100 Millionen Mark Schadenersatz für Banken und Leasinggesellschaften
Für KPMG wird der Flowtex-Skandal teuer

Der Skandal um die Firma Flowtex kommt KPMG teuer zu stehen. Die Wirtschaftsprüfer zahlen an die Gläubiger die Rekordsumme von 100 Millionen Mark Schadensersatz. Rechtsexperten zeigten sich überrascht. Offensichtlich fürchtet KPMG den Verlust zahlreicher im Gläubiger-Pool vertretenen Mandanten.

jkn FRANKFURT/M. An einem Nebenkriegsschauplatz im milliardenschweren Wirtschaftskrimi um die Ettlinger Firmengruppe Flowtex scheint Friede einzukehren: Die Wirtschaftsprüfer von KPMG Deutschland zahlen an 76 geschädigte Banken, Sparkassen und Leasinggesellschaften 100 Mill. DM Schadensersatz. Im Gegenzug verzichten die Gläubiger, die ursprünglich 1,9 Mrd. DM gefordert hatten, auf rechtliche Schritte gegen KPMG. Sie hatten den Prüfern schwere Versäumnisse bei der Erstellung von Gutachten und Bilanztestaten vorgeworfen.

Der Vergleich wurde in letzter Minute erzielt. Wäre er nicht zu Stande gekommen, hätten die Flowtex-Gläubiger, die sich zu einem KPMG-Pool zusammengeschlossen hatten, Anfang dieser Woche die Klage gegen KPMG eingereicht. Der Betrag von 100 Mill. DM dürfte ein schwerer Brocken für KPMG sein. Laut Geschäftsbericht erzielte die Gesellschaft in 2000 ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von rund 57 Mill. DM. Wie aus KPMG-Kreisen verlautete, wird die Vergleichssumme aus einem Topf der internationalen KPMG entnommen, der für solche Fälle eingerichtet worden sei.

Die beiden Flowtex-Gesellschafter Manfred Schmider und Klaus Kleiser hatten Banken und Leasinggesellschaften mit Scheinrechnungen über nicht vorhandene Bohrgeräte um rund 3 Mrd. DM geprellt. KPMG hatte die Bilanzen einer Gesellschaft aus der Flowtex-Gruppe für die Jahre 1997 und 1998 testiert und zudem eine Sonderprüfung der Leasingverhältnisse vorgenommen. Dabei hatten die Prüfer auf eine Vor-Ort-Kontrolle verzichet. KPMG betonte gestern: "Unsere Prüfungstätigkeit bei Flowtex war korrekt." Die Zahlung der Vergleichssumme erfolge ohne Anerkennung einer etwaigen Rechtspflicht. Dagegen spricht der Freiburger Anwalt Christian Wolf, der den KPMG-Pool vertritt, von "Schadenersatz". "Wir sehen das Ergebnis als einen klaren Erfolg", erklärte Wolf.

Rechtsexperten überrascht

Rechtsexperten zeigten sich überrascht von dem Vergleich. In den zurückliegenden Wochen hatten sich Hinweise verdichtet, dass Schmider und Kleiser gefälschte Stempel von KPMG benutzt hatten. Die Staatsanwaltschaft Mannheim geht einem entsprechenden Verdacht nach. "Wer 100 Millionen zahlt, der muss wohl ein gewisses Risiko sehen", erklärte ein Frankfurter Wirtschaftsanwalt.

Auch die Höhe des Vergleichs erstaunte die Fachleute. Niemals zuvor zahlte in Deutschland eine WP-Gesellschaft so viel Geld. Im Betrugsfall des Sportbodenherstellers Procedo/Balsam einigten sich die Gläubiger-Banken auf 48 Mill. DM. Dagegen verwies KPMG darauf, dass die Summe nur rund 5 % der ursprünglich geforderten 1,9 Mrd. DM ausmache. Im Procedo/Balsam-Fall hatten die Gläubiger eine Vergleichsquote von fast 25 % erreicht.

Offensichtlich fürchtete KPMG nicht nur erhebliche Imageschäden durch jahrelange Prozesse, sondern vor allem den Verlust wichtiger Mandanten. "Uns lag daran, die vielfältigen Geschäftsbeziehungen in allen ihren Dienstleistungsbereichen zu den im Pool vertretenen Mandanten nicht zu belasten", erklärte KPMG. "Das könnte der ausschlaggebende Grund für den Vergleich sein", urteilte ein Branchenkenner.

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