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1:3 gegen Südkorea: Erste Niederlage für Klinsmann

Nach der schwächsten Saison-Leistung und einem vergebenen Handelfmeter von Jubilar Michael Ballack ist die Erfolgsserie der deutschen Fußball-Nationalmannschaft unter Jürgen Klinsmann gerissen.

dpa BUSAN. Nach der schwächsten Saison-Leistung und einem vergebenen Handelfmeter von Jubilar Michael Ballack ist die Erfolgsserie der deutschen Fußball-Nationalmannschaft unter Jürgen Klinsmann gerissen.

Doch dem Bundestrainer kam nach der 1:3 (1:1)-Niederlage in Busan gegen Südkorea kein Wort der Kritik über die Lippen. Der 40-Jährige führte die erste Niederlage im sechsten Länderspiel unter seiner Regie ebenso wie das Gros der Spieler auf den großen Kräfteverschleiß zurück. "Ich würde das Spiel heute nicht auf die Goldwaage legen. Diese Asien-Reise ist schon eine harte Nummer. Es fehlt vor allem an der Frische im Kopf", sagte Oliver Kahn nach dem zweiten Spiel der Tournee.

Drei Tage nach dem locker herausgespielten 3:0 des Vize-Weltmeisters gegen Japan vergab ausgerechnet Ballack die Chance auf ein besseres Resultat, als er in seinem 50. Länderspiel zwar zum 1:1 (24.) traf, aber fünf Minuten vor dem Ende mit einem schwach geschossenen Strafstoß an Keeper Woon Jae Lee scheiterte. So gelang den Koreanern vor 50 000 Zuschauern im Asiad Main Stadium durch Dong Jin Kim (16.), Dong Gook Lee (71.) mit einem spektakulären Kunstschuss sowie den eingewechselten Jae Jin Cho (87.) die Revanche für die 0:1-Niederlage im WM-Halbfinale 2002.

"Diese Niederlage ist absolut kein Beinbruch. Wir sind hoch zufrieden mit der Mannschaft, mit ihrem Engagement, ihrem Auftreten und auch ihrer Entwicklung", wollte Klinsmann die erste deutsche Länderspiel-Schlappe gegen ein asiatisches Team nicht überbewertet wissen. "Wir hätten vielleicht lieber gegen Brasilien verloren, aber das ist okay so. Vielleicht ist so eine Niederlage auch gar nicht schlecht." Für die Partie am 21. Dezember in Bangkok gegen Thailand, wohin der DFB-Tross aufbricht, kündigte Klinsmann den Verzicht auf Ballack, Bernd Schneider, Fabian Ernst, Christian Wörns und Miroslav Klose an, die bisher je zwei Mal zum Einsatz kamen.

Nach ihrer spielerisch überzeugenden Vorstellung in Yokohama traf die deutsche Mannschaft im WM-Vierten auf einen Gegner, der anders als die Japaner keinerlei Respekt zeigte und manchmal auch überhart in die Zweikämpfe ging. "In der ersten Halbzeit habe ich mich deshalb einige Male geärgert", räumte Klinsmann ein. Diese körperbetonte Spielweise schmeckte den Deutschen nicht, die nach dem 1:1 zwar weiter mutig auf Sieg spielten, am Ende aber für ihre Offensive bestraft wurden. "Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen und die Gegentore unglücklich kassiert. Die Niederlage wirft uns aber nicht um", betonte Kapitän Ballack, einmal mehr Dreh- und Angelpunkt im deutschen Team. Zur Belastung sagte der Münchner: "Die Reiserei und die Zeit im Hotel sind extrem. Aber auf dem Platz geht's."

Fünf Minuten vor Spielende wurde Ballack in Busan zum Pechvogel. "Den Elfmeter muss ich natürlich reinmachen", gab der Münchner zu, dem diesmal aber auch die Unterstützung seiner Nebenleute fehlte. Bastian Schweinsteiger und Schneider vernachlässigten die Flügel und drängten früh in die Mitte. Auch der erstmals unter Klinsmann aufgebotene "K.u.K.-Sturm" erfüllte die Erwartungen nur bedingt. Während Miroslav Klose gelegentlich Torgefahr verbreitete, blieb Kevin Kuranyi wirkungslos. Der Stuttgarter Angreifer litt wie seine ebenfalls erst zwei Tage vor dem Spiel in Busan eingetroffenen Abwehrkollegen Andreas Hinkel und Philipp Lahm unter dem Jetlag. Dem Trio fehlte die Spritzigkeit. Lahm hatte mit dem flinken Frankfurter Du Ri Cha seine liebe Mühe. Hinkel, ohnehin durch eine Erkältung gehandicapt, wurde nach der Pause von Patrick Owomoyela abgelöst.

Ausgerechnet Ballack leitete mit einem Ballverlust im Mittelfeld das Führungstor für die Asiaten ein. Als Arne Friedrich die anschließende Flanke von Dong Gook Lee nicht weit genug aus der Gefahrenzone beförderte, traf Kim von der Strafraumgrenze aus in die lange Ecke. Doch die Klinsmann-Elf wurde vom ersten Gegentor nach 367 Länderspiel-Minuten nicht geschockt und kam durch das 22. Länderspiel-Tor von Ballack, der einen Freistoß aus 20 Metern an der Abwehrmauer vorbei ins Tor zirkelte, rasch zum Ausgleich.

Zwei Abwehrfehler der Hausherren hätten der deutschen Mannschaft fast umgehend sogar zur Führung verholfen. Zunächst verstolperte Jin Kyu Kim den Ball gegen Klose (26.), der knapp am Tor vorbei schoss. Dann köpfte der erst 19-jährige Abwehrchef eine Freistoßflanke von Schweinsteiger an den Pfosten (30.). Ein 20-m-Schuss von Lahm (53.), den Torhüter Woon Jae Lee mit Mühe parierte, war nicht das erhoffte Startsignal für deutschen Angriffswirbel. Im Gegenteil: Nach dem Kunstschuss von Lee, der aus 16 Metern aus der Drehung in den Winkel traf, machte der eingewechselte Cho drei Minuten vor dem Ende den zu hoch ausgefallenen Sieg der Koreaner perfekt.

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