1,5 Mill. offene Stellen
Jagoda: Vier Mill. Arbeitslose zum Jahreswechsel

Die Zahl der Erwerbslosen wird nach Einschätzung des Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, spätestens im Januar die Vier-Millionen-Grenze überschreiten. In einem vorab veröffentlichten Interview der "Berliner Zeitung" (Freitagausgabe) sagte Jagoda, möglicherweise werde die Schallmauer auch schon im Dezember durchbrochen.

Reuters BERLIN. Zugleich warf Jagoda den Unternehmen vor, erfahrene Arbeitskräfte als zu alt abzuweisen und einen "verheerenden Jugendkult" zu verfolgen.

Jagoda sagte, "saisonbedingt steigt die Arbeitslosigkeit regelmäßig um etwa 500 000 an. Bei extremer Witterung sogar noch stärker". Im Oktober hatte die Zahl der Arbeitslosen bei 3,725 Mill. gelegen. Die Annahme der Bundesregierung, dass die durchschnittliche Arbeitslosenzahl im laufenden Jahr bei rund 3,84 Mill. liegt, bezeichnete Jagoda als realistisch. 2002 erwarte er eine Erwerbslosenzahl von 3,893 Mill..

Jagoda kritisierte, dass die Firmen einerseits klagten, 1,5 Mill. offene Stellen nicht besetzen zu können. Andererseits aber stelle die Bundesanstalt den Unternehmen eine Datenbank mit 1,6 Mill. Bewerbern zur Verfügung, die zum Teil über Top-Qualitäten verfügten. Doch häufig würden erfahrene Kräfte nicht eingestellt, weil sie als zu alt abgewiesen würden. Er halte diesen "Jugendkult" der Wirtschaft "in jedem Fall für verheerend", sagte Jagoda. Wenn die Konjunktur dann wieder anspringe klagten die Unternehmen, dass es ihnen an Fachkräften mangele.

Den Tarifparteien riet Jagoda, in den kommenden Lohnrunden ihre "vernünftige, arbeitsplatzschaffende Tarifpolitik" fortzusetzen. Er würde Lohnabschlüsse begrüßen, "die die Inflation ausgleichen, ohne die Produktivitätssteigerung komplett auszuschöpfen." Auf dieser Weise bleibe Spielraum für Investitionen.

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