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Lichtblicke am Neuen Markt (besserer Titel?) Der Neue Markt setzt derzeit von einer Talfahrt zur nächsten an. Angesichts immer neuer Hiobsbotschaften von Gewinnwarnungen bis zu Unternehmenspleiten ist das Vertrauen der Anleger in die so genannten Wachstumswerte vorerst verspielt. Darüber hinaus setzt die konjunkturelle Schwäche in den USA den Kursen am Neuen Markt zu, in vorderster Front den Technologiewerten. Die pessimistische Stimmung zieht jedoch auch diejenigen Unternehmen mit hinunter, die nach wie vor solide Fundamentaldaten vorweisen können, wie die befragten Analysten behaupten. Sie haben einzelne Branchen am Neuen Markt unter die Lupe genommen und meinen, dass es durchaus Lichtblicke unter den Nemax-Werten gibt. Oder: Sie haben einzelne Branchen unter die Lupe genommen und meinen, dass es durchaus Lichtblicke unter den Unternehmen am Neuen Markt gibt. Aixtron: Glanzlicht unter den Technologiewerten Gerade E-Commerce, Software und IT seien stark von der schwachen konjunkturellen Entwicklung in den USA betroffen, sagt Analyst Oliver Wrangel vom Bankhaus Merck-Finck. Wegen der Abhängigkeit von den USA werden diese Branchen ein positives Signal von dort wiederum als erste aufnehmen. Sehr wichtig seien in dem Zusammenhang die anstehenden Quartalszahlen aus den USA, erklärt Wrangel. Technische Werte seien derzeit stark überverkauft. "Nach den Höhenflügen im letzten Jahr mussten die Kurse zurückkommen. Das Ausmaß des Rückschlags ist aber für viele überraschend," sagt der Analyst. Unter den Technologiewerten sei Aixtron nach wie vor ein Dauerbrenner, so Oliver Wrangel weiter. Mit einem Marktanteil von etwa 55 % hat der Hersteller von Verbindungshalbleitern eine Ausnahmestellung am Neuen Markt. Im letzten Geschäftsjahr kletterte der Jahresüberschuss um 80 % auf 18,5 Mill. Euro und lag damit deutlich höher als erwartet. Für das laufende Geschäftsjahr sind die Prognosen ebenfalls optimistisch. Doch auch Aixtron kann sich dem allgemeinen Trend momentan nicht widersetzen: Gegenüber dem Hoch im August 2000 hat die Aktie etwa 50 % eingebüßt. "Aixtron hat die Erwartungen bisher zwar noch nicht enttäuscht, allerdings wartet der Markt regelrecht auf den ersten Fehltritt.", meint Wrangel. Dennoch sei die Aktie auch zum jetzigen Zeitpunkt empfehlenswert. Nach Einschätzung Oliver Maslowskis von Vontobel Securities sehen die Fundamentaldaten des Chip-Brokers CE Consumer Electronic gut aus. Vorläufigen Zahlen zufolge hat das Münchener Unternehmen die eigenen Planungen für das Geschäftsjahr 2000 sowohl im Umsatz als auch im Ergebnis deutlich übertroffen. Allerdings sei der Halbleitersektor in 2001 schwach. Der Rückgang der Konsumentenausgaben in den USA und in Japan trüben die Aussichten ein, sagt Maslowski. Vertrauen in Medienwerte muss erst zurückgewonnen werden Bis das Vertrauen in die Medienwerte zurückgewonnen sei, werde es noch eine Weile dauern, meint Analyst Kachler von Merck-Finck. So sorgte etwa das Münchener Medienunternehmen EM.TV wegen einer drastischen Gewinnwarnung und aufgrund eines Ermittlungsverfahrens gegen den Vorstandvorsitzenden Thomas Haffa im Zusammenhang mit Verstößen gegen das Aktiengesetz für negative Schlagzeilen. Darunter habe das Image der Medienbranche gelitten, sagt Kachler:"EM-TV hat viel kaputt gemacht". Am ehesten in der Branche zu empfehlen sei Kinowelt Medien. Analysten schätzen das Papier seiner Ansicht nach zwar häufig noch zu hoch ein, dennoch sei der Medienkonzern insgesamt gut positioniert und daher zu empfehlen."Alle Stufen der Medienverwertung sind abgedeckt", urteilt Kachler. Kinowelt profitiere besonders vom derzeitigen Boom im DVD-Geschäft. Hinsichtlich Management und Strategie sei das Unternehmen gut geführt. (Zu berücksichtigen ist jedoch auch, dass das Geschäft der Kinowelt beim Lizenzhandel von Filmen sehr starken Schwankungen ausgesetzt ist, das Ergebnis größtenteils vom Abschluss einzelner Paketverkäufe abhängig ist.) FINANCIAL SERVICES: Solange die Gewinne am Neuen Markt sprudelten, sahen nur wenige Anleger die Notwendigkeit, sich beraten zu lassen. Die Stunde der Direktbanken hatte geschlagen: Schnell und aufgrund fehlender Beratung und fehlender Filialnetze billig. In Zeiten kränkelnder Kurse dagegen legt der Kunde Wert auf gute Tipps. Darunter leiden die Direktbanken, so zum Beispiel die Comdirect Bank, die im zweiten Halbjahr 2000 deutlich weniger Neukunden gewinnen konnte. Weiterhin stehen die Direktbanken derzeit um so schlechter da, je stärker der Verkauf von Nemax-Werten beim Gesamtumsatz ins Gewicht fällt, sagt ein Experte. Schließlich senken die Kursrückgänge das Handelsvolumen und damit die Provisionen für die Banken deutlich. Insofern sei die DAB (Direkt Anlage Bank) unter den großen Direktbanken derzeit am besten aufgestellt und daher am ehesten zu empfehlen. Zumal sich das Angebot weniger auf den Aktiven Kunden, vielmehr auf den längerfristigen Anleger konzentriere. Auch in Puncto Beratung ist die DAB laut Handelsblattbericht vom 01.03. ihren größten Konkurrenten Consors und Comdirect voraus. Seit Anfang März vemittelt sie Kunden, die eine Beratung wünschen, über eine Datenbank an unabhängige Vermögensverwalter. Auch die finanzielle Rückendeckung durch die Hypovereinsbank, deren Tochter die DAB ist, erweist sich aktuell als großer Vorteil gegenüber einem Direktbroker Consors. Durch den rasanten Kursverfall seiner eigenen Aktie ist Consors laut Handelsblatt vom 15.03. (einem anderen Handelsblattbericht zufolge) mittlerweile als Übernahmekandidat im Gespräch. Zudem droht Consors durch die bevorzugte Bedienung der aktiven Kunden und den Mangel an Beratung ins Abseits zu geraten. Schluss so in Etwa: Es gibt zwar durchaus Unternehmen am Neuen Markt, die schwarze Zahlen schreiben (und Lichtblicke darstellen) . Doch noch ist nicht abzusehen, wann das Vertrauen der Anleger zurückgewonnen ist, so dass gute Fundamentalwerte eine Anlage wieder attracktiv machen. Zudem Bleibt für die weitere Entwicklung am Neuen Markt der Verlauf der US-Konjunktur abzuwarten.

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