100 Jahre Tour
Jan Ullrich auf der Spur

Die Tour de France mitfahren: Zumindest als Zuschauer per Rad ist das möglich wenn auch anstrengend.

Harald Wilhelm ist ein Spätzünder - zumindest was sein Hobby betrifft. Erst vor zwei Jahren fand der 42-jährige Hochschuldozent aus dem fränkischen Kronach zum Radsport. Dabei gab das Fernsehen den entscheidenden Impuls: "Im TV habe ich mir die Tour de France angesehen und war von den Leistungen der Sportler begeistert."

Beim Fernsehen blieb es nicht, Passivsport war nichts für ihn. Der Hochschullehrer war vom Virus der Tour infiziert und wollte selbst in die Pedalen treten. "Kurz entschlossen kaufte ich mir im Fachgeschäft ein Replikat eines Telekom-Rennrades", berichtet Wilhelm.

Solch ein Top-Rad hat natürlich seinen Preis, doch die 3000 Euro waren gut angelegt. Denn Wilhelm hatte ein klares Ziel vor Augen: Er wollte einmal die Tour live auf dem Rad erleben und auf den Spuren von Lance Armstrong und Jan Ullrich die Berge der Alpen erklimmen.

Der Traum wurde für Wilhelm im vergangenen Jahr Realität, der kleine Kölner Radsportreise-Veranstalter Mount and Bike machte es möglich. "Seit 1998 bieten wir Radsportreisen zur Tour an. Jan Ullrichs 1997er-Sieg bei dem größten Radrennen der Welt brachte uns auf die Idee", erklärt Mount-and-Bike- Tour-Organisator Sascha Penna.

Nicht nur in Deutschland werden solche Radsport-Reisen von einigen Veranstaltern zu diesem Top-Ereignis angeboten. Das "Wall Street Journal" zählte über ein Dutzend Veranstalter weltweit: Unternehmen in Großbritannien, Kanada, Australien und den USA verdienen Geld mit der Tour de France, vor allem im Jahr ihres 100-jährigen Jubiliäums (siehe Kasten).

Spezialisiert haben sich die Kölner auf die Tour-Etappen in den Alpen und Pyrenäen. Diese Touren dauern jeweils fünf beziehungsweise sechs Tage. "Wir Hobbyradsportler sind vor den Profis auf der Strecke", erklärt Penna. Bei der 5-tägigen Alpentour verlangt vor allem der Anstieg nach L?Alpe d?Huez, die Königsetappe der Tour, den Hobby-Radlern alles ab: 8 Prozent Steigung und 21 Serpentinen markieren den beschwerlichen Weg zur Bergspitze.

Die Klassiker auf der Pyrenäentour sind der Col d?Aspin und der Tourmalet. Hier hat es vor allem der Tourmalet mit einer Steigung von 7,4 Prozent auf einer Länge von 17,1 Kilometern in sich.

"Auf den 50 bis 100 Kilometer langen Etappen legen wir zwischen 1 500 und 2 000 Höhenmeter zurück", sagt Penna. Hört sich alles sehr professionell an, aber den kleinen Unterschied zwischen dem Profi Jan Ullrich und dem Amateur Harald Wilhelm gibt es noch. Während die Profis mit über 20 Stundenkilometern die größten Steigungen nehmen, begnügen sich die Hobby-Radler mit Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 8 und 12 Stundenkilometern.

Um solche Geschwindigkeiten bei den Tour-Bergetappen zu erreichen, musste Wilhelm vorher kräftig zu Hause in die Pedalen treten. "1000 Kilometer habe ich vor meiner Tour auf dem Rad abgespult", sagt Wilhelm. Das heißt im Klartext: Drei- bis viermal saß der Jurist in der Woche im Sattel und durchquerte seine fränkische Heimat.

Vor seinem neuen Tour-Event hat Wilhelm noch weiter an seiner Radtechnik gefeilt - und das im wahrsten Sinne des Wortes. "Im letzten Jahr hatte ich bei meinem Trip in die Alpen manchmal heftig Bedenken, weil ich noch nicht mal in der Lage war, einen Reifen zu wechseln", erinnert sich Wilhelm. In diesem Jahr hat er deshalb vorgebeugt: Reifenwechsel beim Rennrad ist für ihn kein Problem mehr.

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