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HANDELSBLATT, Dienstag, 29. April 2008, 09:00 Uhr
Nachhaltige Forstwirtschaft

Die Holzklasse der Zertifikate

Großanleger und reiche Privatpersonen schätzen Forstinvestments wegen der stabilen Wertentwicklung und ihrer geringen Korrelation zu anderen Anlageklassen. Doch manche Zertifikate offenbaren beim zweiten Blick einige Schwächen.


Die Bodenpreise steigen mit der Inflation, für regelmäßige Erträge sorgt der Verkauf des Holzes als Baumaterial, Brennstoff und für die Herstellung von Möbeln und Papier. Seit 1960 hat sich der Weltholzverbrauch mehr als verdreifacht - und nimmt weiter zu. Aber das Angebot lässt sich nicht beliebig ausweiten. Zudem werden jährlich rund zwölf Millionen Hektar Tropenwald in landwirtschaftliche Fläche verwandelt oder illegal gefällt.

Ohne Prüfsiegel, das nachhaltige Forstwirtschaft attestiert, findet Holz heute kaum mehr den Weg in Baumärkte und Möbelhäuser der Industrienationen. Da Bäume während ihres Wachstums mehr Kohlendioxid aufnehmen, als sie abgeben, können zertifizierte Forstbetreiber CO2-Emissionsrechte ausgeben und verkaufen. Hier winken Zusatzerträge.

Das Dumme nur: Damit Wald Vermögen erhält und es wachsen lässt, muss er groß genug sein. Die meisten Privatanleger scheitern an den hohen Eintrittspreisen. Zertifikate, etwa auf den S-Box Nachhaltige Forstwirtschaft der Börse Stuttgart (ISIN AT0000A09644), sollen die Holzklasse auch für Durchschnittsanleger erschwinglich machen. Im Index stecken zehn Unternehmen aus der Forstwirtschaft und der Holz verarbeitenden Industrie, die laut Emittent eine besonders nachhaltige Forstwirtschaft betreiben und sich entsprechend zertifiziert haben lassen.

Bei der Auswahl der Werte werden diejenigen am stärksten gewichtet, die eine Zertifizierung des von den großen Umweltverbänden anerkannten Forest Stewardship Council (FSC) aufweisen. Der Emittent Raiffeisen Centrobank erhebt zwar keine Managementgebühr, verlangt aber drei Prozent Ausgabeaufschlag. Besonders bitter: Die mitunter recht ansehnlichen Dividenden der Unternehmen greifen sich Emittent und Indexanbieter ab. Zweites Problem: Mit dem Produkt entfernen sich Anleger von der eigentlichen Idee einer reinen Forstinvestition, da viele Unternehmen auch nachgelagerte Stufen wie etwa die Produktion von Zellulose oder Baumaterialien besetzen.

Quelle: Wirtschaftswoche, Nr. 17, 21.04.2008.






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