0:1 in Portugal: Hertha weint um historische Chance

0:1 in Portugal
Hertha weint um historische Chance

Tränen, Trauer und Tumulte: Hertha-Kapitän Michael Preetz heulte nach dem 0:1 bei Boavista Porto wie ein Häufchen Elend, doch Manager Dieter Hoeneß verbot nach dem leichtfertig verschenkten Weiterkommen zu heftiges Weinen. Eine Minute lang kniete Preetz auf dem Rasen des Estadio do Bessa und verbarg das Gesicht nach seinem letzten internationalen Match.

HB/dpa PORTO. "Das war eine meiner bittersten Niederlagen. Wir haben vielleicht eine historische Chance verpasst. Es lag im Bereich des Möglichen, etwas Besonderes zu schaffen", gestand der 35-Jährige, dessen Gegenspieler Fernando Avalos in der 85. Minute nach einem Eckball per Kopf den Traum vom ersten UEFA-Cup-Viertelfinale der Hauptstädter seit 24 Jahren zerstörte. Dort hätte mit dem FC Malaga ebenfalls ein bezwingbarer Gegner gewartet, dazu Netto-Einnahmen bis zu 1,2 Mill. ? und Imagegewinn für den letzten deutschen Teilnehmer.

"Wir waren insgesamt die bessere Mannschaft, aber der Bessere gewinnt nicht immer. Wir hatten die Chancen und haben sie nicht genutzt. Das war nicht nur hier so", lautete das Fazit von Trainer Huub Stevens. Nur ein Tor in vier Auswärtsspielen dieser Cup-Saison genügt gehobenen internationalen Ansprüchen nicht.

Hoeneß richtete seinen Blick schnell nach vorn. "Ich appelliere an alle, sich nicht vom Weg abbringen zu lassen. Wir können schon am Sonntag den Beweis antreten, dass wir in der Lage sind, solche Tiefschläge wegzustecken", sagte der Vizeweltmeister von 1986 beim mitternächtlichen Bankett, bei dem im Keller des Hotels "Porto Palacio" eine Stimmung wie bei einem Leichenschmaus herrschte.

Beim Hamburger SV geht es für Hertha BSC darum, die Aufholjagd in der Bundesliga fortzusetzen und nach dem Aus in DFB-Pokal und UEFA - Cup nicht das internationale Geschäft in der neuen Saison zu verpassen. Vor zwei Jahren hatte das Drittrunden-Ausscheiden mit dem unglücklichen 1:2 bei Inter Mailand tiefe Spuren hinterlassen. Damals folgte in der Bundesliga ein 0:4 in Leverkusen.

"Tiger Woods kann sich nach einem schlechten Schlag auf den nächsten konzentrieren, das unterscheidet ihn von Hobby-Golfern. Dafür wird die Mannschaft und jeder Einzelne von uns bezahlt", sagte Hoeneß. Preetz, der mit zwei Ligapokal-Siegen als einzigen Titeln im Sommer ins Hertha-Management wechseln wird, sieht das Team in der Bundesliga derzeit aber besser auf Kurs als im Dezember 2000. "Ein Erfolg beim HSV wäre bester Balsam", meinte er. Was nach dem 0:1 auf der Stadion-Baustelle los war, bekam er erst gar nicht richtig mit.

Im Streit um den einzigen Ball - alle anderen waren urplötzlich verschwunden - raste Portos Torhüter Ricardo auf Roberto Pinto zu und jagte ihm das Leder ab. Hertha-Keeper Gabor Kiraly traf nach langem Sprint nur kurz darauf ein und griff Ricardo von hinten in den Unterleib. Der folgende Tumult, an dem auch Josip Simunic beteiligt war, brachte nur Berlins Reservist Alexander Madlung eine Gelbe Karte von Schiedsrichter Alain Hamer ein. Der Luxemburger hatte zuvor Pal Dardai (66.) und Filipe Anunciacao (81.) Gelb-Rot gezeigt. Simunic streckte nach dem Abpfiff noch demonstrativ beide Mittelfinger aus.

Die Gastgeber beklagten sich bitter über das Benehmen der Verlierer, Stevens und Hoeneß über mangelnde Fairness von Boavista als Ursache. Der Hertha-Manager wollte den Vorfall nicht hochspielen und erklärte, im Bericht des UEFA-Beobachters habe er keine Anmerkung dazu gesehen. Porto forderte dagegen Sanktionen gegen die Berliner, die sich mit ihrem sportlichen Abschied schon selbst gestraft haben.

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