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HANDELSBLATT, Sonntag, 6. April 2008, 08:00 Uhr
Zertifikate-Märkte

Dampf ablassen bei Agrarrohstoffen

Von Frank Doll, Wirtschaftswoche

Bei Produkten auf Agrarrohstoffe drohen Rückschläge. So schnell, wie die Preise zuletzt gestiegen sind, wird die Welt nicht verhungern.



Der Agrarrohstoff-Boom könnte ins Stocken geraten. Foto: dpa
Bild vergrößernDer Agrarrohstoff-Boom könnte ins Stocken geraten. Foto: dpa

Weil die Finanzkrise uns so beutelt, kaufen plötzlich alle Agrarrohstoffe – das ist ja kaum auszuhalten." Das sagt kein Ahnungsloser, sondern der Rohstoffanalyst einer französischen Großbank. Er will lieber anonym bleiben, was verständlich ist: Warnungen vor spekulativ überhitzten Notierungen bei Weizen, Reis und Soja sind nicht en vogue beim neuen Trendthema Agrar. Binnen Jahresfrist kletterten die Spotpreise, das sind die aktuellen Kassa-Preise, der im Index S&P GSCI Agriculture Total Return enthaltenen Agrarrohstoffe um durchschnittlich 81 Prozent, an der Spitze lag Weizen mit plus 157 Prozent.

Zuletzt ging es immer steiler nach oben, seit Jahresanfang allein um gut 30 Prozent. So nährt die Hausse die Hausse. Und das soll sie auch – aus Sicht der Banken. "Seit Beginn der Kreditkrise hat es keine bessere Anlageklasse gegeben als Rohstoffe", sagt Kevin Norrish, Chef des Rohstoff-Researchs bei Barclays Capital. Und weil die Story so einfach zu verkaufen ist, wird jetzt vor allem für Agrarrohstoffe getrommelt. Dass Nahrungsmittel teurer werden, merkt schließlich jeder an der Supermarktkasse.

In Europa stieg der Umsatz mit börsengehandelten Agrarrohstoff-Produkten im Februar gegenüber dem Vormonat um mehr als 40 Prozent auf etwa eine Milliarde Dollar. Mehr als die Hälfte der 260 Teilnehmer an einer Investorenkonferenz von Barclays in Barcelona rechnen damit, dass sich Agrarrohstoffe in diesem Jahr besser entwickeln werden als andere Anlageklassen. Problem nur: Wer das erwartet, hat schon gekauft und fällt als zukünftiger Käufer aus. Schwer vorstellbar, dass die Preise weiter in dem Tempo steigen wie zuletzt.


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Goldman Sachs
Chart: Goldman Sachs
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Eine gesunde Skepsis gegenüber Modethemen hat Privatanlegern noch nie geschadet. Wer mit dem Kauf von Zertifikaten, Exchange Traded Fonds (ETFs) oder Exchange Traded Commodities (ETCs) liebäugelt, die sich auf einzelne oder mehrere Agrarrohstoffe beziehen, sollte besser auf eine Korrektur warten. Wer solche Papiere schon länger besitzt, macht nichts falsch, wenn er die hart erkämpften Gewinne mitnimmt, bevor ihm Großanleger und Spekulanten einen Strich durch die Rechnung machen. Die Agrarpreise werden an Terminmärkten gemacht. Und dort haben Finanzinvestoren und Hedgefonds vorübergehend das Zepter übernommen. Sie wollen den schnellen Gewinn und überziehen Trends - nach oben und nach unten.

Immerhin ist es dem jüngsten Run der Spekulanten auf die Agrarmärkte zu verdanken, dass Zertifikatebesitzer überhaupt auf ordentlichen Gewinnen sitzen. Dennoch: In der Rückschau profitierten sie nur mit angezogener Handbremse am Boom. Zwar verteuerten sich die Spotpreise der im Index S&P GSCI Agriculturals Total Return enthaltenen Agrarrohstoffe binnen drei Jahren um fast 140 Prozent. Doch der Agrarindex selbst, an dem sich zum Beispiel ein Endloszertifikat von Goldman Sachs orientiert, schaffte im gleichen Zeitraum nur ein Plus von rund 70 Prozent (siehe Tabelle "Agrarzertifikate mit angezogener Handbremse"). Da fast alle Rohstoffe in Dollar notieren, blieben aus Sicht eines Euro-Anlegers gar nur gut 40 Prozent Gewinn hängen.



Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie die Zertifikate funktionieren (Rollen, Contango, Rollverluste, Backwardation)


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Oft sind es die kleinen Meldungen, die den größten Ärger machen. Diese Erfahrung könnte Ihnen, lieber Marcel Rohner, bald in den USA blühen. Vergangene Woche sorgte zunächst die Nachricht für Aufregung, einer Ihrer leitenden Angestellten, der UBS-Banker Martin Liechti, sei von amerikanischen Steuerfahndern festgesetzt und vernommen worden. Eine E-Mail an marcel.rohner@ubs.com.

Torsten Riecke

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Eine Studie der Investmentbank Goldman Sachs prognostiziert einen Anstieg des Ölpreises in den kommenden zwei Jahren von derzeit rund 125 auf bis zu 200 Dollar. Was ist Ihre Meinung?

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