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Moderne Entsorgung
Surfen auf der Abfallwelle

Das Abfall-Geschäft ist nicht nur schmutzig, sondern auch veraltet. Vieles läuft noch über Papier und Telefon statt Daten und Apps. Doch etablierte Unternehmen und Start-ups arbeiten bereits an der digitalen Revolution.
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Aus Braunschweig könnte bald schon Grünschweig werden. Der Ort im Südosten Niedersachsens ist laut Forschern des Fraunhofer Instituts die umweltfreundlichste „Schwarmstadt“ der Republik. Mit dem Begriff bezeichnen die Wissenschaftler Kommunen, die sich durch einen hohen Bevölkerungszuwachs auszeichnen, insbesondere bei Studenten und jungen Berufstätigen.

Pro Kopf stoßen die Braunschweiger mit 4,9 Tonnen rund 40 Prozent weniger CO2 aus als die Bewohner vergleichbarer deutscher Städte. Dafür sorgt vor allem der hohe Anteil an erneuerbaren Energien. „Braunschweig ist auf einem sehr guten Weg, eine grüne Stadt zu werden“, schreiben die Forscher in ihrem „Morgenstadt City Index“. Was ihnen nicht so gut gefällt, ist die Recyclingquote von 42 Prozent. „Da ist noch Luft nach oben.“

Abfall-Experten sagen, dass die Abfallindustrie nicht auf dem aktuellen Stand der digitalen Entwicklung sei. Selbst im Hochtechnologieland Deutschland liefen noch 97 Prozent des Recyclingprozesses offline ab. Das führt zu inneffizienten und intransparenten Prozessen und behindert nicht nur das Wachstum der Kreislaufwirtschaft, sondern auch die Möglichkeiten des Umweltschutzes. Die Unternehmensberater bei Roland Berger sehen das ähnlich. „Die Digitalisierung ermöglicht die effizientere Wiederverwertung von verbauten Rohstoffen und die Erhöhung der Recyclingquote bei Abfällen“, heißt es dort.

Um die Abfallindustrie zu digitalisieren und das Abfallmanagement zu optimieren, müssen Daten automatisiert erhoben und vorhandene Datenverarbeitungssysteme miteinander vernetzt werden. Ein realistisches Szenario könnte dann so aussehen: Ein Supermarkt-Mitarbeiter erfasst über eine App, wenn er Müll in einen Container auf dem Filialparkplatz wirft und dabei bemerkt, dass der Container bald voll sein wird. Die Entsorgungsfirma wird darüber in Echtzeit informiert und kann so den besten Zeitpunkt für eine Abholung planen. Das System lernt über einen längeren Zeitraum den typischen Leerungsintervall und registriert beispielsweise auch, dass und wie viel mehr Abfall rund um Ostern und Weihnachten anfällt. Auf dieser Datenbasis lassen sich künftig realistischere Angebotskalkulationen erstellen.

Auch für den Kunden bringt dies Vorteile: Sämtliche Daten sind mit einem Klick einsehbar, kundenspezifische Reportings können sofort abgerufen oder über einen Regelassistenten für den E-Mail-Versand programmiert werden. Künftig sollen im Internet der Dinge vernetzte Sensoren die Füllstände der Container automatisch registrieren. Dies wird derzeit von Veolia in Braunschweig erprobt. Irgendwann werden diese Daten im bereits vorhandenen Telematik-System der Fahrzeugdisposition ausgewertet und an selbstfahrende Trucks gemeldet, die dann die Abfälle abholen. Vollautomatische und intelligente Anlagen sortieren am Ende der Kette den Abfall und stellen ihn dem Produktionskreislauf wieder zur Verfügung. Das alles spart Geld, Ressourcen und schont die Umwelt.

Die Vorteile moderner Technologien setzen aber auch schon vor dem Recyclingprozess an. Je länger Produkte und Materialen genutzt werden können, desto weniger neue Ressourcen und Geld werden für die Herstellung neuer Waren benötigt. Ein Beispiel hierfür ist die Smart Factory. Intelligente und vernetzte Maschinen geben dort ständig Rückmeldung über ihren Zustand und können so Instandhaltungsarbeiten veranlassen, bevor sie ausfallen oder Komponenten verschleißen. Was Experten als „predictive maintenance“ bezeichnen ist nur ein Beispiel für die digitalisierte Industrie 4.0: Die vorausschauende Wartung kann die Lebenszeit einer Maschine signifikant verlängern und teure Anlagenstillstände sowie Produktionsausfälle vermeiden. Darüber hinaus können smarte Anlagen ihren Energiebedarf dem Produktionsaufkommen anpassen oder volle Leistung bringen, wenn der Strompreis besonders günstig ist.

Soziale Netzwerke machen es heute zudem einfacher denn je, Geräte und Maschinen zu teilen und so deren Nutzen zu steigern. „Eine gesellschaftliche Entwicklung hin zur Kreislaufwirtschaft, in der Rohstoffe möglichst abfall- und emissionsfrei so lange wie möglich wiedergenutzt und durch Sharing-Konzepte geteilt werden, bringt signifikante Chancen mit sich“, sagt Etienne Petit, Landesdirektor von Veolia Deutschland. Die Unternehmensberatung Accenture prognostiziert für den gesamten Recyclingbereich ein Umsatzvolumen bis 2030 von bis zu 4,5 Billionen Dollar. Die Digitalisierung ist dabei der Haupttreiber.

Damit es auch weiterhin zu marktfähigen Innovationen kommt, bedarf es eines kontinuierlichen Austauschs zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups, die an neuen Technologien tüfteln. Eine gute Gelegenheit bietet hierfür das Tech Open Air vom 11. bis 14. Juli in Berlin. Dessen Gründer laden seit 2012 jedes Jahr IT-Begeisterte, Kreative, Jungunternehmer und Wirtschaftsvertreter zu Vorträgen und Workshops rund um die digitale Zukunft ein. Diskutiert wird dort auch darüber, wie künstliche Intelligenz, Industrie 4.0 oder das Internet der Dinge zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz beitragen können.

Auch für die Mitarbeiter der Berliner Stadtverwaltung könnte es sich lohnen, im Juli mal auf der Veranstaltung vorbeizuschauen. Denn die Metropole an der Spree ist zwar sexy und zieht viele junge Leute an. Beim Umweltschutz sehen die Fraunhofer-Forscher die „Schwarmstadt“ aber lediglich auf Platz 21 von 30. Ein Grund ist die Recyclingquote. Die liegt bei gerade mal 27 Prozent.