100-Meter-Finale
Die Stille vor dem Schuss

Am Samstag ist es soweit: Um 22.30 Uhr Ortszeit startet das 100-Meter-Finale. Antreten werden drei Sprinter, die in den vergangenen drei Jahren die acht schnellsten Läufe der Geschichte geboten haben. Wer wird gewinnen? Das werden erst die Dopingproben entscheiden.

PEKING. So richtig still sitzen kann Usain Bolt nicht. Sein Ausrüster, der deutsche Sportartikelhersteller Puma, stellt ihn in einem Pekinger Shopping-Center für die Öffentlichkeit aus. An seinem linken Handgelenk zappelt eine fette goldene Uhr, Bolt muss immer in Bewegung bleiben, mal lümmelt er im Polster, dann zuckt er wieder. Er kann es nicht mehr abwarten.

Aber Samstag ist es ja so weit. Um 22.30 Uhr Ortszeit wird das 100-Meter-Finale gestartet. Ein Duell dreier Sprinter, die seit drei Jahren die acht schnellsten Läufe der Geschichte fertig gebracht haben.

Und Usain Bolt ist einer von ihnen. Der Jamaikaner lief in diesem Jahr 9,72 Sekunden und entriss damit seinem Landsmann Asafa Powell den Weltrekord. Der dritte ist der US-Amerikaner Tyson Gay, der Weltmeister, der bei den US-Trails schon 9,68 Sekunden gelaufen ist, allerdings bei zu starkem Rückenwind.

Neben der Rekordjagd von Michael Phelps ist dieses Rennen das Spektakel dieser Spiele, es gibt nichts Größeres bei Olympia. Es gibt aber auch nichts Gefährlicheres. Denn dieser Lauf entscheidet womöglich über die Zukunft dieser Sportart. Seit Ben Johnson vor 20 Jahren in Seoul des Dopings überführt wurde, gab es nur einen Olympiasieger, der nicht mit unerlaubten Mitteln nachgeholfen hat: der Kanadier Donovan Bailey, der 1996 in Atlanta gewann. Von den 15 anderen Sprintern, die nach Johnson bei den Spielen eine Medaille holten, haben nur vier sie verdient, weil sie frei von Vorwürfen und Beweisen sind.

„Die 100 Meter sind eine große Versuchung“, sagt Justin Gatlin, 2004 Olympiasieger in Athen. 2006 wurde er positiv auf Testosteron getestet. Zum zweiten Mal, bis Mitte 2010, ist er gesperrt. Man könne mit diesem Rennen so viel gewinnen. Geld, Ruhm, Beachtung. „Es macht Athleten verrückt.“

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