10 Mill. $ Kopfgeld für Taliban-Chef
US-Marine nimmt Kandahar-Flugplatz ein

Die USA haben am Freitag ihre Bombenangriffe auf die ostafghanische Bergregion Tora Bora fortgesetzt, während US-Marineinfanteristen zum Flughafen der südafghanischen Stadt Kandahar vorgedrungen sind. In der Nacht und nach Tagesanbruch sei die Region Tora Bora von B-52 Bombern und Hubschraubern massiv bombardiert worden, berichtete ein Anti-Taliban-Kämpfer. Dort haben sich Kämpfer der El Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden verschanzt.

Reuters/ap WASHINGTON/TORA BORA. Afghanische Anti-Taliban-Kämpfer haben am Freitag nach eigenen Angaben eine Höhle in der Bergfestung Tora Bora eingenommen, in der sich noch kürzlich der Extremistenführer Osama bin Laden aufgehalten haben soll. Es sei eine große Anzahl von El-Kaida-Kämpfern umzingelt worden, sagte Ostallianz-Kommandeur Hasrat Ali. Unbestätigten Berichten zufolge soll Bin Laden unter den eingeschlossenen Kämpfern sein.

Der von den USA wegen der Anschläge vom 11. September gesuchte bin Laden befindet sich nach Informationen aus hohen Kreisen des US-Verteidigungsministeriums noch in Afghanistan. Bin Laden werde im Agram-Tal in der Nähe der Stadt Tora Bora vermutet, hieß es am Donnerstagabend. Er soll dort in einem Höhlensystem festsitzen.

Am frühen Morgen kreiste ein B-52 Bomber über den Bergen nahe Tora Bora. Knapp eine Stunde später explodierte auf einem Feld eine schwere Fliegerbombe. "Sie haben ihr Ziel verfehlt", sagte ein Anti-Taliban-Kämpfer. Sekunden danach stiegen nach zwei weiteren Explosionen braune Rauchwolken über den Bergen auf. Die USA setzten schwerste Bomben ein, um Höhlen-Festungen der El Kaida zu sprengen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wies Presseberichte zurück, die USA wollten mit den Bombardements die El Kaida auslöschen. "Die erste Wahl ist ganz klar Kapitulation", sagte Rumsfeld. Das sei preiswerter. Kapitulationsverhandlungen waren am Vortag ein zweites Mal ergebnislos verlaufen.

Soldaten breiten Gebetsteppiche während der Bombardements aus

Nach mehreren Tagen intensiver Bombardements haben US-Kampfflugzeuge den Rest der El Kaida-Kämpfer in der öden Tora Bora (schwarzer Staub) Region rund 40 Kilometer von Dschalalabad zurückgedrängt. Nach einer Meldung der afghanischen Nachrichtenagentur AIP sind inzwischen US-Spezialkommandos in Tora Bora eingetroffen. Trotz der massiven Bombardements ließen sich einige Anti-Taliban-Kämpfer nicht ablenken und breiteten ihre Gebetsteppiche für das Morgengebet aus.

Derweil nahmen mehrere Hundert schwerbewaffnete US-Marineinfanteristen den Flugplatz von Kandahar ein. Einige Marines rückten von Land her an, andere wurden von Hubschraubern abgesetzt. Offiziere sagten zu mitgenommenen Journalisten, die Soldaten sollten den Flughafen sichern und Instand setzen, damit Hilfslieferungen eingeflogen werden könnten. Der Flughafen liegt etwa 20 Kilometer südöstlich von Kandahar. Die Stadt war vor einer Woche von den Anti-Taliban-Kämpfern eingenommen worden. Kandahar galt als Hochburg der bis zu ihrem Sturz in Afghanistan regierenden radikal-islamischen Taliban. Die Taliban hatten bin Laden beschützt und seine Auslieferung abgelehnt. Die USA erwägen nach Angaben von Rumsfeld, für das Ergreifen des religiösen Oberhaupts der Taliban, Mullah Omar, ein Kopfgeld von 10 Millionen Dollar (rund 22 Millionen Mark) auszusetzen. Für die Ergreifung Bin Ladens und seiner Gefolgsleute haben die USA bereits ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar ausgesetzt.

Die US-Zeitung "Christian Science Monitor" hatte am Vortag berichtet, Bin Laden sei nach Pakistan geflüchtet. Aus Kreisen des US-Verteidigungsministeriums verlautete, es gebe Berichte von afghanischen Kämpfern, wonach bin Laden gesehen worden sei. Auch lägen Geheimdienstberichte vor, nach denen sich bin Laden in dem Gebiet aufhalte, hieß es in den ranghohen Kreisen weiter. In den US-Kreisen hieß es ferner, dass ein Entkommen kaum möglich sei, da die Grenze zu Pakistan abgeriegelt sei und die afghanischen Kämpfer die Täler kontrollierten. "Wo immer sich El-Kaida-Leute aufhalten, sie können nirgendwo hin." Sie würden sich entweder ergeben oder bis zum Tod kämpfen müssen, hieß es in den Kreisen weiter.

Rumsfeld hatte zuvor vor Journalisten erklärt, jetzt gehe es nicht mehr um Verhandlungen. Auf dem Tisch liege nur noch die bedingungslose Kapitulation. Rumsfeld sagte: "Wir glauben, er hält sich dort auf. Wir wissen nicht, ob er dort ist, wir versuchen ihn zu finden, und wenn wir ihn finden, werden wir das bekannt geben." In den USA war am Donnerstag ein Video veröffentlicht worden, das nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums die führende Rolle Bin Ladens bei den Anschlägen in New York und bei Washington beweist. Bei den Anschlägen waren fast 4000 Menschen getötet worden.

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