Das Konzept passiver Indexinvestments, für das ETFs stehen, wird durch die aktive, fundamental begründete Selektion der Titel allerdings aufgeweicht, sagt Christian Michel, Fondsanalyst bei Feri Rating & Research. Denn die Fundamentalindizes werden regelmäßig neu berechnet und anhand der Kriterien umgestellt. Dennoch sieht Michel die neuen Produkte als Bereicherung für den Anleger - "vorausgesetzt, er versteht, wie sich der jeweilige Index zusammensetzt und kann einschätzen, ob das Papier zu ihm passt".
Neben den Fundamental-ETFs werden nach Meinung von Thorsten Michalik, der bei der Deutschen Bank das ETF-Geschäft leitet, in den kommenden Monaten zahlreiche ETFs auf strukturierte Indizes wie den LevDax oder den ShortDax neu auf den Markt kommen. Mit ihnen kann der Anleger Gewinne hebeln oder auf fallende Kurse setzen. Außerdem rechnet Michalik mit einer starken Nachfrage nach Anleihe- und Geldmarktprodukten sowie ETFs auf Schwellenländerindizes. "Das ETF-Geschäft ist ein Riesenmarkt, der noch lange nicht abgedeckt ist", ist Michalik überzeugt, "viele Kunden entdecken gerade erst, dass sie über Indexfonds sicheren Zugang zu Märkten bekommen können, die ihnen bisher verschlossen waren." Auch Barclays-Mann Hecher berichtet von einer "gewaltigen Nachfrage" institutioneller und privater Kunden, die mit ETFs ihre Portfolios diversifizieren wollen.
Was das für den Markt bedeutet, ist klar: Die Zahl der Produkte wird weiter kräftig wachsen. Parallelen zum Zertifikatemarkt, dessen rasantes Wachstum in den vergangenen Jahren mit einer kaum noch überschaubaren Produktflut einherging, weisen die Experten allerdings weit von sich: "Ein neues Zertifikat kostet den Emittenten rund 50 Euro und ist binnen weniger Tage am Markt, die Emission eines ETFs hingegen dauert vier Monate und kostet 150 000 Euro", erklärt Michalik. "Hunderttausend ETFs wird man in Deutschland nie sehen", ist er überzeugt.
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