100-Städte-Tour soll der Bevölkerung den Euro näher bringen
Bundesbank muss viel Überzeugungsarbeit leisten

Sieben Monate vor der offiziellen Einführung des Euro-Bargelds will die Deutsche Bundesbank und die Aktionsgemeinschaft Euro mit einer Infokampagne in einhundert deutschen Städten die Akzeptanz der neuen Währung erhöhen - eine Aufgabe, die Geduld verlangt.

26.4.2001 OBERHAUSEN. "Wir Deutschen dürfen immer nur zahlen. Davon haben wir am Ende gar nichts." Sichtlich erregt redet Franz Müller auf sein Gegenüber ein. Der Oberhausener ist sauer, fühlt sich betrogen. "Hätte man uns abstimmen lassen, bekämen wir den Euro nicht. Da bin ich mir ganz sicher." Sein Gesprächspartner, der Europa-Abgeordnete Klaus Hänsch (SPD), ist da gänzlich anderer Ansicht. Der überzeugte Euro-Anhänger glaubt fest an den volkswirtschaftlichen Nutzen der Gemeinschaftswährung: "Denken Sie einmal daran, wie wichtig der Export für unsere Wirtschaft ist und welche enormen Erleichterungen uns der Euro dort bringt."

Diskussionen wie diese gab es viele im Infozelt der "Aktionsgemeinschaft Euro". Der Vorplatz der Oberhausener Einkaufsmeile Centro war eine der ersten Stationen auf der 100-Städte-Tour der Aktionsgemeinschaft, die von der Deutschen Bundesbank, der Bundesregierung, der Europäischen Kommission und dem europäischen Parlament getragen wird.

Viele Besucher sind unsicher

Das Ziel der Kampagne ist der offene Gedanken-Austausch mit den Bürgern. Über Fragen der Bargeldeinführung wurde genauso diskutiert, wie über die Themen Kredite und Finanzierung. Auch über die Rechnungsumstellung der Wohnungsmiete konnten sich interessierte Bürgerinnen und Bürger informieren. Diese Art der Aufklärung scheint auch dringend geboten. Immer wieder spürt man die Unsicherheit der Besucher. Positive Töne sind nur selten zu vernehmen.

Wie ein einsamer Ritter im Kampf gegen Windmühlen fühlt sich Armin Czysz, Leiter des Euro-Bürgertelefons deswegen aber nicht. Die Fortschritte sieht er vielmehr im Kleinen: "Wir merken, dass die Leute sich mehr und mehr für den Euro interessieren. Sie haben die neue Währung akzeptiert und beschäftigen sich jetzt mit den Fragen, die ihren alltäglichen Umgang damit betreffen. Das war vor ein, zwei Jahren noch ganz anders."

Akzeptiert haben auch Silvia und Harald Osygus, dass der Euro kommt. Ansonsten hätten sie auf die Umstellung der Währung aber gerne verzichtet. Ihre Meinung: "Im Urlaub mag es ganz nett sein, wenn man kein Geld mehr umtauschen muss." Trotzdem bleiben beide skeptisch: "Das kostet nur viel Geld."

Dennoch ist Klaus Hänsch optimistisch, dass sich die Bevölkerung schnell mit dem Euro arrangieren wird: "Ich weiß, dass eine gewisse Verunsicherung besteht. Aber bis zur endgültigen Bargeldumstellung vergehen noch über acht Monate, da wird sich noch vieles ändern."

Eine vorgefasste Meinung zu der neuen Währung haben aber nicht nur die Erwachsenen. Auch bei den Kindern und Jugendlichen hat das Standpersonal noch eine Menge Überzeugungsarbeit zu leisten. Der zwölfjährige Daniel, offenbar ein Mathe-Ass in der Schule, klagt: "Ich finde den Euro nicht so gut, weil dann alles nur noch die Hälfte kostet".

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