1,3 Millionen Menschen ohne Strom
Wieder Stromabschaltungen in Kalifornien

dpa WASHINGTON. In Kalifornien gab es am zweiten Tag nacheinander massive Stromabschaltungen. Es sind die bisher härtesten Maßnahmen in der Energiekrise an der Westküste. Am Dienstag hielt der staatliche Netzbetreiber Strom für eine halbe Million Haushalte zurück. Die Behörden kündigten für die Einwohner am Dienstag einen Abend im Kerzenschein an, da erst in der Nacht die Sperren aufgehoben werden sollten.

Etwa 1,3 Millionen Menschen mussten bereits am Montag stundenweise ohne Strom auskommen. Computer stürzten ab, Ampeln fielen aus und Supermarkt-Kunden tappten im Dunkeln. Imbiss-Küchen blieben kalt. Polizisten versuchten, das Verkehrschaos zu regeln, und Sicherheitskräfte bewachten Geschäfte aus Angst vor Plünderungen.

US-Energieminister Spencer Abraham nannte die Lage an der Westküste die schlimmste Energiekrise seit den 70-er Jahren. «Wenn wir diese Herausforderung nicht meistern, wird der wirtschaftliche Wohlstand unserer Nation bedroht, unsere nationale Sicherheit gefährdet und buchstäblich unser Lebenswandel verändert», warnte Abraham. Die Krise könne über Kalifornien hinaus das Land bedrohen und für Jahrzehnte andauern. Daher müssten die USA ihre Energie- Gewinnung diversifizieren. US-Präsident George W. Bush hatte sich am Montag mit seinen Energie-Beratern getroffen. Er sagte, es gebe «keine schnellen Lösungen».

«Wir kommen nicht durch das Jahr, wenn die Verbraucher ihren Strombedarf nicht um zehn Prozent gegenüber dem vergangenen Jahr senken», sagte der Gouverneur von Kalifornien, Gray Davis. Der US- Staat bekam bei ungewöhnlich warmen Temperaturen von bis zu 30 Grad Celsius einen Vorgeschmack auf den Sommer, wenn Klimaanlagen den Strombedarf in die Höhe schnellen lassen. Dabei verbrauchten die Kalifornier in diesen Tagen nur etwa die Hälfte der Energie eines Sommertages.

Davis hatte versucht, mit kräftigen Stromkäufen aus der Staatskasse und langfristigen Lieferverträgen die Energiekrise bis zum Sommer zu lindern. Dafür will seine Regierung bis zu 4,7 Milliarden Dollar (rund 10 Milliarden Mark) Steuergeld ausgeben. Die Energiekrise verschlingt derzeit knapp 50 Millionen Dollar Staatsgelder pro Tag.

Neben dem Wetter trugen mehrere Faktoren zur Lage bei. Mehrere Kraftwerke mussten wegen technischer Störungen vom Netz gehen oder waren nur teilweise in Betrieb. Außerdem sind die Hälfte der kleineren Energieanlagen wegen finanzieller Probleme, fehlenden Windes oder aus Mangel an Naturgas abgeschaltet. Stromimporte von außerhalb Kaliforniens gingen zurück und Unternehmen gingen nach der Krise im Januar wieder großzügiger mit Energie um. Die Abschaltungen Ende Januar betrafen weniger Einwohner und Gebiete des Staates als diesmal.

Energie war in dem Bundesstaat durch eine misslungene Deregulierungs-Politik knapp geworden. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung waren die Strompreise auf dem freien Markt über Erwarten gestiegen. Die Stromversorger stehen am Rand des Bankrotts, weil sie die höheren Kosten nicht an die Verbraucher weiter geben dürfen. Hinzu kommt, dass in Kalifornien durch scharfe Umweltbestimmungen in den vergangenen zehn Jahren keine Kraftwerke mehr gebaut wurden.

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