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Wachstumsmärkte
Asiens Billionen-Dollar-Test

23 Millionen Reisende pro Tag und ein Streckennetz von 65.000 Kilometern: Indiens Personeneisenbahnverkehr ist weltweit einer der größten. Für die Instandhaltung und Modernisierung werden jedoch Investitionen benötigt.

Die Regierung um Premierminister Narendra Modi plant, zwischen 2015 und 2019 rund 125 Milliarden US-Dollar in die Eisenbahninfrastruktur zu investieren. Dabei ist das Eisenbahnprojekt in Indien neben dem Bau zahlreicher Tunnel und Brücken in China sowie Kraftwerken in Malaysia nur eines von vielen milliardenschweren Vorhaben im asiatischen Raum, bei denen großer Investitionsbedarf herrscht.

Der Hintergedanke bei diesen Projekten liegt auf der Hand. Die Basis für eine florierende Volkswirtschaft liegt in einer guten Infrastruktur. Hinzu kommt Asiens unaufhörlich wachsende Bevölkerung mit einem großen Mittelstand, der hohe Anforderungen an Wohn- und Infrastruktur stellt.

Große Investitionslücke, viele Möglichkeiten
Wirtschaftsexperten von HSBC schätzen, dass bis 2030 rund 11,5 Billionen US-Dollar allein in städtische Infrastrukturprojekte fließen müssen, um die Bedürfnisse prosperierender asiatischer Großstädte zu decken. Allein China und Indien werden zukünftig Milliarden an US-Dollar benötigen, um die Folgen von Unterinvestition zu verhindern. Hinzu kommen diverse Energie-, Transport- und Umweltprojekte in den ASEAN-Staaten mit hohem Kapitalbedarf.

Jahrelang haben die Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank Infrastrukturprojekte in Asien gefördert. Außerdem legten die einzelnen Länder Infrastrukturfonds auf, um die zahlreichen Bauvorhaben zu verwirklichen. China setzte zum Beispiel den 40 Milliarden US-Dollar-schweren Seidenstraßen-Fonds auf, um den Bau von Gleisen, Brücken und Häfen in Südost- und Zentralasien zu finanzieren.

Doch Asiens Investitionsbedarf der Zukunft ist zu groß, um allein von den bisherigen Akteuren gedeckt werden zu können. Deshalb wird dringend nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten gesucht. China rief kürzlich beispielsweise mit 56 weiteren Staaten die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) ins Leben, die im Wettbewerb zur Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds und der Asiatischen Entwicklungsbank steht.

Mit einem Startkapital von 100 Milliarden US-Dollar für Infrastrukturprojekte in Asien konzentriert sich die AIIB vor allem auf Energiegewinnung, Transportwege und Logistik, ländliche Infrastruktur und Umweltschutz.

Die beiden AIIB-Mitglieder Indonesien und Türkei haben zusammen mit der Islamischen Entwicklungsbank zudem die Islamische Infrastrukturinvestmentbank gegründet. Ziel ist die Unterstützung von Infrastrukturprojekten unter Sharia-konformen Finanzierungsaspekten.

Außerdem werden Partnerprojekte zwischen öffentlicher Hand und Privatunternehmen – sogenannte Public-Private-Partnerships – bei der Schließung der Infrastrukturfinanzierungslücke Asiens eine zentrale Rolle spielen.

Neue Finanzierungspartner für Infrastrukturpläne
Nach der Finanzkrise wurde es schwieriger, Möglichkeiten für die Finanzierung von Infrastrukturprojekten zu finden. Dennoch blieben viele Banken, auch HSBC, aktiv auf der Suche nach Infrastrukturdeals, insbesondere in der Entwicklungsphase oder der frühen Phase nach Fertigstellung, für die sich gemeinhin weniger Finanzierungspartner finden.

Ähnlich verhält es sich bei Pensionskassen und Versicherungsunternehmen, die oft gemeinsam mit Banken Infrastrukturprojekte finanzierten. Vor allem sind es langfristig gesicherte Cash Flows, die den Anreiz für die Förderung von Bauvorhaben ausmachten, denn damit können sie wiederum ihren langfristigen Verpflichtungen nachkommen.

Hohe Erwartungen stellen Asien auf die Probe
In Ländern wie Großbritannien oder den USA haben institutionelle Investoren an Bondbegebungen teilgenommen oder in Aktien investiert. Ähnliches schwebt ihnen nun auch für Asien vor. Das Interesse, Infrastrukturprojekte in Asien zu finanzieren, ist groß. Doch fest steht auch: Nicht alle Projekte werden die Rendite liefern, die die Investoren erhofft haben, etwa wenn die Abwasseranlage nicht ausreichend Mittel einspült, um die Investitionskosten abzudecken. In Märkten, in denen es an Transparenz und rechtlicher Rahmenbedingungen fehlt, bieten sich Public-Private-Partnerships nicht an. In anderen Fällen wiederum machen Garantien der Regierung das Investment erst attraktiv.

Asien steht mit seiner Infrastruktur vor einer großen Herausforderung. Ihr gerecht zu werden, erfordert einen Schulterschluss zwischen öffentlicher Hand, multilateralen Organisationen und dem privaten Sektor.