1,2 Milliarden Euro Verlust im Jahr 2002: Allianz-Konzern sucht frisches Kapital

1,2 Milliarden Euro Verlust im Jahr 2002
Allianz-Konzern sucht frisches Kapital

Der Versicherungsriese Allianz will sich in den kommenden Wochen frisches Kapital besorgen. Nach Informationen des Handelsblatts wird der Münchener Konzern auf seiner Bilanzpressekonferenz heute eine Bezugsrechtsemission mit einem Volumen von drei bis vier Milliarden Euro ankündigen. Bei dieser Form der Kapitalerhöhung verkaufen Unternehmen neue Anteilsscheine mit einem Abschlag an die Altaktionäre. Angesichts der schwierigen Lage an den Börsen rechnen Finanzkreise mit einem Rabatt von 30 bis 40 Prozent auf den aktuellen Kurs von rund 65 Euro.

FRANKFURT/M. Das frische Geld braucht die Allianz, um die Kapitalbasis zu stärken. Das ist nötig, weil das Versicherungsgeschäft schlecht läuft und die Tochter Dresdner Bank den Konzern belastet. Bei der Allianz hieß es lediglich, der Konzern nehme zu Spekulationen keine Stellung.

Im vergangenen Jahr musste der Versicherungskonzern zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro hinnehmen, der nach Informationen aus Bankenkreisen vor allem aus der Dresdner Bank kommt. Finanzkreisen zufolge musste das Kreditinstitut allein im letzten Quartal 2002 eine Milliarde Euro Verlust verkraften, nachdem in den ersten drei Quartalen schon ein Minus von rund zwei Milliarden Euro angefallen war.

Trotz der roten Zahlen sollen die Allianz-Aktionäre wie im Vorjahr eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie erhalten. 2001 hatte der gemessen an den Beitragseinnahmen größte Versicherungskonzern Europas noch einen Gewinn nach Steuern von 1,6 Milliarden Euro erzielt. Die Emissionspläne sollen den Investoren bereits in den kommenden Tagen in einer Serie von Präsentationen in den wichtigsten Finanzzentren vorgestellt werden. Der Großaktionär Münchener Rück habe bereits seine Zustimmung für die Kapitalerhöhung signalisiert, heißt es.

Im vergangenen Jahr mussten schon zahlreiche Versicherer den Kapitalmarkt anzapfen. Unter anderem baten Zurich Financial, Swiss Life, die niederländische Aegon und die französische Scor ihre Aktionäre zur Kasse. Insgesamt sammelten die Assekuranzkonzerne mehr als zehn Milliarden Euro ein.

Um den Altaktionären das Zeichnen der Bezugsrechte schmackhaft zu machen, will die Allianz gleichzeitig einschneidende Schritte zur Sanierung ihrer Problembereiche tun. Das betrifft vor allem den US Firemans Fund-Versicherer und den hochdefizitären Bereich Firmenkundengeschäft und InvestmentBanking der Dresdner Bank.

Der scheidende Chef der Dresdner Bank und Allianz-Vize Bernd Fahrholz schrieb gestern in einem Abschiedsbrief an Konzernchef Henning Schulte-Noelle, in den vergangenen Wochen sei "der massive Veränderungsprozess in der Bank" transparent geworden und "Gegenstand intensiver Diskussionen" gewesen. Schulte-Noelles Nachfolger Michael Diekmann stehe vor "weit reichenden Entscheidungen über die künftige strategische Ausrichtung des Konzerns". Davon betroffen sei auch die Dresdner Bank. "Dem möchte ich nicht im Wege stehen", schrieb Fahrholz.

Schon länger gibt es Spekulationen über eine Zerschlagung der Dresdner Bank. Dafür spricht auch, dass mit Herbert Walter ein ausgewiesener Experte für das Privatkundengeschäft zum Nachfolger von Fahrholz bestellt worden ist. Fahrholz wollte die Bank als Ganzes erhalten.

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