100. Auslandsreise
Papst in Kroatien

Papst Johannes Paul II. hat am Donnerstag seine 100. Auslandsreise begonnen. Bei seinem fünftägigen Besuch in Kroatien feiert er unter anderem in Dubrovnik und Rijeka Messen und trifft mit der politischen Führung zusammen, die sich Aufwind für einen raschen EU-Beitritt erhofft.

dpa ROM. Theologen im Vatikan betonten, die Papstreisen in insgesamt 129 Länder der Erde hätten "das Zusammengehörigkeitsgefühl der katholischen Weltkirche entscheidend gestärkt". Kritik etwa an den hohen Kosten der Besuche wurde zurückgewiesen. Italienische Journalisten feierten die Pilgerreisen als "historische Wende" in der Kirchengeschichte.

Vatikan-Statistiker haben errechnet, der Papst habe bei seinen Reisen fast 1,2 Millionen Kilometer zurückgelegt - drei Mal die Strecke zum Mond. Dabei habe er 2 399 Reden gehalten. Alles in allem habe er in den fast 25 Jahren seines Pontifikats den Vatikan für 575 Reisetage verlassen. "Es gab kein Jahr des Pontifikats, in dem der Heilige Vater nicht auf Reisen war." Zeitweise war er sogar sechs oder sieben Mal im Jahr unterwegs.

Italienische Kommentatoren betonten, es sei vor allem die "Medien- Intuition des großen Kommunikators", die dazu führe, dass ihm immer wieder Millionen Menschen zujubelten. Sie verweisen auf seine großen Erfolge vor allem bei den "jungen Kirchen" in Afrika und Lateinamerika sowie auf die insgesamt acht Besuche in der polnischen Heimat. "Er hat den Menschen gezeigt, dass der authentische Glaube keine Angelegenheit der Vergangenheit ist", meint die Zeitung "La Repubblica" (Rom). "Außerdem hat er den Armen und Verzweifelten in der Dritten Welt eine Stimme gegeben", hieß es.

Wegen der angegriffenen Gesundheit des 83-Jährigen ist das Reiseprogramm in Kroatien stark eingeschränkt. Als Johannes Paul II. im Januar 1979, nur drei Monate nach seiner Wahl, die erste Auslandsreise unternahm (nach Mexiko und auf die Bahamas) hatte er mitunter täglich ein halbes Dutzend Termine und hielt ebenso viele Reden. In Kroatien hat er an einigen Tagen als einzigen Programmpunkt lediglich eine Messe zu feiern. Obwohl der Papst kaum noch gehen kann, hat er weitere Reisepläne.

Bereits am 22. Juni geht es in die serbische Stadt Banja Luka, im August will er in die Mongolei reisen, im September in die Slowakei. Doch auch der Papst war nicht überall. "Weiße Flecken" auf der Landkarte sind nach wie vor Russland, China und Vietnam. Sein größter Wunsch ist es, zur Versöhnung mit der orthodoxen Kirche nach Moskau zu pilgern; bislang wartet er aber vergeblich auf eine Einladung des Patriarchen.

Höhepunkte seiner Reisen waren Kuba (1998), wo er die Freilassung politischer Gefangener erreichte, und Israel (2000), wo er an der Klagemauer um Vergebung für die Judenverfolgung bat. Drei Mal kam Karol Wojtyla Deutschland, wo es 1996 in Berlin Pfiffe und Demonstrationen gegen ihn gab. Das "Land Luthers" gilt im Vatikan als schwieriges Pflaster. Auch Zwischenfälle gab es.

1989 musste die Papst-Maschine wegen eines Gewitters in Südafrika notlanden, das der Kirchenführer wegen der Apartheid meiden wollte. 1999 stürzte der Papst in Polen, wurde krank und musste einen Tag lang alle Termine absagen.

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