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HANDELSBLATT, Donnerstag, 21. Februar 2008, 07:30 Uhr
Indexfonds

Von fallenden Kursen profitieren

Von Stefan Mauer

In fallenden Märkten spekulieren Profis gerne mit so genannten Short-Positionen. Privatanleger konnten das - wenn überhaupt - nur über Derivate machen. Doch langsam beginnen die ETF-Emittenten, das Terrain ebenfalls für sich zu entdecken – und bieten erstmals inverse Kursverläufe in Form von Fonds an.


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DÜSSELDORF. Den Dax auf den Kopf zu stellen – das haben sich seit Anfang 2008 mit Sicherheit viele Investoren gewünscht. Bis zum 19. Februar verlor der deutsche Leitindex im Vergleich zum Jahresbeginn glatte zwölf Prozent an Wert. Analysten sind sich uneinig, ob dieser Einbruch nur kurzfristig war oder ob nicht eine inzwischen wahrscheinliche Rezession in den USA die Kurse noch weiter drücken könnte.

Das Problem für Investoren dabei ist: Auf fallende Kurse setzen – im Fachjargon „eine Short-Position eingehen“ –, das geht zurzeit fast ausschließlich über Short-Zertifikate, also de facto Schuldverschreibungen von Banken. Hierbei verspricht das Institut, den Kursverlauf einer Aktie, eines Aktienkorbs oder eines Index gegenläufig zu seiner Entwicklung zu berechnen und auszuzahlen. Doch gerade die Banken waren es, welche die Kreditkrise und damit die Kursverfälle maßgeblich auslösten.

Seitdem sind gleich mehrere Institute knapp an der Pleite vorbei geschlittert, andere mussten Abschreibungen in Milliardenhöhe verkraften. Das lässt Anleger zweifeln, wie sicher eine Schuldverschreibung wirklich ist – denn sollte ein Emittent tatsächlich einmal pleite gehen, gehören diese zu den letzten Zahlungsverpflichtungen, die aus der Konkursmasse bedient werden.

Doch seit 2007 gibt es eine zweite Möglichkeit, von fallenden Kursen zu profitieren. Am 14. Juni 2007 brachte DB X-Trackers, die Indexfonds-Sparte der Deutschen Bank, den Shortdax-ETF (WKN: DBX1DS) an die Frankfurter Börse. ETF steht für „Exchange Traded Fund“, zu deutsch „Börsengehandelter Fonds“. Solche Produkte bilden Indizes wie den Dax in einem Fonds ab und können wie einzelne Aktien an der Börse gehandelt werden. Weil sie keinen Fondsmanager bezahlen, sind ihre Verwaltungskosten sehr gering, durch den Börsenhandel kosten sie darüber hinaus keinen Ausgabeaufschlag.

Bereits seit Beginn des Jahres berechnet die Deutsche Börse den Shortdax, der die Bewegungen des bekanntesten deutschen Aktienindex exakt spiegelverkehrt abbildet. Schnell hatten Zertifikateanbieter das Angebot für sich entdeckt und entsprechende Produkte aufgelegt. Im Juni zog X-Trackers nach und bot das Produkt als erster Emittent in einem Fondsmantel an. Der größte Vorteil für Anleger dabei: Sollte der Emittent tatsächlich zahlungsunfähig werden, sind die Fondsanteile als Sondervermögen geschützt und dürfen nicht in die Konkursmasse einfließen.

Betrachtet man den Shortdax vom Jahresbeginn 2008 und dem 19. Februar, fällt jedoch eine Besonderheit ins Auge: Während der Mutterindex ziemlich genau zwölf Prozent verlor, gewann der Strategieindex 12,9 Prozent – und überkompensierte damit die Verluste. Der Grund dafür liegt in der Konstruktion von Short-Produkten.

Um überhaupt von fallenden Kursen profitieren zu können, verkaufen Short-Investoren Aktien, die sie noch überhaupt nicht haben, mit einem in die Zukunft gerichteten Liefertermin. Fallen in der Zwischenzeit die Kurse, kann der Investor die Aktien unter dem Verkaufspreis einkaufen und mit Gewinn an den Käufer weiter geben. Bei diesem so genannten „Leerverkauf“ bekommt der Verkäufer also den Aktienpreis im Voraus bezahlt und kann ihn bis zum Liefertermin am Geldmarkt anlegen. Zusätzlich erzielt auch das Anlagekapital des Investors Geldmarktzinsen.

Ein Beispiel: Ein Anleger gibt seiner Bank 100 Euro, die mit diesem Geld eine Short-Position in einer Aktie mit eben diesem Wert aufbauen soll. Die Bank wiederum verkauft einem zweiten Investor diese Aktie zum Preis von 100 Euro, vereinbart als Liefertermin jedoch erst den nächsten Tag. Die Bank hält nun 200 Euro – das Kapital des Anlegers und den Kaufpreis für die noch nicht gelieferte Aktie. Bis zum Liefertermin investiert sie das Geld zum aktuellen Tageszins. Fällt die Aktie bis zum nächsten Tag auf 98 Euro, kauft die Bank sie zu diesem Preis und gibt sie an das Käuferinstitut weiter. Von den 200 Euro sind noch 102 Euro plus die Verzinsung der 200 Euro übrig, der Gewinn beträgt 2 Prozent plus x.

Der Shortdax und die Produkte, die auf ihn lauten, sind also vor allem ein Serviceangebot für Anleger. Der Anbieter übernimmt für den Anleger den Leerverkauf und die Geldmarkt-Investition des vorhandenen Geldes. Die Positionen werden täglich ausgeglichen. Das hat für den Investor zwei Effekte: Unabhängig vom Einstiegszeitpunkt beträgt der Hebel immer ziemlich genau -1, zusätzlich wird verhindert, dass extreme Kurssteigerungen des Dax den Anleger irgendwann zwingen könnten, Geld nachzuschießen. Das würde zum Beispiel passieren, wenn eine bei 100 Euro verkaufte Aktie plötzlich 210 Euro kosten würde – die Short-Position könnte mit dem Investitionskapital von 100 Euro plus dem Verkaufspreis von 100 Euro nicht mehr ausgeglichen werden, der Anleger müsste noch einmal 10 Euro nachschießen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ausgewählte Short-ETFs


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Oft sind es die kleinen Meldungen, die den größten Ärger machen. Diese Erfahrung könnte Ihnen, lieber Marcel Rohner, bald in den USA blühen. Vergangene Woche sorgte zunächst die Nachricht für Aufregung, einer Ihrer leitenden Angestellten, der UBS-Banker Martin Liechti, sei von amerikanischen Steuerfahndern festgesetzt und vernommen worden. Eine E-Mail an marcel.rohner@ubs.com.

Torsten Riecke

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