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Verwertung von Bioabfall
Bakterien schlemmen in der Müll-Mensa

Strom aus der Biogasanlage ist umstritten, wenn Lebensmittel wie Raps und Mais extra für die Verwertung angebaut werden müssen. Eine konsequentere Nutzung von Bioabfall könnte den Anbau der Pflanzen überflüssig machen.

Welk gewordenes Gemüse aus dem Supermarkt, Schnitzelreste aus der Kantine und abgelaufener Kakao vom Kiosk: Diesen Abfall-Cocktail lieben Bakterien, die sich durch die Lebensmittelreste in einer Biogasanlage fressen. Aus dem energiereichen Biogas, das sie dabei ausscheiden, werden am Ende Strom und Wärme. Diese hochwertige Bioabfallbehandlung trägt zum Klimaschutz bei, weil das bei der Vergärung entstehende Methan energetisch genutzt wird und nicht mehr auf Mülldeponien als gefährliches Treibhausgas in die Luft entweicht.

Eine der modernsten und leistungsfähigsten Biogasanlagen in Deutschland steht in Hamburg. Die Bakterien verschlingen dort jedes Jahr 20.000 Tonnen Lebensmittelabfall und Speisereste. Dazu wandern die Abfälle zunächst durch einen Zerkleinerer, der sie von ihrer Verpackung trennt. Der übrige Brei strömt in einen Fermentationsbehälter, den Speisesaal der Bakterien, in dem sie bei angenehmen 38 Grad zu futtern anfangen. Aus den letzten Resten, die selbst den Bakterien nicht mehr schmecken, entsteht Dünger für die Landwirtschaft.

Der wertvolle Ertrag, das Biogas, treibt einen Verbrennungsmotor in einem Blockheizkraftwerk an. Die Anlage in Hamburg erzeugt damit Strom für rund 3.000 Haushalte – außerdem beheizt sie das benachbarte Fußballstadion. Den Betrieb der Biogasanlage verantwortet eine Gemeinschaft aus mehreren Partnern. Auch der Umweltdienstleister Veolia ist über seine Tochter BioCycling daran beteiligt.

Stromerzeugung aus Abfall ist für Veolia ein wichtiger Geschäftszweig, denn in Deutschland fliegen jedes Jahr etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll. Der größte Teil der im Abfall enthaltenen Energie bleibt jedoch noch ungenutzt. Denn nur ein Bruchteil dieser weggeworfenen Lebensmittelreste wird auch tatsächlich für die Stromerzeugung vergoren. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Am Anfang der nachhaltigen Ressourcen-Kette steht die Mülltrennung. Bisher haben noch nicht alle Kommunen eine flächendeckende getrennte Sammlung von Bioabfällen eingeführt, obwohl diese seit 2015 für Privathaushalte zur Pflicht geworden ist. Wenn sich jeder Haushalt an der ordnungsgemäßen Trennung des Hausmülls beteiligen würde, wäre es allein durch diesen Schritt möglich, die Abfallmenge um bis zu 40 Prozent zu reduzieren.

Ein ebenfalls großer Störfaktor für eine konsequentere Verwertung von Bioabfall sind Nutzpflanzen, die für die Herstellung von Biogas, Bioehtanol oder Biodiesel verwendet werden. Die umstrittenen Energielieferanten Mais, Raps und Zuckerrüben verdrängen andere Getreide- und Gemüsesorten von den Feldern – in Deutschland auf zwei von insgesamt 12 Millionen Hektar Ackerfläche. Deshalb bedient sich die Veolia-Tochter BioCycling bewusst nicht am globalen Markt für Rohstoffe und füttert die Biogasanlagen konsequent mit verdorbenen Lebensmitteln aus der Region.

Die Bakterien in den Anlagen ticken übrigens ähnlich wie Menschen. Aus Lebensmitteln mit viel Fett, Kohlenhydraten und Eiweiß können sie auch viel Energie ziehen. Die Reste vom typischen Sonntagsbraten – Fleisch, Kartoffeln und Soße – sind für die Energiegewinnung besonders ertragreich und zumindest für die Bakterien wahrscheinlich auch besonders schmackhaft.