Archiv
100 Jahre SC - Finke: «Meister wird Freiburg nicht»

Freiburg (dpa) - Wie alles anfing, ist ebenso unklar wie das genaue Datum der Vereinsgründung. Irgendwann im Frühjahr 1904 finden sich die Ursprünge des späteren SC Freiburg, der aus den örtlichen Clubs Fußballverein 1904 und dem FC Schwalbe hervorging.

Jahrzehnte lang galt der SC hinter dem elitären Lokalrivalen Freiburger FC als graue Maus. «Gegen den FC waren wir ein Kleingärtnerverein», erinnert sich Präsident Achim Stocker. Mit dem Klassenverbleib im Jubiläums-Jahr sorgte der Fußball-Bundesligist für große Erleichterung im Breisgau. «Schließlich kann man nicht 100 Jahre werden und absteigen», sagte Trainer Volker Finke.

Die Vergangenheit wieder ans Licht zu holen ist schwierig, denn der Verein besitzt praktisch kein Archiv. Nach den Kriegszerstörungen wurde allzu sorglos mit der Club-Historie umgegangen. Was sich an Stadionheften, Pokalen, Fotos und anderen Erinnerungsstücken bis in die 60er Jahre wieder angesammelt hatte, wurde bei einem Umbau des Clubheims ganz unsentimental in den Müll gegeben, recherchierte der Vorsitzende des SC-Ältestenrates, Peter Martin.

Jahrzehnte lang fristete der SC ein Schattendasein, während der FC vor zehntausenden Zuschauern im Möslestadion auftrumpfte. Nach dem Krieg spielte der als Studentenclub titulierte SCF in der obersten Amateurklasse. 1954 wurde das Dreisamstadion eingeweiht, 1970 konnte man sich zaghaft zum Bau einer Sitztribüne (480 Plätze) entschließen.

Der Sprung in den Profibereich gelang 1978 nach 28 Jahren in der 1. Amateurliga Südbaden. Doch auch in der 2. Liga lebte man von der Hand in den Mund. «Jedes Jahr mussten wir versuchen, unsere besten Spieler zu verkaufen, damit der Club sich wieder refinanziert hatte», erzählt Stocker, seit 1972 Clubchef. Doch mit Profis wie dem Rekord-Torjäger Joachim Löw (81 Tore/252 Spiele), Günther Wienhold, Alfons Higl und Souleman Sané lief man dem großen FC allmählich den Rang ab.

Stocker verpflichtete 1991 den unbekannten Lehrer Finke aus Havelse. Der mischte zunächst die 2. Liga und nach dem Aufstieg 1993 auch das «Oberhaus» mit Konzeptfußball, unorthodoxen Führungsmethoden und intellektuellen Spiel-Analysen auf. Inzwischen stehen sogar zwei Europacup-Starts in der Club-Chronik. «Das ist eigentlich Wahnsinn», sagt Stocker, der wegen gesundheitlicher Probleme kaum noch SC-Spiele live verfolgt und auch nicht mehr wie einst als Manager fungiert. «Die Zeiten haben sich gewandelt. Das sportliche Profil wird vom Trainer geprägt. Bei uns ist das ohne Wenn und Aber so», sagt er.

Freiburg ist längst keine Fußball-Provinz mehr. Das altehrwürdige «Mösle» hat der SC vom derzeit in der Verbandsliga kickenden FC übernommen und dort die Freiburger Fußball-Schule errichtet. Von den letzten elf Jahren war der SCF neun erstklassig. In Jens Todt, Jörg Heinrich und Sebastian Kehl wurden SC-Profis Nationalspieler. Während es früher nicht mal einen Manager gab, stehen heute gleich zwei unter Vertrag. Und der neue Hauptsponsor Suzuki ist kein Öko-Unternehmen mehr, sondern ein weltweit operierendes Unternehmen.

Selbstredend gibt es im Stadion auch VIP-Bereiche für die feinen Kreise. Coach Finke - ganz Pädagoge - wird nicht müde zu betonen, dass es trotz aller Erfolge auch weiterhin keine Garantie für Erstliga-Fußball gebe und die SC-Fans eine hohe Leidensfähigkeit mitbringen müssten. «Deutscher Meister wird man mit Freiburg nicht», sagt Finke. «Als Fan des Sport-Club muss man verlieren können. So gesehen ist es leichter, ein Trikot des FC Bayern München zu tragen.»

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%