Amnesty klagt WM-Gastgeber Katar an
Zwangsarbeit und Gewalt gegen Frauen

„Schockierende Fälle von Zwangsarbeit, Gewalt und Betrug“: Amnesty International erhebt erneut schwere Vorwürfe wegen Menschenrechtsverletzungen gegen Katar, den Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft in acht Jahren.
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Köln Katar gerät acht Jahre vor der Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 erneut wegen Menschenrechtsverletzungen ins Zwielicht. Die unabhängige Organisation Amnesty International dokumentierte in einer Studie über die Lage von Fremdarbeiterinnen im Emirat „schockierende Fälle von Zwangsarbeit, Gewalt und Betrug". 

Die Behörden versagten "trotz der internationalen Aufmerksamkeit durch die bevorstehende WM" beim Schutz der Arbeiterinnen vor Ausbeutung, physischer und sexueller Gewalt, heißt es im Abschlussbericht "Schlaf ist meine Pause".

Viele Frauen seien mit falschen Versprechungen nach Katar gelockt worden, um dort zu Sieben-Tage-Wochen mit Arbeit fast rund um die Uhr gezwungen zu werden. "Sie sind Opfer eines diskriminierenden Systems, das sie schutzlos Ausbeutung und Missbrauch ausliefert, inklusive Zwangsarbeit und Menschenhandel", sagte Amnesty-Direktorin Audrey Gaughran.

In Katar arbeiteten etwa 84.000 ausländische Frauen, vor allem aus Asien. Amnesty befragte für die Studie Arbeiterinnen, die angaben, sie müssten ohne freien Tag bis zu 100 Stunden pro Woche arbeiten. Frauen seien geschlagen und Treppen heruntergestoßen worden, drei Arbeiterinnen berichteten von Vergewaltigungen.

Angesichts hartnäckiger Bestechungsvorwürfe und menschenunwürdiger Zustände auf Baustellen mit Verbindung zur WM 2022 kocht die Diskussion über einen Entzug der Gastgeberrolle für Katar immer wieder hoch. Die Führungspersonen des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) sprechen vor dem Hintergrund zahlreicher Todesfälle unter den Fremdarbeitern seit langem von "Sklaverei" und warnen, bis zur WM könnten bis zu 4000 Arbeiter sterben. 

In Bezug auf mögliche Bestechungen sagte Präsident Wolfgang Niersbach vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zuletzt im Aktuellen Sportstudio des ZDF: "Wenn es klare Beweise gibt, muss die FIFA (Fußball-Weltverband, d.Red) das Thema neu aufrollen."

Im November hatte Amnesty International in einem 153-seitigen Bericht miserable Zustände auf Baustellen mit Verbindung zur WM 2022 aufgedeckt und zu Reformen aufgerufen. Es sei "einfach unentschuldbar, dass in einem der reichsten Länder der Erde dermaßen viele Gastarbeiter skrupellos ausgebeutet werden, man sie ihres Lohns beraubt und sie dem Kampf ums Überleben preisgibt", hatte Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty in Doha gesagt.

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