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Lenze-Innovationsvorstand Frank Maier
„Woher sollen die ganzen Software-Leute kommen?“

Die Digitalisierung verändert die Arbeit in der Produktion und kostet Jobs. Andererseits fehlen IT-Fachkräfte für die Industrie der Zukunft. Ein dramatisches Problem, meint Lenzes Innovationsvorstand Frank Maier.

Herr Maier, was schätzen Sie, wie viel Arbeit lassen Automatisierung und Digitalisierung für den Menschen übrig, wenn Industrie 4.0 Wirklichkeit wird?
Ich betrachte Industrie 4.0 als eine evolutionäre Weiterentwicklung dessen, was die letzten 60 Jahre schon passiert ist. Nämlich kontinuierliche Produktivitätssteigerung durch höhere Grade von Automatisierung. Wir hatten 1952 rund 15 Millionen Arbeitnehmer in der Industrieproduktion. Seitdem hat sich die Produktivität um den Faktor 12 gesteigert. Ohne Automatisierung hätten wir diese Steigerung niemals erreichen können, dafür müssten wir heute 120 Millionen Arbeitnehmer haben. Ich glaube, über zehn Jahre werden 15 bis 20 Prozent der Arbeitsplätze verloren gehen.

Zu einem massiven Verlust von Arbeitsplätzen gibt es schon einige Studien. Demnach sind beispielsweise in Deutschland 55 Prozent der Arbeiten in der Produktion potenziell automatisierbar, was etwa 4,4 Millionen Beschäftigten entspricht. Sind Automatisierung, Digitalisierung und Co. Jobkiller?
Ja und nein. Wir hatten einmal 15 Millionen, heute sind es 7,3 Millionen Beschäftigte. Da kann man natürlich sagen, es wurden Jobs gekillt. Nur: Wenn wir es nicht gemacht hätten, dann wäre gar keiner mehr übrig. Ich glaube auch, dass 55 Prozent automatisierbar sind, doch nicht alles, was möglich ist, ist auch wirtschaftlich. Das wird ein wesentlich sanfterer Prozess als von vielen prognostiziert. Man muss auch unterscheiden zwischen manuellen Tätigkeiten im Werk und denen, die mehr im intellektuellen Bereich stattfinden, etwa Produktionsengineering oder Logistikplanung. Da brauchen wir eher mehr Leute, weil wir sonst wegen des demografischen Wandels nicht mehr in der Lage sind, eine industrielle Produktion sauber hochzuhalten.

Wie wird sich die Arbeitswelt ganz konkret im Zuge von Industrie 4.0 verändern?
Es werden mehr und mehr digitale Methoden eingesetzt werden. Wir werden unsere reale Welt weiter digitalisieren und auch mehr in einer virtuellen Welt tun. Die gute Nachricht aber ist, dass der Mensch in dieser nicht alleine überleben wird, sondern er muss an irgendeiner Stelle den Übergang in die Realität schaffen, und der wird auch weiterhin von Menschen bewältigt werden. Im Engineering wird die Arbeit zunehmen – Stichwort Losgröße 1. Gleichzeitig erhöht sich sicherlich der Druck auf die Arbeit für Geringqualifizierte.

Welche Rolle wird der Mensch noch spielen in der Arbeitswelt von morgen?
Mehr eine koordinierende, steuernde, überwachende und weniger eine tuende. Aber eins ist auch klar: Die menschenleere Fabrik, wie in den Siebzigern diskutiert, wird es nicht geben.

Wie weit ist die Transformation der Arbeit heute – 2017 – schon vorangeschritten?
Das ist ein kontinuierlicher Prozess, der seit der Erfindung des Transistors 1947 im Gange ist. Das ist ja die technische Instanz, die Digitalisierung möglich gemacht hat. In den nächsten zehn Jahren werden die Themen Digitalität, Künstliche Intelligenz, Robotik weiter an Bedeutung zunehmen. Aber wenn Sie mich fragen, was in 30 Jahren ist, verweigere ich die Antwort. Das wird mir als Techniker zu spekulativ.

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„Wir überschätzen die Attraktivität Deutschlands“