter amerikanischer Aktienindex, der die Titel der 500 größten US-Aktiengesellschaften umfasst. Der S&P 500 ist nach Marktkapitalisierung gewichtet und gehört neben dem Dow Jones Industrial Average, dem Dax und dem Dow Jones Euro Stoxx 50SM zu den meistbeachteten Aktienindizes der Welt.

Standardwerte

Übliche Bezeichnung für Aktien großer, hochkapitalisierter Unternehmen. Die internationale Bezeichnung lautet Blue Chips.

Stopp-Kurs

Wichtiges Instrument zur Verlustbegrenzung im Rahmen des Risikomanagements bei Börsengeschäften. Schon beim Kauf kann der Anleger einen in der Regel unterhalb des Einstandskurses liegenden Stopp-Kurs festlegen, bei dessen Unterschreiten die Position verkauft wird. Das Verlustrisiko wird somit begrenzt.

Strategie

Am Kapitalmarkt versteht man unter Strategie eine zumeist langfristig angelegte Vorgehensweise zur Erzielung attraktiver Renditen bei vertretbarem Risiko. Die Strategie umfasst verschiedene Kriterien zur Auswahl von Wertpapieren und deren Haltedauer im Depot. Die Auswahl kann z. B. nach fundamentalen Kriterien erfolgen, zu denen das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Buchwert-Verhältnis, die Dividendenrendite oder die langfristige Gewinnentwicklung des betreffenden Unternehmens zählen. Sie kann auch nach rein charttechnischen oder anderen persönlichen Gesichtspunkten von Anlegern erfolgen. Für welche Strategie sich ein Anleger entscheidet, hängt in erster Linie von seinen persönlichen Anlagezielen und von seiner Bereitschaft ab, Risiken einzugehen.

Stückzinsen

Bei Kauf und Verkauf von fest- und variabel verzinslichen Wertpapieren werden die seit dem jeweils letzten Zinszahlungstermin angefallenen Zinsen dem Kurswert zugeschlagen, da der Erwerber den Zinszahlungsanspruch ab der letzten Zahlung miterwirbt. Als Ausgleich dafür zahlt er dem Verkäufer im Voraus die Zinsen für den Zeitraum, da die Papiere noch in dessen Besitz waren. Die Stückzinsen lassen sich berechnen, indem man den Nominalzins der entsprechenden Wertpapiere durch 360 teilt und mit der Zahl der Tage („Zinstage“) multipliziert, die seit der letzten Zinszahlung vergangen sind.

Substanzwertorientierte Anlagestrategie

Hier steht nicht die Ertragskraft eines Unternehmens im Vordergrund, sondern der Substanzwert. Daher ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis das wichtigste Kriterium, während die für ertragswertorientierte Investoren ungleich wichtigeren Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis und Kurs-Cashflow-Verhältnis in den Hintergrund rücken. Substanzwertorientierte Anleger konzentrieren sich vor allem auf solche Aktien, deren Buchwerte in der Vergangenheit konstant gestiegen sind und bei denen eine Fortsetzung dieser Tendenz zu erwarten ist. Fällt der Kurswert der Titel zurück, etwa wegen einer allgemeinen Schwächephase an der Börse, dann ist für solche Anleger, die stets langfristig disponieren, ein attraktiver Einstiegszeitpunkt gekommen.

TecDax

Auswahlindex der Deutschen Börse, der die 30 liquidesten und nach Marktkapitalisierung größten Aktien unterhalb des Dax enthält, die aus Technologiebranchen stammen. Neben dem MDax bildet der TecDax somit die „zweite Liga“ der Deutschen Börse. Voraussetzung für die Indexaufnahme ist die Notiz im Prime Standard.

Thesaurierungsfonds

Investmentfonds, der Erträge wie z. B. Dividenden der im Fondsvermögen enthaltenen Unternehmen nicht an die Anteileigner ausschüttet, sondern in entsprechenden Fondswerten reinvestiert. Gegensatz: Ausschüttungsfonds.

Tilgung

Ab- oder Rückzahlung einer langfristigen Schuld. Die Tilgung kann, je nach den vereinbarten Rückzahlungsbedingungen, in Raten oder in einem Betrag (gesamtfällige Schuld) erfolgen. Eine weitere Tilgungsmodalität ist der Rückkauf von Schuldverschreibungen durch den Schuldner auf dem Markt.

Underperformance

Bezeichnung für die Tatsache, dass z. B. ein Wertpapier, ein Fonds oder ein Depot in einem bestimmten Zeitraum eine niedrigere Rendite erzielt hat als der entsprechende Vergleichsindex (Benchmark).

Value-Strategie

Anlagestrategie, bei der vor allem Wertpapiere von Unternehmen gekauft werden, die relativ zum aktuellen Kurswert einen überdurchschnittlich hohen Buchwert aufweisen. Dahinter steckt die Überlegung, dass der hohe Substanzwert der betreffenden Aktien früher oder später an der Börse erkannt werden wird, was zu Kurssteigerungen führen könnte.

VDax (Volatilitäts-Dax)

Der VDax drückt die von den Teilnehmern am Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite – oder implizite Volatilität in Prozent für die nächsten 45 Tage – des Dax aus. Bei einem VDax von beispielsweise 10 Prozent und einem Dax-Stand von 4.000 Punkten erwarten die Marktteilnehmer in den nächsten 45 Tagen eine Bewegung des Dax im Bereich von 3.860 bis 4.140 Punkten. Diese Spannbreite wird mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln eingehalten. Dies entspricht bei einer Standardnormalverteilung der einfachen Standardabweichung ober- und unterhalb vom Mittelwert.

Volatilität

Die Volatilität ist das Maß für die relative Schwankungsbreite und damit für das Kursrisiko eines Wertpapiers innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Sie wird mithilfe statistischer Streuungsmaße wie Varianz oder Standardabweichung gemessen. Eine Volatilität von 30 Prozent innerhalb eines Jahres bedeutet, dass der Kurs in diesem Zeitraum durchschnittlich zwischen 70 und 130 Prozent des aktuellen Kurswerts geschwankt hat. Je höher die Volatilität, desto größere Schwankungen hat das Wertpapier in der Vergangenheit gezeigt – und desto riskanter ist eine Investition. Ein wenig problematisch ist dabei, dass man die Volatilität der Vergangenheit (historische Volatilität) nicht ohne weiteres in die Zukunft extrapolieren kann. Für die Zukunft ist man daher stets auf Schätzungen (implizite oder implizierte Volatilität) angewiesen.

Wachstumswert / Wachstumsaktie

Bezeichnung für die Aktie eines Unternehmens, das sich durch überdurchschnittliches Umsatz- und Ertragswachstum auszeichnet. Kennzeichnend für Wachstumswerte sind z. B. eine innovative Produktpolitik oder ein hoher Aufwand für Forschung und Entwicklung.

Wertpapier

Sammelbezeichnung für Urkunden, die ein Vermögensrecht in der Art verbriefen, dass dieses Recht ohne die Urkunde weder geltend gemacht noch übertragen werden kann. Börsenfähige Wertpapiere werden auch Effekten genannt.

Window Dressing

Versuch der Verbesserung von Bilanzpositionen durch gezielte Käufe kurz vor Ablauf einer Rechnungsperiode – also etwa am Quartals- oder Jahresende.

Xetra

Elektronisches System der Deutsche Börse AG zum außerbörslichen Handel umsatzstarker Wertpapiere. Xetra löste Ende 1997 das IBIS-Handelssystem ab. Es ermöglicht Investoren auch außerhalb der offiziellen Börsenhandelszeiten den Kauf und den Verkauf von Wertpapieren. Die Abkürzung steht für Exchange Electronic Trading System.


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Von Torsten Riecke

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