100 weibliche Piloten bei der Lufthansa
Frauen erobern das Cockpit

Den Traum vom Fliegen hat sie schon als Kind gehabt. So lange sie denken kann, war Tanja Harter von der Fliegerei fasziniert. Heute hat sich die 33-Jährige ihren Traum erfüllt.

ap BERLIN. Täglich hebt sie mit "ihrer" Boeing 747 in die Lüfte ab - als Pilotin bei der Deutschen Lufthansa. Bei der Fluggesellschaft sind rund 4 000 Piloten beschäftigt, lediglich einhundert von ihnen sind Frauen.

Immer noch bewerben sich zu wenig Mädchen um eine Pilotenausbildung. Nur rund fünf Prozent der Bewerber sind weiblich. Tanja Harter will den jungen Mädchen Lust auf den Pilotenberuf machen. Ein Problem sei, dass es zu wenig Informationen über das Berufsbild gebe.

Familie und Beruf lassen sich vereinbaren

"Wir können ja keine Schnupperpraktika anbieten, wie in anderen Jobs", sagt sie. Im Auftrag der Pilotenvereinigung Cockpit informiert sie deshalb über ihren spannenden Job und räumt mit Vorurteilen auf. So ließen sich Familie und Beruf gut verbinden, versichert sie. Die Zeiten, als Piloten noch drei Wochen am Stück nicht zu Hause sein konnten, seien zum Glück bei der Lufthansa vorbei. Harter fliegt im europäischen Liniendienst. Im Schnitt ist sie drei Tage unterwegs. Etwas länger ist die Crew auf Interkontinentalflügen von der Familie getrennt.

Wenn eine weibliche Stimme aus dem Cockpit klingt, löst das bei vielen Passagieren immer noch Erstaunen aus. Der überwiegende Teil der Reaktionen sei aber positiv, weiß Harter. Richtig selten sind bei der Lufthansa aber weibliche Kapitäne. Rund 15 "Kapitäninnen" sind derzeit im Dienst der Fluggesellschaft. Erst vor zwei Jahren wurde die erste Frau zum Kapitän eines Lufthansa-Jets ernannt. Harter erinnert sich, dass sie einmal mit einer Kollegin geflogen sei. "Zwei Frauen im Cockpit - das war schon eine Überraschung." Nach dem Gesetz müssen Piloten 2 500 Flugstunden absolvieren, ehe sie als Kapitän die Gesamtverantwortung für ein Passagierflugzeug übernehmen dürfen. Meist werden die Piloten aber mit erheblich mehr Flugstunden nach rund zehn Jahren Berufserfahrung zum Kapitän ernannt.

Pilotenausbildung kostet rund 100 000 Euro

Nicht erst seit heute träumen junge Frauen von der Fliegerei. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg haben Frauen die Lüfte erobert. 1928 saß Marga von Etzdorf als erste Co-Pilotin im Cockpit einer Junkers F13 und flog für die damalige Luft-Hansa. Tanja Harter hatte sich nach einem Elektrotechnik-Studium entschlossen, sich für eine Pilotenausbildung bei der Lufthansa zu bewerben. Nur rund zehn Prozent der Bewerber bestehen die schwierigen Einstellungstests. Zwei Jahre dauert das Studium bis zum Erwerb der Air Transport License. Danach folgt eine vier- bis sechsmonatige Ausbildung bei einer Fluggesellschaft, die mit einer Musterzulassung abschließt.

Die angehenden Piloten lernen dort alle Fertigkeiten für den Liniendienst, etwa wie die Flugunterlagen überprüft und die Crew informiert wird. Die Ausbildung endet mit dem Abschluss Erster Offizier. Danach nehmen die Absolventen den Dienst als Co-Piloten auf.

Kein Geheimnis ist auch, dass eine Pilotenausbildung zu den teuersten überhaupt gehört. Mehr als 100 000 Euro streckt die Fluggesellschaft für die Ausbildung vor. Nach einer Anstellung müssen Lufthansa-Piloten davon rund 40 000 Euro zurückzahlen. Das "klassische" Einstiegsflugzeug bei der Lufthansa ist die Boeing 747 oder der Airbus A300. Dafür haben die Piloten nach ihrer Ausbildung eine Lizenz.

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