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100 Tage Karin von Welck: Klimawechsel in der Hamburger Kulturszene

Hamburg (dpa) - Klimawechsel in der Hamburger Kulturszene: Mit ihrer leidenschaftlichen, charmanten und kompetenten Art hat die neue Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) die Herzen der Hanseaten im Sturm erobert. 100 Tage nach ihrem Amtsantritt hat die 57-Jährige ihr wichtigstes Ziel erreicht: das verlorene Vertrauen der Kulturschaffenden in die Politik wieder herzustellen, das nach zwei Jahren unter ihrer umstrittenen Vorgängerin Dana Horáková zerrüttet worden war.

Hamburg (dpa) - Klimawechsel in der Hamburger Kulturszene: Mit ihrer leidenschaftlichen, charmanten und kompetenten Art hat die neue Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) die Herzen der Hanseaten im Sturm erobert. 100 Tage nach ihrem Amtsantritt hat die 57-Jährige ihr wichtigstes Ziel erreicht: das verlorene Vertrauen der Kulturschaffenden in die Politik wieder herzustellen, das nach zwei Jahren unter ihrer umstrittenen Vorgängerin Dana Horáková zerrüttet worden war.

Gleichzeitig bekam die Senatorin aber auch die harte Realität der Politik zu spüren, als sie vergangene Woche ihre Sparmaßnahmen im Kulturbereich bekannt geben musste. «Selten haben 100 Tage so viel ausgemacht: In der Hamburger Kulturpolitik herrscht ein ganz neuer Ton. Es ist wahnsinnig angenehm, wieder Gespräche führen zu können und Unterstützung zu erfahren», sagt Schauspielhaus-Intendant Tom Stromberg, der besonders heftig mit Horáková im Clinch lag. Auch Thalia-Intendant Ulrich Khuon ist von der neuen Senatorin begeistert, obwohl auch er in den kommenden zwei Jahren sparen muss. «Die Zusammenarbeit mit Frau von Welck klappt sehr gut. Vor allem ihre Themen Kultur, Bildung und Soziales sind auch unser Anliegen», sagt Khuon. Gemeinsam mit der Senatorin hofft er, Hamburg zu einer Art Modellregion für ästhetische Bildung zu machen.

Unermüdlich war die geborene Rheinländerin in den vergangenen drei Monaten unterwegs - von den Bergedorfer Musiktagen bis zu den Geschichtswerkstätten in Hamburg-Ottensen. Und fiel dabei auch positiv aus der Rolle: Zum Welttag des Buches wählte sie als Lieblingsbuch nicht etwa Lenz oder Fichte, sondern entschied sich für «Am Südpol, denkt man, ist es heiß» von Elke Heidenreich. «Da kommt Kultur vor und da kommt Wasser vor, ich dachte, das geht auch», meinte sie augenzwinkernd. Abends ließ sie, oft begleitet von ihrem Mann, kaum eine Premiere aus - ob Thalia in der Gaußstraße oder Oper. «Mir gefällt besonders das große bürgerschaftliche Engagement, das man hier überall trifft», sagt sie.

Geschickt hatte von Welck bereits als Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder Teile des Nachlasses des Romantikers Philipp Otto Runge für die Hamburger Kunsthalle gesichert, und so will sie auch in Zukunft noch mehr Sponsoren - wie zum Beispiel für die geplante Elb-Philharmonie - für die Kultur gewinnen. «Es gibt auch etliche Probleme, die bewältigt werden müssen.» Vor allem bei den finanziell angeschlagenen Museen seien Umstrukturierungen notwendig, außerdem will sie die Kulturinstitutionen in die Marketing-Konzepte für Gesamt-Hamburg einbinden. «Da hat Hamburg noch sehr viel Nachholbedarf.»

Das Angebot von Bürgermeister Ole von Beust (CDU), Kultursenatorin zu werden, hatte von Welck vor allem angenommen, «um nicht nur gute Ideen zu entwickeln, sondern auch bei der Umsetzung zu helfen und zu versuchen, die Verhältnisse zu verbessern.» Wie schwer das sein kann, wenn die Kassen leer sind, zeigte sich bei den Haushaltsberatungen. Insgesamt muss ihr Ressort in den kommenden zwei Jahren 8,4 Millionen Euro (2 Prozent des Kulturetats) einsparen.

Am härtesten getroffen ist die Hamburger Filmförderung. Ihre Mittel sollen von 7 auf 3,5 Millionen Euro pro Jahr halbiert werden, was heftige Proteste hervorrief. Auch bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises in Berlin nutzten die Preisträger Fatih Akin, Fritzi Haberlandt (sie ist Ensemble-Mitglied am Thalia Theater) und Peter Lohmeyer die Bühne zum Protest. Der Hamburger Regisseur Akin forderte Kulturstaatsministerin Christina Weiss auf, bei der Hamburger Kultursenatorin zu intervenieren, um die Kürzungspläne zu stoppen. «Damit gehen 10 000 Arbeitsplätze hopps», meinte Akin.

«Wir sind zu schmerzhaften Maßnahmen gezwungen», meinte von Welck dazu, «ich bin vor allem froh, dass wir kein Museum und kein Theater schließen mussten.» Der Imageschaden, der dadurch entstanden ist, dürfte der Senatorin aber noch lange zu schaffen machen.

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