1,4 Milliarden Euro Verlust
Chrysler bremst Daimler aus

Die Probleme der US-Sparte des Stuttgarter Automobilkonzerns Daimler-Chrysler sind noch gravierender als bisher bereits angenommen. Das geht aus einem Brief hervor, den Konzernchef Jürgen Schrempp und Daimler-Chrysler-Finanzchef Manfred Gentz an die Aktionäre des Unternehmens verschicken. Die Schieflage von Chrysler wird bereits das laufende Ergebnis erheblich belasten. Es hat sich gegenüber dem Vorjahr glatt halbiert.

HANDELSBLATT STUTTGART/NEW YORK. Mit dem Brief an die Aktionäre hat der Stuttgarter Autokonzern zum dritten Mal binnen kurzer Zeit die Prognosen für Chrysler nach untern korrigiert. Vor wenigen Wochen hatte die Krise der US-Sparte bereits zur Entlassung des damaligen Chrysler-Chefs James Holden geführt. Ihn ersetzte Daimler-Chrysler-Vorstandsmitglied Dieter Zetsche, der kurz darauf Kassensturz machte und Chrysler ein drastisches Sparprogramm verordnete.

Daimler-Chrysler - Intraday-Chart

Betriebsgewinn sinkt auf ein Zehntel des Vorjahres

Die US-Sparte wird laut Aktionärsbrief im Gesamtjahr nur noch 500 Mill. Euro Betriebsgewinn einfahren, ein Zehntel des Wertes von 1999. Dies macht sich im Konzernergebnis erheblich bemerkbar. Ohne Einmaleffekte in Höhe von voraussichtlich 4,5 Mrd. Euro werde Daimler-Chrysler einen Betriebsgewinn vor Steuern und Finanzergebnis zwischen 5 und 5,5 Mrd. Euro erzielen, heißt es dort. 1999 hatte der Betriebsgewinn ohne Einmaleffekte 10,3 Mrd. Euro betragen. Unter die Einmaleffekte fallen nach Firmenangaben Buchgewinne aus Unternehmensveräußerungen wie der Verkauf des Debis-Systemhauses an die Deutsche Telekom.

Düstere Prognosen für 2001

Das vierte Quartal hat das Ergebnis besonders belastet. Zwar nennt der Aktionärsbrief keine konkreten Quartalszahlen. Aus bekannten Informationen lässt sich aber ein Verlust von 1,4 Mrd. Euro ermitteln. Analysten zeigten sich erstaunt über das Ausmaß des Verlusts. "Die Höhe ist überraschend", sagte Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank. Die Daimler-Chrysler-Aktie sank um 2 % und notierte um 47 Euro. Der größte Teil der Chrysler-Verluste resultiert aus vorübergehenden Werksschließungen. Diese hatte der neue Chef Zetsche veranlasst, nachdem die Autokonjunktur in den USA abgeflaut war und die Läger überquollen. Entgegen den Erwartungen enthalten die Verluste keine Rückstellungen für das Sparprogramm im kommenden Jahr. Dessen Kosten will das Unternehmen erst beziffern, wenn das Sanierungsprogramm für Chrysler Ende Februar bekannt gegeben wird. Schon jetzt malt Daimler die Aussichten für 2001 in düsteren Farben. Der Wettbewerb in den USA werde sich verschärfen. Dies werde sich im Ergebnis niederschlagen.

Unterdessen haben sich die Nutzfahrzeug-Tochter Freightliner und die amerikanische Automobilarbeitergewerkschaft UAW auf einen dreijährigen Tarifvertrag für rund 2 350 Mitarbeiter des Lastwagenherstellers geeinigt. Ein Arbeitskampf konnte damit in letzter Minute verhindert werden. Trotz der Schwierigkeiten in den USA expandiert das Unternehmen in Europa. Der Konzern sucht einen Standort für ein neues Motorenwerk. Hier soll der Benzinmotor für die geplante viersitzige Version des Kleinwagens Smart gebaut werden .

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