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Liquiditätsmanagement und Zahlungsverkehr
Finanzmanagement in Nordamerika: NAFTA hat seine eigenen Regeln

Freihandelszonen versprechen auf den ersten Blick ein homogenes Wirtschaftssystem, geringe Volatilität und die Chance auf einheitliche Prozesse und Strukturen. In der nordamerikanischen NAFTA-Region ist das anders.

Das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA (North American Free Trade Agreement) hat bereits 1994 den Grundstein für freien Warentransfer zwischen Kanada, Mexiko und den USA gelegt. Seitdem hat sich die Region zu einer der wichtigsten Märkte für viele deutsche Unternehmen entwickelt.

Doch auch wenn es sich um einen gemeinsamen Wirtschaftsraum handelt, ist NAFTA als Markt alles andere als homogen. So sind die Wechselkurse der Währungen Kanadas, Mexikos und der USA überaus volatil. Auch der Zahlungsverkehr unterscheidet sich nicht nur gegenüber Europa, sondern auch innerhalb der Region stark.

NAFTA ist attraktiv für deutsche Unternehmen
Für Unternehmen, die eine Zentralisierung im Cash Management anstreben, ist die entscheidende Frage zunächst, wo sie ihre US-Dollar Liquidität sammeln – auf einem US-Konto oder auf einem zentralen Dollar-Konto in Deutschland. Üblicherweise wird hierfür die Zeitzone gewählt, in der auch das Währungsmanagement des Unternehmens liegt. So bevorzugen viele große Konzerne eine Kontoführung in den USA und koordinieren möglichst vom regionalen Treasury Center in der amerikanischen Zeitzone, während Mittelständler häufig ihre Konten zentral aus Deutschland steuern.

Der Schritt, zum Beispiel für einen Automobilhersteller oder -zulieferer, die Produktion in die USA zu verlegen, kann sehr attraktiv sein. Denn wenn Herstellung, Finanzierung und Vertrieb in einem homogenen Markt liegen, dann hat dies nicht nur operative Vorteile, sondern erleichtert auch das Finanzmanagement. Alle Schritte werden in der gleichen Währung abgewickelt, somit entsteht kein Währungsrisiko. Die Güter dürfen dank NAFTA anschließend in ganz Nordamerika frei gehandelt werden.

Wenn das gleiche Unternehmen jedoch Teile seiner Produktions- und Vertriebsstruktur in ein anderes Land innerhalb des NAFTA-Raums verlegt, dann entsteht eine völlig neue Situation. US-Dollar, kanadischer Dollar und mexikanischer Peso sind zwar frei konvertierbar und lieferbar. Doch anders als im europäischen Binnenmarkt oder in der südostasiatischen ASEAN-Region, hat die Entstehung von NAFTA die Volatilität zwischen den Währungen nicht verringert. Stattdessen fallen die Schwankungen des US-Dollar zum kanadischen Dollar genauso hoch aus wie zum Euro. Der mexikanische Peso hat sogar seit Beginn des Abkommens gegenüber dem Dollar erheblich abgewertet.

Für Unternehmen, die ihre Produktion von einem auf mehrere NAFTA-Länder verteilen, entstehen somit neue Währungsrisiken. Das Wechselkursrisiko sollte daher trotz des gemeinsamen Wirtschaftsraums separat abgesichert werden.

Weiterentwicklung klassischer Zahlungsmethoden
Eine weitere Umstellung für viele deutsche Unternehmen, die in Nordamerika ihr Geschäft aufbauen, ist der Zahlungsverkehr. So bevorzugen viele Kunden und Mitarbeiter in den USA und Kanada die Zahlung per Scheck. Trends im Zahlungsverkehr, die den nordamerikanischen Wirtschaftsraum betreffen, zielen daher häufig auf die Beschleunigung, Digitalisierung oder Automatisierung solcher traditionellen Zahlungsmethoden.
Für die Umwandlung von Schecks in Inlandsüberweisungen etwa können spezielle Konvertierungs-Services genutzt werden. Ebenso ist ein „Outsourcing“ der Scheckzahlung möglich, bei dem Ausstellung und der Versand des Schecks von einer Bank übernommen werden.

Doch auch der elektronische Zahlungsverkehr wird stetig weiterentwickelt. So ermöglicht das amerikanische Überweisungssystem ACH (Automated Clearing House) ab September 2016 sogenannte „Same Day“-Überweisungen, und ab 2017 wird das Angebot auf Lastschriften ausgeweitet.

Kreditkarten werden virtuell
Da in den USA jedoch in naher Zukunft nicht mit einer Umstellung auf ein klassisches elektronisches Überweisungssystem zu rechnen ist, werden Kreditkarten das wichtigste Zahlungsmittel bleiben. Denn auch im B2B-Zahlungsverkehr nehmen sogenannte Purchasing Cards eine zentrale Rolle ein.

Die Lieferanten nehmen die Rolle als Kreditkartenakzeptanzstelle an. Anschließend können ihre Kunden sämtliche Beschaffungsvorgänge per Kreditkarte bezahlen. Der Käufer hat zum Ende einer definierten Frist die Belastung auf seiner Karte, der Lieferant bekommt sofort sein Geld. Somit ist die Kreditkartenzahlung vor allem vor dem Hintergrund, Liquiditätsströme optimieren zu wollen, ein attraktives Zahlungsmittel.
Die Nachteile, wie mangelnde Transparenz, schwierigere Zuordnung von Zahlungen und Sicherheitsmängel, können durch die Nutzung virtueller Karten vermieden werden. Über eine solche virtuelle Kreditkarte wird für jeden Zahlungsvorgang eine individuelle Kartennummer nur für die Begleichung einer einzigen Rechnung generiert. Die Nummer verliert anschließend ihre Gültigkeit und kann nicht erneut verwendet werden. Ein Missbrauch ist somit unmöglich.

NAFTA ist kein homogener Wirtschaftsraum
Die Weiterentwicklung klassischer Zahlungsmethoden vor allem in den USA ist aus zwei Gründen von Vorteil für deutsche Unternehmen: Der Bezahlvorgang als integrierter und größtenteils automatisierter Prozess bedeutet einen Effizienzgewinn; gleichzeitig erleichtert die Nutzung elektronischer Zahlungsmethoden es Unternehmen, ihren nordamerikanischen Zahlungsverkehr in bestehende globale Strukturen zu integrieren.

Innerhalb der NAFTA-Freihandelszone lassen sich Synergien beim Management der Finanzströme jedoch nur begrenzt nutzen. Zu unterschiedlich sind die Anforderungen und Gegebenheiten in Kanada, Mexiko und den USA. Der NAFTA-Raum ist keine Freihandelszone wie jede andere. Er hat seine ganz eigenen Regeln.

Autoren: Wilbert Evers, Head of Sales Global Banking, Global Liquidity & Cash Management, HSBC und Sven Jürgensen, Co-Head of Corporate Sales und Head of FX Sales Corporate Clients, HSBC.